Monza richtungsweisend für Ferrari und Alonso
Ausgerechnet der Heim-Grand-Prix seines Arbeitgebers Ferrari hat für Alonso entscheidenden Charakter. Der Spanier kann seine Ambitionen auf den WM-Titel nur mit einem Topergebnis in Monza aufrechterhalten.

Foto © APFernando Alonso
Die 100.000 Dollar, mit denen es der FIA-Weltrat als Strafe für die "Stallorder-Affäre" in Hockenheim hat bewenden lassen, bezahlt das Team aus der Portokasse. Viel wichtiger für Ferrari war, dass das oberste Motorsport-Gremium von einem Punkteabzug absah.
Alonso hat damit als WM-Fünfter mit 41 Punkten Rückstand auf Leader Lewis Hamilton zumindest noch eine marginale Chance auf seinen dritten Weltmeister-Titel. Weitere Schwächen darf sich der 29-jährige Asturier in den ausständigen sechs Grand Prix allerdings nicht leisten, zumal sein roter Renner in diesem Jahr keine Wunderwaffe ist. Der Hochgeschwindigkeits-Kurs im königlichen Park von Monza dürfte ihm aber zumindest entgegenkommen: Alonso belegte im Freitag-Training hinter Sebastian Vettel Platz zwei.
Sollte Monza aber nicht nach Wunsch verlaufen und der Rückstand in der WM noch größer werden, will sich Ferrari bereits auf das Auto für 2011 konzentrieren, bestätigte Teamchef Stefano Domenicali. Die Weiterentwicklung des aktuellen Boliden hätte dann nicht mehr Priorität, Alonsos WM-Chancen wären endgültig dahin. "Sollte es für uns in Monza nicht wie gewünscht laufen, werden wir schon am Montag zusätzliches Personal und weitere Ressourcen für das Auto für die kommende Saison bereitstellen", sagte Domenicali.
Wichtiges Rennen
Auch Alonso ist sich der Tragweite des Ausgangs des Rennens in Monza bewusst. Derart drastisch wie Domenicali sieht es der Weltmeister 2005 und 2006 allerdings nicht. "Der Grand Prix von Italien ist sicher ein ganz wichtiges Rennen für uns, doch das wird auch jenes zwei Wochen später in Singapur sein. Durch das neue Punktesystem kann sich vieles sehr schnell wieder ändern", betonte Alonso. Er weiß spätestens seit Belgien, wovon er spricht. Durch seinen Unfall in Spa wuchs der Rückstand auf den WM-Leader um 25 auf 41 Punkte an.
Die Wörter "Ausfall", "Technischer Defekt" oder "Unfall" hat Alonso aus seinem Vokabular verdrängt, es überwiegen trotz der Schwierigkeiten die positiven Gedanken. "Unser Ziel ist es, in den verbleibenden sechs Rennen auf Top-Level zu fahren. Wenn uns das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass wir überall einen Podestplatz erreichen und den einen oder anderen Sieg noch einfahren können", betonte Alonso. "Dann wäre es auch möglich, bis zum Finale ein Anwärter auf den Titel zu bleiben."
Sollte es mit dem WM-Titel in seinem ersten Jahr als Ferrari-Pilot nicht klappen, ginge die Welt für Alonso aber nicht unter. "Wir haben die Saison natürlich mit dem Ziel begonnen, Weltmeister zu werden. Deshalb wäre es für mich persönlich und fürs Team eine Enttäuschung, wenn wir am Ende nicht ganz vorne wären. Doch dann von einem Misserfolg oder gar Desaster zu sprechen, wäre meiner Meinung nach doch ein wenig übertrieben. Werden wir nicht Weltmeister, dann haben wir einfach nicht genug dafür getan."
Positive Bilanz
Unabhängig vom Ausgang der aktuellen WM zog Alonso bereits in Monza eine positive Bilanz: "Es war ein unglaubliches erstes Jahr bei Ferrari. Es war das bisher beste meiner Karriere." Worte, die für einen Fahrer, der als zweifacher Champion nach Maranello gewechselt war, als übertrieben angesehen werden dürfen. Sie zeugen aber davon, dass sich Alonso wohl fühlt bei der Scuderia. In seinem einjährigen Intermezzo bei McLaren war das 2007 ganz anders gewesen - mit ein Grund, warum damals Kimi Räikkönen den bisher letzten WM-Titel für Ferrari eingefahren hatte.
Domenicali ist stellvertretend für die gesamte Belegschaft voll des Lobes für seinen neuen Star. "Fernando erinnert mich sehr an Michael Schumacher. Seit ich bei Ferrari arbeite, habe ich noch keinen Fahrer gesehen, der in Maranello derart präsent gewesen ist und mit der gleichen Überzeugung unsere Aktivitäten verfolgt hat." Die "harmonische Beziehung" werde irgendwann zum Titel führen. Wenn nicht 2010, dann zu einem späteren Zeitpunkt. Schumacher hatte seinen ersten Ferrari-Titel 2000 erst in seinem fünften Jahr in Italien eingefahren - dafür sollten vier weitere folgen.













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