Lokalaugenschein: Eine Rennstrecke "auf einem anderen Planeten"
Für eine Milliarde Euro hat Abu Dhabi die futuristischste und spektakulärste Formel-1-Rennstrecke aller Zeiten aus dem Sand gestampft.

Foto © APA
Vor dem Flughafen stehen vier Schlangen um Taxis an. Es ist zehn am Abend und die Luft steht auch. Es hat noch 30 Grad, ist stickig und die Menschen sind gereizt. Einige Taxifahrer müssen selbst erst nach dem Weg nach Yas Island fragen. Vor drei Jahren gab es auf dem Abu Dhabi vorgelagerten Inselchen keine Straßen, keinen elektrischen Strom, kein Wasser. Dann beschloss die Regierung ein Zukunftsprojekt von 145 Milliarden Dirham (umgerechnet 27 Milliarden Euro) und begann Yas Island neu zu bauen.
Auf der neuen, bis zu zwölfspurigen Schnellstraße ist zwar noch kaum ein Auto zu sehen. Aber dafür führt sie zu einer Formel-1-Rennstrecke "auf einem anderen Planeten", wie sie die Araber bereits nennen. In nur zweieinhalb Jahren, um auf das Vierfache explodierte Kosten von einer Milliarde Euro und von bis zu 45.000 Menschen in 24-Stunden-Schichten wurde der "Yas Marina Circuit" aus dem Sand gestampft. Gigantischer, futuristischer, spektakulärer als alles, wo je ein Grand Prix gefahren wurde.
Zimmer mit Aussicht
Die Boxengasse führt durch eine Art Tunnel zurück ins Rennen. Mit 1173 Metern wurde die längste Gerade der Formel 1 über Yas Island gespannt. Die Strecke verläuft unter dem "Yas Marina Hotel", einem Fünf-Sterne-Schuppen mit 500 Zimmern, dessen Schale in der Nacht ihr verschiedenfärbiges Licht wechselt. Und Teile der Sturzräume, mit neuem, Einschläge absorbierendem Material verkleidet, liegen unter den Zusehertribünen.
Der "Sun Tower", übrigens ebenso wie Teile des "Yas Marina Hotels" von der österreichischen Waagner-Biró AG konstruiert, ist eines der Wahrzeichen der Anlage, aus seinem obersten Stockwerk wird die königliche Familie hinter abgedunkeltem Glas das Rennen verfolgen.
Sonne & Flutlicht
Nirgendwo sonst sind sogar die Boxen klimatisiert, nirgendwo alle der ausverkauften 50.000 Tribünenplätze überdacht - beim einzigen Grand Prix mit einer Regenwahrscheinlichkeit von null Prozent. Und nirgendwo sonst fährt ein Formel-1-Rennen von greller Sonne (Start 17 Uhr Ortszeit) bei Flutlicht in die stockdunkle Nacht. "Die Formel 1 bringt uns auf die Landkarte. Ihre weltweite Resonanz ist einzigartig", ist Seine Exzellenz Scheich Khaldoon Khalifa Al Mubarak, Direktor des Streckenbetreibers ADMM (Abu Dhabi Motorsports Management), überzeugt.
Bis zum Jahr 2018 wird auf Yas Island weiter gebaut. Zu den derzeit sieben Klötzen internationaler Hotelketten werden weitere 17 aus dem Boden schießen. Dazu ein riesiger Ferrari-Themenpark und ein Einkaufsparadies. Damit vom Emirates-Highway von Abu Dhabi nach Dubai dann auch einige Autos die Ausfahrt auf die zwölfspurige Straße nach Yas Island nehmen.












