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Zuletzt aktualisiert: 29.08.2010 um 09:54 UhrKommentare

Jochen Rindt: Seine letzten Stunden

Monza, 5. September 1970, 15.25 Uhr. Der Augenblick, als die Uhr in der Formel 1 stehen bleibt. Jochen Rindt wird in der Parabolica-Kurve von seinem filigranen Lotus 72 erschlagen. Helmut Zwickl (70), seit 1960 Motorsportjournalist, war am 5. September 1970 Zeitzeuge in Monza.

Foto © APA

Jochen Rindt schlenderte die Boxenzeile herunter, und das Publikum brüllt auf. Jochen nickt und winkt den Leuten zu. Er war in Italien sehr populär. Ich stehe mit Heinz Prüller bei der Lotus-Box, und Jochen fragt uns: "Ist der Lucky schon hier? Wir wollten jetzt den Anfang fürs Motorama drehen." "Der kommt gleich", sagen wir zu ihm.

Während Lucky Schmidtleitner seinen Kameramann Gerry Mörth und dessen Assistenten mobilisiert, steigt der Wiener Rundfunkkommentator Edi Finger über die Boxenmauer und bittet Jochen um einige Autogramme. "Für Bekannte in Wien." Jochen nickt und schreibt die letzten Autogramme seines Lebens.

Schräg gegenüber der Lotus-Box baut Gerry Mörth seine Kamera auf. Jochen geht inzwischen zu den March-Leuten nebenan. Er fragt Pete Kerr wieder einmal: "Also Pete, wann wirst du endlich wieder mein Mechaniker?" Lucky Schmidtleitner winkt Jochen zur Kamera und gibt ihm ein Mikrofon in die Hand. Die ersten Rennwagen fahren schon auf die Bahn hinaus. Jochen spricht seinen Text. Als er fertig ist sagt er: "Da war so viel Lärm, hört euch das ganze an. Sollte es unbrauchbar sein, machen wir es noch einmal, wenn ich zurückkomme."

Sekunden bevor Jochen zum letzten Mal seinen Sturzhelm aufsetzt, steigt er zu seiner Gattin Nina auf die Boxenmauer hinauf. Nicht, um einen Blick in ihre Rundenzeitentabelle zu werfen, sondern um sich über den Verkehr auf der Monza-Bahn zu informieren.

Jochen sucht sich einen geeigneten Windschatten. Vielleicht hat er sich Denny Hulme auserkoren, denn als sich Rindt aus der Boxenausfahrt katapultiert, kommt Denny Hulme mit seinem McLaren full speed aus der Südkurve. Denny geht an dem beschleunigenden Lotus vorbei, aber innerhalb der nächsten drei Runden saugt sich Jochen in Hulmes Windschatten.

Ich stehe mit Lucky Schmidtleitner irgendwo bei den Boxen, wir sind bereits einen Tag voraus: Wie und wo sollte man morgen beim Rennen das Siegerinterview machen? Es wird dann wieder die ganze Organisation zusammenbrechen. Wie immer in Monza. Noch dazu, wenn Ferrari gewinnt. Vielleicht könnte Jochen Rindt das Siegerinterview beim Lotus-Transporter machen. Wir würden uns mit ihm dort treffen. Ob das nicht der günstigste Platz wäre? Wer aber dirigiert in dem zu erwartenden Chaos den Sieger zum Lotus-Transporter? Schmidtleitner scherzt: "Am besten, der Jochen gewinnt wieder, dann interviewt er sich selbst, und wir sind diese Sorge los."

Plötzlich wird es still

Auf einmal wird es rings um uns sehr still. Rennwagen rollen lautlos, mit abgestelltem Motor an die Box. Visiere werden hochgeklappt, Köpfe beugen sich an die Lippen der Fahrer. Auch das ferne Röhren der Wagen, wenn sie drüben bei der Ascari-Kurve aus dem Wald kommen, ist verstummt.

Es ist schwül, und die Ampel an der Boxenausfahrt leuchtet rot. "Yes, Rindt", höre ich jemanden sagen. Ich beschleunige meine Schritte, sehe noch, wie Jackie Stewart von der Lotus-Box herab springt und Nina Rindt ihre Stoppuhr einpackt, die Rundentabelle zusammenklappt, Colin Chapman sich an den Kopf greift, bestürzt seine Haare glättet, einen Moment lang leer und verzagt, alles Unheil schon ahnend, auf den durch Ölflecke verunstalteten Asphalt starrt.

Ein Monteur spielt mit einem Schraubenschlüssel. Ganz sinnlos und kindisch trommelt er damit auf die Betonmauer. "Jackie, was ist los?" frage ich Stewart. "Jochen hatte einen Unfall!" "Ja, und?" Jackie windet sich, seine Hektik befremdet mich. "Ich glaube, er ist o.k.!"

Chapman schickt John Miles mit seinem Rennwagen zur Unfallstelle, um Klarheit zu bekommen. Denny Hulme wird umringt. Er erinnert mich immer an einen knorrigen Baum, ohne Äste und Laub. Der weiß etwas.

"Ja, Jochen ist in der Parabolica-Kurve raus..."

"Wo?"

"Linker Hand!"

"Du hast es gesehen?"

"Ich war knapp hinter ihm."

"Und?"

"Es sieht böse aus!"

"Wie konnte das geschehen?"

"Der Wagen fuhr nach links. Er prallte gegen die Leitschienen..."

"Ja und?"

"Räder flogen auf die Straße..."

"Und Jochen?"

"Ich glaube, er ist im Wagen."

Ich laufe weg, durch die Boxen, renne in Richtung Pressebüro, haste zur Telefonvermittlung, und während ich die Nummer meiner Zeitungsredaktion auf ein Stück Papier schmiere, kommt ein mir bekannter italienischer Journalist und sagt auf Englisch: "Er ist tot!" Im selben Augenblick spricht mich ein mir unbekannter junger Mann an: "Tag, Herr Zwickl, Sie kennen mich nicht mehr. Ich schreibe jetzt für die ,Arbeiter-Zeitung'. Ich bin zum ersten Mal bei einem Grand Prix, wohin soll ich mich wenden, um Informationen zu kriegen?" Ich sage: "Jochen Rindt soll tot sein!" Und er sagt: "Das ist doch Blödsinn, ich habe ihn gerade fotografiert..."


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GEPA/Reuters/Fotolia

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Formel-1-Weltmeister seit 2005

2005: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2006: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2007: Kimi Räikkönen (FIN; Ferrari)
2008: Lewis Hamilton (GBR; McLaren)
2009: Jenson Button (GBR; Brawn)
2010: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2011: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2012: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)

 

Formel-1-Rekordweltmeister

Fahrer:

1. Michael Schumacher (GER)
7 WM-Titel (1994,95,2000,01,02,03,04)
2. Juan Manuel Fangio (ARG)
5 WM-Titel (1951,54,55,56,57)
3. Alain Prost (FRA)
4 WM-Titel(1985,86,89,93)

Konstrukteure

1. Ferrari
16 WM-Titel
2. Williams
9 WM-Titel
3. McLaren
8 WM-Titel

 

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