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Mister Ecclestone und das große Schweigen Anklage gegen Formel-1-Chef Ecclestone erhoben Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Formel 1 Nächster Artikel Mister Ecclestone und das große Schweigen Anklage gegen Formel-1-Chef Ecclestone erhoben
Zuletzt aktualisiert: 23.12.2009 um 12:53 UhrKommentare

Reizfigur und Harmoniemensch

Reizfigur auf der Strecke, Harmoniemensch im Privaten. Kompromisslos, besessen, perfektionistisch. Verlässlich, großzügig, entspannt.

"Bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt"

Foto © AP"Bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt"

Die Liste der Attribute für Michael Schumacher ist ähnlich lang wie die seiner Erfolge. Vor den Kameras wirkt der bald 41-Jährige cool, fast schon unnahbar. "Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen", sagte der Deutsche einst über sich selbst. "Ansonsten kontrolliere ich mich, so gut es geht, was den Leuten vielleicht nicht das richtige Bild davon gibt, wer ich bin." Nein, wiederkommen wollte er nicht, eigentlich nicht. Seit seinem Rücktritt Ende 2006 betonte das Schumacher immer wieder. Wie sehr ihr einstiger Herrscher der Formel 1 aber auch gefehlt hat, zeigte der Hype, den sein angekündigtes Sensations-Comeback im Ferrari im Sommer bereits ausgelöst hatte. Nicht minder groß war die Enttäuschung, nicht nur bei Schumacher selbst, als er wegen einer Schädelverletzung als Folge des Motorradunfalls am 11. Februar passen musste.

Italien weinte, die PS-Fans waren traurig

Italien wird nun trotzig sein, die PS-Fans, so sie Schumacher mögen, auf Wolke sieben schweben. Schumacher kehrt auf die Piste zurück, am Steuer eines Mercedes. Ende der 90er Jahre war ein Wechsel zu McLaren-Mercedes gescheitert, Grund war dem Vernehmen nach der damalige Teamchef Ron Dennis. Schumacher ist ein Ausnahmesportler. 250 Rennen, 91 Siege, sieben WM-Titel, Rekorde en masse. Erfolgsbesessen für die einen, einfach nur zielstrebig für die anderen. Mit seinen Widersachern, allen voran Damon Hill oder Jacques Villeneuve, leistete sich Schumacher Gefechte auf Messers Schneide. Er war und ist keiner, der gern zurücksteckt auf der Strecke.

Schumachers Karriere blieb auch nicht unfallfrei. Sein schwerster passierte am 11. Juli 1999 in Silverstone. "Ich liege da und merke, wie ich mich wieder so ein bisschen fange und beruhige und fühle meinen Herzschlag. Und fühle plötzlich, wie mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus", erinnerte sich der Kerpener einmal an den schweren Crash. "Und dann denke ich: 'Aha, so fühlt es sich wahrscheinlich an, wenn du dann auf dem Weg nach oben bist'." Bei dem Unfall in England hatte er sich das Schien- und Wadenbein gebrochen - nur 98 Tage später gab er damals sein Comeback. Schumacher, der mit seinen beiden Kindern und Gattin Corinna am Genfer See lebt, hat Maßstäbe gesetzt. Er ist Perfektionist. Wer ihn zuletzt im T-Shirt oder Hemd sah, wusste, dass der Träger topfit ist. Bereit, es den Jungen noch einmal zu zeigen. Was Schumacher angefangen hat, muss er zu Ende bringen. Das gescheiterte Comeback hatte ihn möglicherweise tiefer getroffen als bekannt. "Ich befinde mich in der vielleicht schwierigsten Phase meiner Karriere", hatte Schumacher bei seiner Absage an Ferrari im August gesagt.

Meist mehr bewundert als geliebt. Weltmeister der Herzen war Schumacher eigentlich nie. Sieben WM-Titel und beinahe alle wichtigen Rekorde - Erfolg schafft Neid und Distanz. Hinzu kam das reservierte Auftreten des Multimillionärs in der Öffentlichkeit. Der Ruf des "Renn-Roboters" wurde laut. Schumacher ist misstrauisch im Umgang mit Journalisten, vermutet - bedingt durch zahlreiche negative Erfahrungen - hinter Fragen oft auch eine Falle. Dabei ist der auch karitativ engagierte Schumacher ein Harmoniemensch - beruflich wie privat. Familie und Freunde gehen ihm über alles. "Ich bin ein normaler Vater, spiele mit meinen Kindern und mache, worauf sie Lust haben", beschrieb er sich einmal. Homestorys und Bilder mit seiner Familie sind allerdings tabu.

Erst mit seinem Rücktritt schien Schumacher auch in die Herzen der Menschen zu gelangen, obwohl er auch in den vergangenen drei Jahren nur selten Interviews gab. Für Schlagzeilen sorgte Schumacher mit dem Bau eines schlossähnlichen Hauses und seinen nicht immer geglückten Auftritten bei Motorradrennen. Galas und sonstige VIP-Ansammlungen waren seine Sache nie. Den Erfolg und den Reichtum hat sich der "Jahrhundert-Fahrer" hart erarbeitet. In Kerpen betrieben sein Vater Rolf und seine 2003 verstorbene Mutter Elisabeth eine Kartbahn, auf der er als vierjähriger Knirps den Grundstein für seine Karriere legte. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat bei allem überragenden Talent nie aufgehört, an sich zu arbeiten. "Ich kenne keinen Fahrer, der körperlich und geistig so fit ist", sagte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo über seinen erfolgreichsten Angestellten.


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GEPA/Reuters/Fotolia

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Formel-1-Weltmeister seit 2005

2005: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2006: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2007: Kimi Räikkönen (FIN; Ferrari)
2008: Lewis Hamilton (GBR; McLaren)
2009: Jenson Button (GBR; Brawn)
2010: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2011: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2012: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)

 

Formel-1-Rekordweltmeister

Fahrer:

1. Michael Schumacher (GER)
7 WM-Titel (1994,95,2000,01,02,03,04)
2. Juan Manuel Fangio (ARG)
5 WM-Titel (1951,54,55,56,57)
3. Alain Prost (FRA)
4 WM-Titel(1985,86,89,93)

Konstrukteure

1. Ferrari
16 WM-Titel
2. Williams
9 WM-Titel
3. McLaren
8 WM-Titel

 

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