Umsturz vollzogen: Brawn GP düpiert in Melbourne-Quali die Konkurrenz
Button und Barrichello mit umstrittenen Diffusor überlegen, Vettel bei Red-Bull-Debüt Dritter. Ferrari und McLaren zurück.

Foto © APJenston Button war der Sieger der Quali
Formel-1-Fans müssen sich in der neuen Saison
auf eine völlig neue Hierarchie in der Königsklasse einstellen. Der
prognostizierte Umsturz ist am Samstag in Melbourne vollzogen worden.
Das Sensationsteam Brawn GP dominierte das Qualifying für den Grand
Prix von Australien. Der Engländer Jenson Button nimmt das erste
Saisonrennen vor seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens
Barrichello aus der Pole Position in Angriff.
Vettel auf Platz 3.
Sebastian Vettel beginnt seine Red-Bull-Karriere vom
ausgezeichneten dritten Startplatz. Der deutsche Jungstar verlor
allerdings bereits 0,627 Sekunden auf Button, der damit auch als
Topfavorit ins Rennen (Sonntag, 8.00 Uhr MESZ/live ORF1, RTL und
Premiere) geht. Zu überlegen scheinen die neuen Autos des
Honda-Nachfolgers Brawn GP. "Es ist ein brillantes Auto, aber die
Runden müssen immer noch wir fahren", erinnerte Button.
"Unglaubliche Geschichte".
Der 29-Jährige hatte in der Vorsaison lediglich drei WM-Punkte
geholt, plötzlich ist er WM-Favorit. Dabei war erst vor drei Wochen
festgestanden, dass das Team nach dem Ausstieg von Honda überhaupt
bestehenbleibt. "Die letzten fünf, sechs Monate waren extrem schwer
für uns beide", verwies Button auf die unklare Situation von
Barrichello und ihm. "Wir haben nicht gewusst, ob wir eine Zukunft in
der Formel 1 haben. Diese Geschichte ist einfach unglaublich."
Auto.
Erstmals seit Jackie Stewart 1970 in Südafrika im March nimmt ein
praktisch neues Team sein erstes Rennen aus der Pole Position in
Angriff. Für Button war es die vierte Quali-Bestzeit seiner Karriere.
Zuletzt war ihm das 2006 ebenfalls zum Saisonstart in Australien
gelungen. "Zum ersten Mal seit damals haben wir wieder ein
wettbewerbsfähiges Auto", erklärte Button. "Ich habe schon nach den
Tests erwartet, dass wir ganz vorne sein werden."
Illegale Diffusoren?
Mit dem Einstieg der Virgin Group von Milliardär Richard Branson
ist zwar die Zukunft des Teams gesichert, dafür droht Ungemach in
Form eines Einspruches gegen möglicherweise illegale Diffusoren, die
Brawn GP, Toyota und Williams verwenden sollen. Die FIA entscheidet
erst am 14. April endgültig darüber. Die Ergebnisse von Australien
und Malaysia stehen damit vorerst unter Vorbehalt. In der Quali
landeten fünf der betroffenen Autos unter den besten Acht.
Podestplatz optimal.
Bester Nicht-Brawn war dennoch Vettel im neuen RB5. "Das ist ein
super Start für uns", meinte der 21-Jährige. "Aber Punkte bekommen
wir erst im Rennen. Ein Podestplatz wäre optimal." Dabei war Vettel
in den freien Trainings von technischen Problemen geplagt worden.
"Zwei, drei Kleinigkeiten mit der Standfestigkeit haben uns
überrascht, aber sonst dürften wir ein sehr gutes Auto haben", meinte
Vettel. Teamkollege Mark Webber startet von Platz zehn.
Die Topteams der Vorsaison fahren dagegen noch hinterher. Ferrari
brachte Felipe Massa (7.) und Kimi Räikkönen (9.) zumindest in die
finale Quali-Phase, McLaren-Mercedes verpasste nach schwachen
Wintertests nicht unerwartet die Top Ten. Weltmeister Lewis Hamilton muss den Grand Prix von Australien vom
letzten Startplatz aus in Angriff nehmen. Das Getriebe in seinem
McLaren-Mercedes musste am Samstag getauscht werden, nachdem der
vierte Gang gebrochen war. Hamilton rutschte durch die Strafe fünf
Positionen von Startplatz 15 auf 20 zurück, blieb aber nach dem
schwächsten Qualifying seiner Karriere ruhig. "Schlechter kann es
nicht mehr werden. Wir werden versuchen, alles herauszuholen",
versicherte der 24-jährige Engländer.
Fernando Alonso kam nach einem Ausritt im Renault nicht über Rang
zwölf hinaus, Robert Kubica stellte seinen BMW-Sauber auf Platz vier.
Der Pole startet damit sieben Positionen vor seinem Stallgefährten
Nick Heidfeld, der im Gegensatz zu ihm mit dem Hybridsystem KERS
angetreten war. Bester KERS-Pilot war Massa als Siebenter. Der
Schweizer Sebastien Buemi nimmt seinen ersten Grand Prix für Toro
Rosso von Platz 16 in Angriff - ausgerechnet neben Hamilton.
Zurückversetzt. Toyota ist wegen eines zu
flexiblen Heckflügels an seinen Autos von den Rennkommissaren nach der Quali bestraft worden. Nach der Qualifikation
zum ersten Saisonrennen in Melbourne wurden der Deutsche Timo Glock
und sein italienischer Teamkollege Jarno Trulli am Samstag aus der
Ergebnisliste gestrichen. Sie müssen am Sonntag (8.00 Uhr MESZ/RTL
und Premiere) von ganz hinten in den Grand Prix starten. Glock war in
der Qualifikation Sechster geworden, Trulli Achter.














