Button siegt im Wetterkarussell
McLaren-Pilot Jenson Button holt sich den Sieg beim GP in Ungarn. In der Regenlotterie rettet RB-Pilot Sebastian Vettel den zweiten Platz und baut die Gesamtführung weiter aus. Alonso wird Dritter im Ferrari.

Foto © Reuters Jenson Button
Beim Haupttor zum Hungaroring standen seit Tagen zwei Burschen mit einer großen Papptafel. "No more wings - keine mehr Flügel". Und zwei Unterarme, einer im Ferrari-, der andere im McLaren-Overall, zerdrückten eine Red-Bull-Dose.
Die Formel 1 hatte Lunte gerochen nach den letzten beiden Rennen, nach den Siegen von Fernando Alonso und Lewis Hamilton. Und nachdem Sebastian Vettel eine Woche zuvor auf dem Nürburgring, im allerdings bereits zehnten Saisonrennen, zum ersten Mal nicht auf dem Podium gestanden hat, wurde endgültig zum Halali auf die Weltmeister geblasen. Red Bull schleuderte und schlingerte auch abermals, steuerte jedoch buchstäblich rund um die Uhr gegen. Und hielt den Schaden minimal.
Im Morgengrauen
Bereits nach dem verkorksten Freitag-Training hat Red Bull im wahrsten Sinn des Wortes die Nacht zum Tag gemacht. Normalerweise darf von 2 Uhr Nachts bis 8 Uhr Früh an den Autos nicht gearbeitet werden, damit auch die Mechaniker ein paar Stunden ins Bett kommen. Doch für vier Rennen pro Saison und Team gibt es Sondergenehmigungen, diese seit heuer gültige "Sperrstunde" beliebig zu überziehen. Erst zehn Minuten vor fünf, über dem Hungaroring wurde es schon wieder hell, war Sebsatian Vettels Auto am Samstag fertig.
Es sei "ein massiver Umbau" gewesen, sagte Red-Bull-Mastermind Helmut Marko. Detaillierteres wollte er nicht sagen. Außer, dass dazwischen wie an jedem Grand-Prix-Wochenende auch Motorblock und Getriebe gewechselt wurden. Und dass parallel zu den Arbeiten in Ungarn in der Fabrik im englischen Milton Keynes Jean-Eric Vergne, einer der Red-Bull-Junioren und derzeitiger Spitzenreiter der Formel Renault, am Hightech-Simulator saß. Er probierte die diversen Änderungen auf einem virtuellen Hungaroring aus. Und er versuchte selbst nach dem dritten freien Training, Samstag zu Mittag, noch, Sebastian Vettels siebten Saisonsieg im "Grand Prix von Ungarn" in mehr als 1800 Kilometer Entfernung zu simulieren.
Urlaubszeit
Für das Qualifying hat es geklappt. Im Rennen nur ganze fünf Runden lang. Dann war Vettel auf nassem Terrain weggerutscht, zuerst von Hamilton, später auch von Jenson Button und kurzzeitig von Alonso geschnappt worden. Aber von da an machten Red Bull und sein Weltmeister keinen einzigen Fehler mehr. Button gewann zwar sein 200. Grand-Prix-Jubiläum, aber Vettel baute mit Rang zwei seinen WM-Vorsprung sogar aus. Und jetzt macht auch die Formel 1 einmal vier Wochen, bis zum Grand-Prix-Klassiker in Belgien (28. August), Urlaub. Zwei Wochen davon müssen die Fabriken geschlossen bleiben.
Features
Kalender 2012 wackelt
Die Formel-1-Teams protestieren gegen den Kalenderentwurf für 2012. Zwar nicht gegen die geplanten 20 Grand Prix, aber dagegen, dass die zweite Saisonhälfte innerhalb von zehn Wochen sieben Rennen auf vier Kontinenten vorsieht.
Fotoserie
Zum Thema
Endstand Ungarn-Grand-Prix
- 1. Jenson Button (GBR) McLaren-Mercedes 1:46:42,337
- 2. Sebastian Vettel (GER) Red Bull +03,588
- 3. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +19,819
- 4. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes +48,338
- 5. Mark Webber (AUS) Red Bull +49,742
- 6. Felipe Massa (BRA) Ferrari +1:23,176
- 7. Paul di Resta (GBR) Force India
- 8. Sebastien Buemi (SUI) Toro Rosso
- Out: Nick Heidfeld (GER) Lotus-Renault, Heikki Kovalainen (FIN) Team Lotus, Michael Schumacher (GER) Mercedes, Jarno Trulli (ITA) Team Lotus
Hacker-Attacke auf Button
Einen geschmacklosen "Scherz" haben sich Hacker mit Jenson Button erlaubt. Während der McLaren-Pilot seinen 200. Grand Prix gefeiert hat, wurde in seine Homepage (jensonbutton.com) "eingebrochen" und vermeldet, Button schwebe nach einem Verkehrsunfall in Lebensgefahr. Das Gerücht wurde dementiert, die Seite sofort repariert.













