Le Mans: 24 Stunden entlang der Grenze
Zwei Mal hat Alex Wurz (38) in Le Mans schon gewonnen. Samstag und Sonntag macht er mit Toyota in einem neuen Auto den nächsten Anlauf. Ein Gespräch über 24 Stunden am Limit.

Foto © ToyotaNächster Anlauf: Auf einem Toyota-Hybrid jagt Alex Wurz den dritten Sieg beim Klassiker in Le Mans
Le Mans ist ein Klassiker. Wie der Grand Prix von Monaco, die 500 Meilen von Indianapolis, die Rallye Monte Carlo. Was macht die Faszination eines Sportwagenrennens aus?
ALEXANDER WURZ: Sind Sie ein Film-Fan? Dann schauen Sie sich den Film Le Mans mit Steve McQueen an. Da kommt schon recht viel rüber. Es ist der Mix aus Tradition und der enormen Herausforderung. Jetzt auch im technischen Bereich. Zuerst mit Diesel, heute mit der Hybridtechnik. Dazu die monatelange Arbeit aller Beteiligten, fokussiert auf dieses eine Rennen. Die 24 Stunden von Le Mans sind zu einem Grand Prix rund um die Uhr geworden. Du fährst 24 Stunden nur am Limit, immer so schnell es geht. Und dann gibt es noch den Mix aus der überschäumenden Freude, wenn man gewinnt und der Niedergeschlagenheit, wenn man verliert. In Le Mans ist alles extrem.
In den Genuss der überschäumenden Freude sind sie schon zweimal gekommen...
WURZ: ...aber die beiden Siege kann man kaum vergleichen.
Ist Sieg nicht Sieg, gerade in Le Mans?
WURZ: Überhaupt nicht. 1996 im Porsche war ich der junge Spund, der Neuling auch im Team. Der Sieg fiel mir irgendwie in den Schoß. Da war ich der jüngste Le-Mans-Sieger in der Geschichte. 2009 bei Peugeot war ich schon der Routinier. Es hat nach dem ersten Sieg sehr lange gedauert, bis ich richtig begriffen habe, was für ein Aufwand da betrieben wird. Deshalb konnte ich mich auch über den Sieg 2009 mehr freuen.
Toyota ist der dritte Arbeitgeber für den Sie in Le Mans fahren. Was waren die Beweggründe, zu den Japanern zu wechseln?
WURZ: Toyota hat immer Motorsport auf höchstem Level betrieben. Da wurden stets enorme Ressourcen freigemacht. Das war in der Rallye-WM so. Und auch in der Formel 1. Für Toyota ist der Sieg in Le Mans das große Ziel. Deshalb habe ich nach dem Ausstieg von Peugeot das Angebot sofort angenommen. Ich denke, dass Toyota das jetzt unbedingt will. Auch wenn es heuer noch nicht funktionieren wird. Dazu fehlt uns unsere Absage des 24-Stunden-Rennens in Spa als ultimativer Test zu sehr.
Im Vorjahr gab es zwei schlimme Unfälle. Wie gefährlich sind Sportwagenrennen? Noch dazu in Le Mans, mit den Stunden in der Nacht?
WURZ: Alle Autorennen sind gefährlich. Das ist uns bewusst, daran denkt man aber nicht. In Le Mans kommt dazu, dass einige viel langsamere Autos im Rennen mitfahren. Diese waren auch Auslöser der Unfälle im Vorjahr. Wie sicher die Sportwagen von heute sind, hat man da aber auch gesehen.
Gibt es entscheidende Momente während der 24 Stunden?
WURZ: Natürlich der Start. Es ist wie bei einem Formel-1-Rennen. Dann weiß man, wo man steht und findet seinen eigenen Rhythmus. Und dann die zweite Nachthälfte, kurz bevor es wieder hell wird. Da bewegt man sich nur gegen seine biologische Uhr.
Features
TV-Tipp
Le Mans, ORF eins, Samstag (ab 14.40 Uhr), Sonntag (bis 15.25 Uhr) live.














