Tour: Drei Wochen als Bodyguard
Bernhard Eisel (30) hat bei seiner achten Tour de France selbst nichts gewonnen. Warum zählt er trotzdem zu den großen Siegern? Der Versuch einer Erklärung.

Foto © GEPABernhard Eisel (rechts) war drei Wochen der Bodyguard von Superstar Mark Cavendish
Lange Zeit hat Bernhard Eisel bei der Tour de France Buch geführt. Zwar nur im Telegrammstil. Aber in gar nicht so üblem Englisch. Und akribisch. Zumindest für seine 1128 Freunde auf "Facebook". Das hat sich dann so gelesen: "Wahrscheinlich der schlimmste Tag in meiner Karriere" (nach seinem Sturz im Team-Zeitfahren). Oder so: "Schlechtes Wetter, schlechte Beine." "Eine nervöse und gefährliche Etappe." "Überall Stürze". "Grupetto Day. Ein harter Tag für die Sprinter" (nach der ersten Pyrenäen-Etappe). "Vier Kilometer vor dem Gipfel bin ich explodiert." "Paris ist nicht mehr so weit" (nach der ersten Alpen-Etappe). Und tags darauf, nach der Bergankunft auf dem Galibier: "Kein Kommentar! Ein weiterer Tag!"
Dann ist der Draht gerissen. Von den letzten drei Etappen gibt es keine Aufzeichnungen mehr. Außer jene der offiziellen Ergebnisliste. Laut der Bernhard Eisel, in Klagenfurt lebender Steirer, und Mark Cavendish in Alpe d'Huez zu spät ins Ziel gekommen sind. Nach der vorgegebenen Karenzzeit. Aber das sind 60 andere Radprofis auch. Daher drückte die Tour-Direktion ein Auge zu.
Grünes Trikot
Bernhard Eisel hat bei seiner achten Tour de France selbst nichts gewonnen. Und dennoch einen seiner größten Erfolge gefeiert. Eisel war zum ersten mal Kapitän eines Rennstalls. Vor allem aber war er Bodyguard von Superstar Mark Cavendish. Er durfte dem exzentrischen, kleinen Briten drei Wochen lang nicht von der Seite weichen. Vor allem nicht über mehr als 50 Berge und bei der Vorbereitung der Massensprints. Und diesen Job hat Eisel exzellent erledigt. Cavendish hat fünf Etappen und erstmals das Grüne Trikot des besten Sprinters gewonnen. "Wir sind wohl ein Duo, das ganz gut funktioniert", sagte Eisel Sonntag in Paris. Dass für ihn selbst nur der 161. Platz herausschaute, damit hat Eisel kein Problem. "Wir verlieren und wir gewinnen gemeinsam. Für mich ist das wie ein Sieg." Nicht nur, weil Teamchef Rolf Aldag die beiden als "wie ein altes Ehepaar" bezeichnet, weiß auch Mark Cavendish, was er an Eisel hat.
Große Komplimente
Selbst in seiner Biografie "Boy Racer" schildert Cavendish ausführlich, wie ihn sein Freund und Zimmerkollege vor drei Jahren nach einem Sturz über die Pyrenäen geschleppt hat. Cavendish weiß, dass "Bernie viel weiter vorne landen könnte" und er weiß, dass er sich für ihn "Tag für Tag opfert".
Am vorletzten Tag, vor dem Einzelzeitfahren, da twitterte Mark Cavendish: "Ich habe Angst vor 40 Kilometern ohne Bernie." Vielleicht das schönste Kompliment für Bernhard Eisel nach drei Wochen als Bodyguard.
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FAKTEN
Acht Mal in Serie ist Bernhard Eisel (30) die Tour de France gefahren und hat sie beendet. Im Team von HTC-Highroad war er heuer Kapitän und Mark Cavendish's "Bodyguard".
Zum ersten Mal hat der Brite Mark Cavendish (26) das Grüne Trikot für den besten Sprinter der Tour gewonnen.
20 Etappensiege hat Cavendish bei der Tour gefeiert, fünf alleine heuer. In der Bestenliste führt Eddy Merckx (34 Siege).








