Ecclestone sagt im Gribkowsky-Prozess aus
Der Auftritt des 81-jährigen Formel-1-Zampanos dürfte der Höhepunkt des Mammutverfahrens gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky sein. Der Formel-1-Boss soll 44 Mio. Dollar Schmiergeld gezahlt haben.

Foto © APADer 81-Jährige Bernie Ecclestone
Er ist der große Zampano der Formel 1. Ohne den inzwischen 81-Jährigen geht nichts im schillernden Rennzirkus. Bernie Ecclestone prägt das PS-Spektakel seit Jahrzehnten. Wo er ist, geht es um Millionen, um schnelle Autos oder schöne Frauen. Am kommenden Mittwoch (9. November) und Donnerstag wird Ecclestone sich an einem erheblich tristeren Ort wiederfinden. Vor dem wenig glamourösen Landgericht München I soll der Brite im Strafprozess gegen den Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky aussagen. Der Auftritt dürfte der Höhepunkt des Mammutverfahrens sein.
44 Mio. Dollar (31,9 Mio. Euro) Bestechungsgeld soll "Ecc" an "Dr. Gri", wie beide in der Anklage heißen, gezahlt haben. Gribkowsky verkaufte für die BayernLB deren Anteile an der Rennserie an den Investor CVC - auch dank der Vermittlung von Ecclestone - und kassierte mit. Für die Staatsanwälte ist Gribkowsky ein Täter, der sich der Bestechlichkeit, der Untreue und der Steuerhinterziehung schuldig machte und der Bank einen Schaden von 66,5 Mio. Dollar einbrockte, bestehend aus 41,5 Mio. Dollar Provision für Ecclestone und weiteren 25 Mio. für dessen Familienstiftung. Ohne die angebliche Kungelei zwischen "Dr. Gri" und "Ecc" wäre das aber nicht nötig gewesen.
"An den Haaren herbeigezogen"
Der ehemalige Risikochef der Landesbank dürfte das ganz anders sehen. Er selbst schweigt vor Gericht, verfolgt das nicht selten trockenen Verfahren aber hochaufmerksam, manchmal schmunzelnd, manchmal verärgert, aber - so scheint es - stets siegesgewiss. Seine Anwälte halten die Vorwürfe für "an den Haaren herbeigezogen" und rechnen damit, dass die Anklage "in sich zusammenfallen wird". Daran dürfte auch Ecclestone gelegen sein, denn auch gegen ihn wird ermittelt. Ob und wann es eine Anklage geben wird, ist allerdings offen.
Aus Sicht von Gribkowsky hat er gut und hart verhandelt. Er sollte die Anteile an der Formel 1, die der Bank als Sicherheit für einen Kredit der insolventen Kirch-Gruppe geblieben waren, zu Geld machen. Gribkowsky verkaufte die Anteile schließlich für rund 840 Millionen Dollar an CVC. Auch aus Sicht der Anklage war der Preis in Ordnung. Für die BayernLB selbst war es ein "sehr gutes Ergebnis", wie Ex-Vorstandsmitglied Stefan Ropers in seiner Aussage angab, in den eigenen Büchern war der Wert mit 360 Mio. Euro taxiert worden.
Der damalige Bankchef Werner Schmidt bescheinigte Gribkowsky einen "hohen Einsatz" bei den Verkaufsbemühungen. "Er hat sich unheimlich engagiert." Im Gegenteil habe sich die Bank bereits darauf eingestellt, dass das Paket wertlos werden könnte. Auch die geforderte Provision für Ecclestone in Höhe von 40 Mio. Euro habe die Bank nicht geschreckt, denn man habe den Deal nicht gefährden wollen. Von den Millionen für Gribkowsky, die über Umwege in eine Stiftung in Österreich flossen, habe man nichts gewusst.
Noch viele Zeugen sollen helfen, Licht in die Umstände des Deals zu bringen, der Prozess ist ein Marathon. Ursprünglich sollte das Verfahren bis Ende Jänner dauern, doch der Vorsitzende Richter Peter Noll verlängerte den vereinbarten Rhythmus von Sitzungen am Montag, Mittwoch und Freitag angesichts der Zeugenliste bereits bis Ende Februar.












