Button - der Mann mit dem Gespür
Vielleicht mag er nicht der Allerschnellste unter den Formel-1-Stars sein. In punkto taktischem Geschick und Gefühl für die Reifen kann Jenson Button aber niemand das Wasser reichen.

Foto © APAJenson Button
Das hat der Ex-Weltmeister am Sonntag im Grand Prix von Ungarn einmal mehr unter Beweis gestellt. Der 31-jährige Brite fuhr auf dem Hungaroring zu seinem zweiten Saisonsieg - genau dort, wo er 2006 im Honda den ersten Erfolg seiner Karriere gefeiert hatte.
Regenrennen sind in 25 Jahren Formel 1 in Budapest an zwei Fingern abzuzählen. Dass Button beide für sich entschieden hat, ist kein Zufall. Der Weltmeister von 2009 gilt ob seines runden, die sensiblen Gummis schonenden Fahrstils nicht nur als "Reifenflüsterer", sondern auch als besonders begabt dafür, unter schwierigen Bedingungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Kein Fahrer ist daher so sehr in die Strategie eingebunden wie Button.
Der Engländer selbst ist die Bescheidenheit in Person. "Man kann nicht immer die richtigen Entscheidungen treffen", versicherte Button. "Ich bin ziemlich gut darin, aber damit bin ich sicher nicht der einzige." Auch Konkurrenten wie Ferrari-Star Fernando Alonso hätten großes Geschick. Dass McLaren seinem führenden Teamkollegen Lewis Hamilton bei leichtem Nieselregen Intermediate-Reifen verpasste, konnte Button aber nicht ganz nachvollziehen.
Intelligentes Fahren
"Ich habe mich gewundert", sagte Button, der sich dagegen wohl zur Wehr gesetzt hätte, zur entscheidenden Szene. Schon in seiner Weltmeister-Saison 2009 war der Gefühlspilot mit intelligenter Fahrweise aufgefallen. Dazu gilt er unter seinen Kollegen als einer der fairsten und vielleicht sogar als der beliebteste Fahrer. Seinen 200. Grand-Prix-Start - mehr Rennen haben in der Königsklasse nur zehn Piloten bestritten - hatte am Samstagabend in Ungarn die halbe Formel 1 mit ihm gefeiert.
In einer mehr als viertelstündigen Rede hatte sich Button nicht nur bei seinen Förderern bedankt, sondern auch Selbstironie bewiesen, indem er auf seinen einstigen Vertragsstreit mit Williams im Jahr 2005 hinwies. "Ich danke auch Frank Williams, obwohl er mir ein paar Millionen gekostet hat", scherzte der Jubilar in Richtung seines Landsmannes. Am meisten aber dankte er seinem Vater John Button, der von den 200 Rennen nur ein einziges versäumt hatte.
"Warum, das wissen nur wir beide, Dad", sagte Button. Sein Vater gilt dem Wein als nicht abgeneigt, der Junior hatte die Lacher auf seiner Seite. Das Lachen war den Button-Fans in der Nacht allerdings kurz vergangen. Hacker hatten die offizielle Website des 31-Jährigen angegriffen und die geschmacklose Falschmeldung verbreitet, der Ex-Champion habe sich bei einem Autounfall schwer verletzt und liege in kritischem Zustand im Krankenhaus.
Die Website wurde vom Netz genommen, Button nahm am Grand Prix teil und gewann ihn in der für ihn so typischen Art und Weise. Dem Hacker empfahl er über Twitter, sich "ein paar Freunde zu suchen. Er hatte an einem Samstagabend offenbar nichts besseres zu tun." Button dagegen wurde nach seinem elften Grand-Prix-Sieg von Freundin Jessica Michibata in die Arme geschlossen. Der einstige Playboy ist seit 2009 mit dem japanischen Unterwäsche-Model liiert.












