"Unser Sport ist viel zu schnell"
Der Österreicher Mike Leitner, Chefmechaniker von Dani Pedrosa, kritisiert die Entwicklung in der MotoGP - und kann sich sogar vorstellen, den Fahrern die Frisur vorzuschreiben.

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Durchbeißen ist angesagt. Der Grand Prix von Valencia noch, dann kann Mike Leitner die MotoGP-Saison abhaken. Der Oberösterreicher werkt seit sieben Jahren als Chefmechaniker für Honda-Werkspilot Dani Pedrosa. "Gut, dass es das letzte Rennen ist", sagt Leitner und denkt an den Schlüsselbeinbruch seines Schützlings, durch den die WM-Chance für Pedrosa früh dahin war, das Rennen in Japan nur 100 Kilometer entfernt vom Unglücksreaktor in Fukushima und an den Tod von Marco Simoncelli. Und genau seit diesem Vorfall im Rennen vor zwei Wochen in Malaysia wird im Fahrerlager und in den Zentralen der Motorrad-Hersteller wieder heftig über Sicherheit diskutiert.
"Man muss die Startphase entschärfen, wo das Feld noch eng beisammen liegt", sagt Leitner. Materialkorrekturen wie weichere Reifen würden da aber nichts bringen: "Egal, welches Material ich meinem Fahrer gebe, die Profis nutzen es immer voll aus und gehen ans Limit."
Fahrer wehren sich
Vor allem gelte es bei Geschwindigkeiten jenseits der 300 km/h, die Schwachstelle "Hals" besser zu schützen. Protektoren in diesem Bereich benutzen bislang im Zweiradsport aber nur Enduro- und Motocrossfahrer. In der Straßen-WM sucht man sie vergeblich. Auch deshalb, weil sich die Fahrer in der Bewegungsfreiheit beschnitten fühlen. "Das müsste man verpflichtend einführen. In der Formel 1 hat anfangs mit dem Kopf- und Halsschutz HANS auch keiner eine Freude gehabt - aber der hat die Sicherheit erheblich verbessert", sagt Leitner.
Eine weitere Schwachstelle ist der Rücken. "Da verwenden aber schon sehr viele Fahrer den Airbag", erklärt Leitner. Ab der kommenden Saison könnte der in den Rückenschutz eingebaute Airbag bereits zur Pflicht für alle Fahrer werden.
Leitner kann sich auch vorstellen, den Haarschnitt reglementieren zu lassen. "Mit kurzen Haaren sitzt der Helm einfach besser am Kopf." Er beeilt sich aber zu sagen, dass beim Unfall von Simoncelli auch kurze Haare nicht geholfen hätten: "Bei so einer Krafteinwirkung hilft kein Helm und kein Protektor mehr."
Der 49-Jährige spricht über die Ansätze für eine höhere Sicherheit gedämpft. Erst bei einem anderen Thema kommt wieder Leidenschaft in seine Stimme.
Leistung steigt weiter
"Wir entwickeln uns in die falsche Richtung. Heuer hatten wir Maschinen mit 250 PS aus einem Hubraum vom 800 Kubikzentimetern. Und nächstes Jahr wird sogar auf 1000 Kubik erhöht. Unser Sport ist sicher nicht zu langsam. Er ist zu schnell", sagt Leitner, der in den Achtzigern selbst Rennen gefahren ist. Mit der Kraft der Maschinen steige aber die Unfallgefahr stark an. Zumindest wird diskutiert, ob diese Änderung sinnvoll ist. "Aber es stecken eben viele andere Interessen dahinter", sagt Leitner. Für die kommende Saison wird sich eine Kehrtwendung aber nicht mehr ausgehen. Zu langwierig und teuer ist die Entwicklung der MotoGP-Triebwerke. Die Hersteller würden so kurzfristig nichts ändern. Leitner: "Aber es gibt ja eine Saison nach 2012."
Am Sonntag wird er wieder an der Strecke stehen und vor allem eines hoffen: dass Dani Pedrosa wieder heil in die Boxengasse biegt: "Der Tod von Simoncelli hat Spuren hinterlassen. Bei allen. Es muss jetzt endlich etwas geschehen."
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ZUR PERSON
Mike Leitner, geboren am 28. September 1962, Bad Ischl.
Arbeitet seit 2004 als Chefmechaniker von MotoGP- Pilot Dani Pedrosa.
Fuhr von 1985 bis 1989 in der 125er-Weltmeisterschaft.













