Immer mehr, immer weiter: Ecclestone auf Ost-Kurs
Angesichts der Glitzerwelt in der Millionen-Metropole Singapur fühlt sich Bernie Ecclestone in seiner Ansicht über die Zukunft der Weltwirtschaft der Formel 1 bestätigt: Südostasien und der Mittlere Osten sind in, Europa ist out.

Foto © Reuters I TIM CHONG Bernie Ecclestone
"Seit Jahren sage ich, die Welt bewegt sich in diese Richtung. Nach Osten, nicht nach Westen", wiederholte der 79-jährige Milliardär vor dem Grand Prix von Singapur sein Mantra. Seit 2008 ist das Wirtschaftszentrum eine Station auf der Formel-1-Welttournee. Mit dem Flutlicht-Spektakel ist dem ehemaligen Gebrauchtwagen-Händler Ecclestone einer seiner größten Vermarktungs-Coups gelungen. Kein Rennen liefert solch spektakuläre TV-Bilder: glänzende Boliden auf hell erleuchteter Strecke, im Hintergrund die in bunte Farben getauchte Skyline.
Das Rennen sei das "Kronjuwel der Formel", betont der kleine Engländer immer wieder mit großem Stolz. Am liebsten wolle Ecclestone mit den Veranstaltern den Vertrag um 20 Jahre verlängern. Derzeit läuft der Fünf-Jahres-Kontrakt bis 2012.
Schon seit Jahren drängt der Brite gen Osten. Noch 2007 mussten die Teams nur viermal nach Asien reisen. In diesem Jahr stehen sieben Stationen (Bahrain, Malaysia, China, Singapur, Südkorea, Japan, Abu Dhabi) auf dem Rennkalender. Allein vier der letzten entscheidenden fünf Rennen finden auf dem größten Kontinent statt, fernab des TV-Kernmarktes Europa.
Im kommenden Jahr schickt Ecclestone seinen PS-Zirkus auch noch nach Indien und erweitert den Kalender auf 20 Rennen. Europa verliert an Bedeutung. Weitere Interessenten für Formel-1-Rennen stehen angeblich Schlange.
Bedenken hat Ecclestone mit seiner expansiven Ausrichtung nicht, auch wenn an vielen Orten gerade in Asien die Euphorie längst abgekühlt ist und es aktuell genug Probleme gibt: Knapp einen Monat vor der Formel-1-Premiere in Yeongam/Südkorea ist der Start noch gar nicht sicher. In den nächsten beiden Wochen soll die Strecke, rund viereinhalb Autostunden von Seoul entfernt, erst inspiziert werden. Die bisherigen Bilder zeigen zumeist eine Baustelle.
2011-Neuling Indien blamiert sich gerade mit der katastrophalen Organisation der Commonwealth Games in Neu Delhi. "Das ist eine ganz andere Organisation, daher mache ich mir überhaupt keine Sorgen", wehrte Ecclestone derartige Kritik ab.
Die Erweiterung des Tourkalenders schmeckt aber auch vielen Teams nicht. Die Reisebelastung ist enorm, vor allem für die Mechaniker und die anderen Mitarbeiter. Während die Fahrer zwischen den Rennen noch ausspannen können, bleibt für ihre Helfer kaum Zeit zur Erholung. "Lange kann man das nicht machen", warnte ein Mitglied eines Teams.












