Schumacher und das "andere Tempo"
Ralf Schumacher (36) im Interview. Der "kleine Schumi" hat schon 180 Formel-1-Rennen auf dem Buckel, sechs davon hat er gewonnen. Heute ist er einer der Stars im DTM-Auto. Ein Versuch, zu vergleichen.

Foto © APRalf Schumacher
Einer Ihrer Kollegen hat gemeint, ein schlechter Autofahrer könne zwar in die Formel 1 kommen, aber nie ins DTM. Würden Sie das unterschreiben?
Ralf Schumacher (lacht auf): Ich weiß nicht, ob es so krass ist. Es sind aber auf alle Fälle zwei Paar Schuhe. Einer, der im DTM gut ist, muss es noch lange nicht in der Formel 1 sein. Und umgekehrt haben wir ja ohnehin schon genügend Beispiele.
Was ist im Tourenwagen das Schwierige?
Schumacher: Auf Grund der Dichte, die hier herrscht, auch der Dichte der Autos und des Materials, muss man schon sehr präzise fahren.
Sie haben Formel-1-Rennen gewonnen, David Coulthard auch. Muss man nicht annehmen dürfen, dass ihr hier alles in Grund und Boden fährt?
Schumacher: Es stimmt schon, es ist tatsächlich so, dass wir uns ein bisschen schwer tun. Weil dieses Schnellfahren bei uns im Hinterkopf anders gespeichert ist und wir das ganz anders abrufen, als ein typischer DTM-Pilot.
Können Sie möglichst banal den Unterschied zwischen einem DTM- und einem Formel-1-Auto erklären? Zum Beispiel anhand einer x-beliebigen Kurve?
Schumacher: Resultierend aus hohem Gewicht und geringer Leistung des DTM-Autos ist die Rollphase viel wichtiger. Man muss vorsichtig bremsen, möglichst viel Tempo in die Kurve hinein und durch die Kurve mitnehmen. In der Formel 1 muss man digitaler fahren. Das heißt, spät bremsen, das Auto umsetzen und wieder aufs Gas drücken.
Nach einigen DTM-Jahren, wo würden Sie sich auf einer Skala zwischen eins für "sehr gut" und zehn für "miserabel" einstufen?
Schumacher (lacht herzhaft): Ich würde sagen, das variiert zwischen drei und zehn.
Rückblickend, wie enttäuscht waren Sie über ein damals doch abruptes Ende in der Formel 1?
Schumacher: Nein, nein. Ich wollte ja selbst nicht mehr.
Hätten Sie nichts mehr vorgehabt in der Formel 1?
Schumacher: Nicht wirklich. Es war abgehakt für mich nach der Zeit bei Toyota. Da hatte ich einfach keine wirkliche Möglichkeit mehr, in einem ordentlichen Team zu fahren.
Fehlt Ihnen die Bühne der Formel 1? Oder macht es hier ohnehin viel mehr Spaß?
Schumacher: Es macht mir hier definitiv mehr Spaß. Und ich weiß auch sehr genau, warum mir nichts von damals fehlt. Es war eine tolle Zeit in der Formel 1, die ich nicht missen möchte. Aber ich würde auch nicht zurück wollen.
Sie wirken heute viel entspannter und viel umgänglicher. War der Druck in der Formel 1 doch um ein so Vielfaches größer?
Schumacher: Was das Fahrerische betrifft nicht, da ist es hier das Gleiche. In der Formel 1 hat mich einfach die Missgunst vieler Leute gestört und genervt.
Sie waren Zeit Ihres Formel-1-Lebens immer der "kleine Schumi", der "Baby-Schumi" oder wie auch immer man Sie genannt hat. Sehen Sie sich noch immer in der Rolle es kleinen Bruders?
Schumacher: Es ist halt einmal so, dass ich das immer bleiben werde. Aber mich hat das auch nie wirklich gestört. Die Karriere von Michael war etwas derart Einzigartiges. Dennoch, zwei Brüder, die es beide halbwegs geschafft haben, beide noch gesund sind - also wir können uns wohl nicht beklagen.
Haben Sie sich jemals irgend einen Tipp von Michael geholt?
Schumacher: Nicht wirklich. Das ging auch unserer verschiedenen Teams wegen nicht. Höchstens ganz am Anfang, da hat Michael noch ein klein wenig versucht, mir zu helfen.
Wie stehen Sie denn zu Michaels Comeback?
Schumacher: Dass er es gemacht hat, hat der gesamten Formel 1 nur gut getan. Und wie er es macht, ist auch sehr gut.
Euer Kontakt heute?
Schumacher: Gut. Wir fahren ja nach wie vor Kart miteinander, treffen uns durch unsere Kinder häufig auf der Kart-Bahn.
Nochmals zur Formel 1. Was sagen Sie zur heurigen Saison?
Schumacher: Einerseits sehr interessant. Auf der anderen Seite schwer zu verstehen. Monaco hat das Alles zum Glück etwas ins Lot gebracht. Dass nicht ständig nur von Reifen, Reifen, Reifen die Rede ist.
Features
Fakten zur Person
- Geboren: 30. Juni 1975 in Hürth-Hermülheim.
- Karriere: Formel-1-Debüt 1997 in Australien für Jordan, danach sechs Jahre bei Williams und drei Jahre bei Toyota. Insgesamt 180 Grand Prix, sechs Siege und 27 Mal auf dem Podium. 2001, 2002 jeweils 4. WM-Rang. Seit 2008 DTM für Mercedes, 45 Rennen, zwei Mal Podium.













