Die Formel 1 fährt nur in eine Richtung
Nordamerika verlor in dieser Woche seinen letzten Grand Prix. Es geht weiter ostwärts.

Foto © GEPAFormel1-Boss Bernie Ecclestone
Vor zwei Wochen in Singapur schwanzelte Bernie Ecclestone ungewohnt oft im Media Centre herum. Er war mächtig stolz auf "seinen" ersten Nacht-Grand-Prix. Dass er sich dennoch kritischen Fragen gegenüber sah, ging Ecclestone gegen den Strich.
"Fahren Weltmeisterschaft". Fährt die Formel 1 überhaupt nur noch in eine Richtung, nur noch Richtung Osten? Liegen dort wirklich derartige Unmengen an Geld auf den Straßen? Sind Nachtrennen und deren enormer Energieaufwand zeitgemäß? "Wir fahren keine Europa-, sondern eine Weltmeisterschaft", schnaubte Ecclestone. "Und liegt denn Valencia im Osten", spielte er schnippisch auf die heurige Premiere des dortigen Stadtrennens an.
Frage des Geldes. Aber just als die Formel 1 von Singapur zum Grand Prix im japanischen Fuji (Start: Sonntag, 6.30 Uhr) weiter zog, setzte Bernie Ecclestone seine Ost-Expansion neuerlicher Kritik aus. Vom Automobil-Weltverband FIA wurde diese Woche der Formel-1-Kalender 2009 nochmals überarbeitet und völlig unerwartet von den geplanten 19 wieder auf 18 Rennen reduziert. Der Traditions-Grand-Prix in Montreal, seit 30 Jahren ununterbrochen gefahren, wurde gestrichen.
Zu hohe Kosten. Angeblich hätte sich der Formel-1-Tross über die hohen Transportkosten für nur ein einziges Rennen in Amerika beklagt, Bernie Ecclestone habe zuletzt Millionen aus der eigenen Tasche zuschießen müssen. Es soll um 20 Millionen US-Dollar gehen, um die Ecclestone seinen Formel-1-Vertrag mit Kanada gerne aufgefettet sehen möchte.
Ohne Nordamerika. Greift Montreal nicht noch einmal in seine Haushaltskasse, wird es nächstes Jahr erstmals in der Geschichte der Formel 1 kein einziges Rennen in Nordamerika geben. Insgesamt fast 100 Grand Prix wurden bisher in Amerika gefahren. 60 in den USA - von Indianapolis über Sebring, Riverside und Watkins Glen bis Long Beach, von Las Vegas über Detroit und Dallas bis Phoenix. 39 Rennen fanden an den drei kanadischen Schauplätzen St. Jovite, Mosport und Montreal statt.
In eine Richtung. Es gab sogar Jahre, wie zum Beispiel 1982, mit vier Grand Prix in einer Saison auf nordamerikanischem Grund und Boden - in Long Beach, Detroit, Las Vegas und Montreal wurde damals gefahren. Bereits heuer stand nur noch Montreal im Kalender, Indianapolis, erst 2001 für teures Geld umgebaut, war schon gestrichen. Dafür wird am gegenüberliegenden Ende der Welt gebaut und gebaut. Und Mister Ecclestone ("Wir werden weiterhin die attraktivsten Märkte erobern. Und wenn diese im Osten liegen, tun wir das dort") will noch schnurgerader in eine Fahrtrichtung steuern.
Neu Ost-Destinationen. 2009 wird die Formel 1 zum Saisonfinale erstmals in Abu Dhabi zu Gast sein. In Südkorea schießen ebenso Rennstrecken aus dem Boden, wie in Indien und in Russland. In Japan sollen Fuji und Suzuka statt alternierend gemeinsam in den Kalender rücken, in China wünscht sich Ecclestone einen zweiten Grand Prix in Peking. Während in Europa in den letzten Jahren ein halbes Dutzend Rennstrecken ihre Grand Prix verloren haben.













