Viel Pech für Bernhard Eisel
Ein Zeitfahren - egal ob alleine oder mit der Mannschaft - gehört einfach zu jeder klassischen Rundfahrt. Und manchmal geht eben alles daneben, wie am Sonntag für Bernhard Eisel.

Foto © GEPABernhard Eisel
Zeitfahren zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsdisziplinen des Radsports. Und ich habe gewusst, das wird ein verdammt harter Tag für mich. So gut wie möglich wollte ich mich in den Dienst der Mannschaft stellen. Dass es dann aber so schlecht läuft, so danebengeht, war natürlich schon ganz großes Pech. Gleich in den ersten Kurven rutschte mein Hinterrad weg und schon lag ich auf dem Asphalt. Mein Team war auf und davon, konnte, ja durfte gar nicht auf mich warten. Das Mannschaftszeitfahren wurde so für mich zu einem Einzelzeitfahren. Gut, dass ich wenigstens noch in der Karenzzeit geblieben bin.
Die Distanz des Mannschaftszeitfahrens wurde heuer gekürzt. Nur 23 Kilometer lang, absolut eben, so konnte es einfach nicht rennentscheidend sein. Die favorisierten Teams lagen vorne, mit Garmin an der Spitze. So kletterte Thor Hushovd auch ins Gelbe Trikot. Die besten Teams sind auch perfekt gefahren. Zumindest mit fünf Mann muss man einmal ins Ziel kommen, denn die Zeit des Fünften wird als Richtwert genommen. Fahrer, die aber unterwegs abreißen, die nach der Gruppe des Fünftplatzierten ins Ziel kommen, erhalten die Zeit, mit der sie auch tatsächlich ins Ziel gefahren sind. Und so habe ich am Sonntag über fünf Minuten verloren. Unsere Hoffnungen bei HTC, vielleicht Tony Martin ins Gelbe zu fahren, haben sich nicht erfüllt.
Nachteile
Das Mannschaftszeitfahren war immer wieder umstritten, weil es Fahrer mit schwächeren Teams doch klar benachteiligt. Um es einmal zu erklären: Grundsätzlich gibt es beim Mannschaftszeitfahren zwei Varianten, wie die Gruppe über die Straßen rollt. Erstens der "Belgische Kreisel". Das ist Radsport in Formation, grundsätzlich in zwei Einzelreihen, die sich gegeneinander bewegen. Eine Reihe fährt schneller als die andere, um circa 2 bis 3 km/h. Jeder wird permanent von der Führungsarbeit abgelöst. So wird der Windschatten gleichmäßig zwischen den Fahrern des Kreisels verteil. Bei hoher Geschwindigkeit oder bei starkem Gegenwind ist diese Form ein Vorteil und kam bei uns mitunter auch zum Einsatz. Bei der anderen Variante fährt die Neuner-Mannschaft nur in einer Reihe, wie im Gänsemarsch. Der Vorderste lässt sich nach getaner Arbeit bis ans Ende zurückfallen. Bei Seitenwind fahren wir freilich alle entsprechend seitlich versetzt.
Die aerodynamisch optimierten Zeitfahrmaschinen (Kostenpunkt bis zu 15.000 Euro) können wir nun bis fast zum Schluss der Frankreich-Rundfahrt im Lkw ganz nach hinten stellen. Die Räder brauchen wir erst wieder auf der vorletzten Etappe am 23. Juli beim Einzelzeitfahren. Auf den 42 Kilometern in Grenoble ist dann jeder auf sich alleine gestellt. Da kann keiner bluffen oder sich im Windschatten verstecken. Aber das konnte ich eigentlich schon am Sonntag nicht.









