Aus dem Hinterhalt zum lachenden Dritten?
In der Formel-1-Historie gibt es einige Beispiele pro & contra Stallregie. Und die Startaufstellung für den "Grand Prix von Brasilien" schreit danach, dass Red Bull reagieren müsste.

Foto © ReutersDie Reihen der WM-Favoriten haben sich geliechtet: Lewis Hamilton, Fernando Alonso, Mark Webber, F1-Chef Bernie Ecclestone, Jenson Button und Sebastian Vettel (von links)
Sie haben sich fein säuberlich aneinandergereiht. Sebastian Vettel, der mit 25 Punkten Rückstand nur noch theoretische WM-Chancen hat, steht in Reihe eins - neben dem sensationellen Trainingsschnellsten Niko Hülkenberg (23) auf Williams. Mark Webber lauert in Reihe zwei, Fernando Alonso im Hinterhalt in der dritten Reihe.
Letztlich ist es eine Frage der Philosophie. Auch eine der Regeln natürlich, seitdem Stallorder in der Formel 1 verboten ist. Aber es gibt auch genügend historische Beispiele für eine solche Situation. Zuletzt passierte das McLaren im Jahr 2007, als sich Lewis Hamilton und Fernando Alonso bis zum Schluss bekämpfen durften, Hamilton zwar zwei Rennen vorm Ende bereits 17 Punkte Vorsprung auf den Ferrari-Rivalen Kimi Räikkönen hatte, aber am Ende doch noch verlor. Räikkönen sicherte sich im letzten Rennen in São Paulo den Titel - unter Mithilfe von Teamorder, denn Ferrari-Teamkollege Felipe Massa schenkte ihm den Sieg. Bitter für den Brasilianer vor heimischem Publikum.
1986 war es Williams, wo sich Nigel Mansell & Nelson Piquet im damals besten Auto der Saison einen erbitterten Kampf bis auf des Messers Schneide lieferten - und im Showdown in Adelaide Alain Prost den Titel holte. Mansell schien in jenem Rennen schon fast "durch" zu sein, als ihm in der Schlussphase der Reifen platzte und er in der Mauer landete. Williams musste daraufhin Piquet zu einem Sicherheits-Reifenwechsel an die Box holen, Prost gewann Rennen und Titel.
Gegenbeispiele
Aber es gibt auch das ein oder andere Gegenbeispiel, wo "freie Fahrt" am Ende auch zum Erfolg führte. McLaren-Mercedes wurde 1999 nach dem Rennen von Spa in der Öffentlichkeit heftig kritisiert, als David Coulthard vor dem WM-Kandidaten Mika Häkkinen gewinnen durfte. Mercedes-Sportchef Norbert Haug äußerte sich damals ähnlich wie heute Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz: "Lieber kein Titel als einer, der mit fragwürdigen Methoden gewonnen wurde. " Am Ende reichte es dann doch für Häkkinen.
Bis heute allerdings wird gemunkelt, dass da auch Michael Schumacher ein kleines bisschen mitspielte. Der kam nach seinem Beinbruch in Silverstone ja am Saisonende noch für die letzten beiden Rennen zurück, um Eddie Irvine, nach dem Schumi-Unfall die verbliebene Ferrari-Hoffnung, im Kampf gegen Häkkinen zu unterstützen. Ein Sieg von Schumacher beim Finale in Japan vor Häkkinen hätte Irvine damals den Titel gebracht, doch als Häkkinen das Rennen vor Schumi anführte, hatten einige den Eindruck, dass der es nicht wirklich darauf anlegte, den Finnen anzugreifen und unter Druck zu setzen. Mit dem Hintergedanken, ein McLaren-Fahrer als Weltmeister wäre ihm vielleicht lieber als der eigene Teamkollege. Schließlich hatte Schumacher Ferrari in jahrelanger Arbeit wieder an die Spitze geführt.
Nicht ganz in diese Statistik einrechnen lassen sich die epischen McLaren-internen Duelle 1988 und 1989 zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Das Auto war damals so überlegen, dass die Konkurrenz nie in Schlagdistanz kam. Ron Dennis konnte seine zwei am Ende komplett verfeindeten Superstars frei aufeinander loslassen, ohne zu riskieren, den Titel für McLaren zu verlieren. Und der PR-Effekt für Rennstall und Formel 1 war ein ganz enormer.
Eigener Finanzier
In so einem Fall ist es für den Teamchef relativ einfach, die Entscheidung für die Fairness zu fällen. Und auch Dietrich Mateschitz ist in gewisser Weise in einer einfacheren Position als viele andere Teamchefs der Formel 1. Da er quasi sein eigener Finanzier ist, hat er keinen Druck von Sponsoren oder, wie mancher Hersteller, Ärger mit den Aktionären, zu fürchten, sollte der Titel tatsächlich der Fairness geopfert werden.
Auch wenn die Startaufstellung in Brasilien vielleicht danach schreien würde, ein Machtwort zu sprachen. Hauptsache die beide Red Bull stehen einmal ein bzw. zwei Reihen vor Fernando Alonso.
Features
Startaufstellung
1. Reihe:
1. Nico Hülkenberg (GER) Williams
2. Sebastian Vettel (GER) Red Bull
2. Reihe:
3. Mark Webber (AUS) Red Bull
4. Lewis Hamilton (GBR) McLaren
3. Reihe:
5. Fernando Alonso (ESP) Ferrari
6. Rubens Barrichello (BRA) Williams
4. Reihe:
7. Robert Kubica (POL) Renault
8. Michael Schumacher (GER) Mercedes
5. Reihe:
9. Felipe Massa (BRA) Ferrari
10. Witali Petrow (RUS) Renault
Der Österreicher Christian Klien (Hispania) startet von Position 23, dem vorletzten Startplatz.













