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Zuletzt aktualisiert: 25.07.2010 um 16:19 UhrKommentare

Müde Abschiedstour von Armstrong

Am Sonntag beendete Lance Armstrong seine 13. und letzte Tour de France. Die Ehrenrunde geriet fast zum Spießrutenlauf des müden Altmeisters. Daheim wartet das Gericht.

Lance Armstrong

Foto © ReutersLance Armstrong

Bei der Rückkehr in die USA erwarten ihn weitere Unannehmlichkeiten durch die Ermittler der Landis-Affäre.

Teils große Rückstände auf Bergetappen, Sturzserien und Schmähungen als "Radtourist": Der fast 39-jährige Rekordsieger Lance Armstrong hat sich seinen Tour-de-France-Abschied anders vorgestellt. Er beendete seine "Ehrenrunde" auf Rang 23. "Endlich Strand und Bier", wünschte er sich nach der Tortur via Twitter.

Sein Freizeitvergnügen könnte vom als unerbittlich bekannten US-Chefermittler Jeff Novitzky aber erheblich gestört werden. Armstrong drohen nach den Anschuldigungen durch seinen ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis und Greg LeMond Klagen. Eine Grand Jury ermittelt vor dem Hintergrund angeblich flächendeckenden Dopings wegen möglicher Steuerhinterziehung.

Der rote Teppich

In der Zeit von 1999 bis zu seinem ersten Tourabschied 2005 waren die Champs Elysees wie ein Roter Teppich für den im September 39 Jahre alt werdenden Texaner, dem immer noch politische Ambitionen nachgesagt werden. Diesmal spürte er das feine Kopfsteinpflaster der Prachtstraße in jedem Knochen. "Ich wäre gerne jünger und schneller", hatte er nach der 16. Etappe resümiert. In Pau ließ er als Etappensechster in einer siegreichen Spitzengruppe noch einmal alte Klasse aufblitzen.

Armstrongs Ehrenrunde hatte für seine Fans viel Trauriges. Der einst unumschränkte "Boss", diesmal von Stürzen in Serie gepeinigt und als "Radtourist" verspottet, fuhr meist nur hinterher. In den Alpen und Pyrenäen kassierte er 15-Minuten-Abstände und auch in seiner einstigen Domäne, dem Zeitfahren, blieb ihm der Einbruch nicht erspart. Am Samstag strampelte er Tagessieger Fabian Cancellara in Pauillac 7:05 Minuten hinterher.

Die drängende Jugend hatte Armstrong eigentlich schon im Vorjahr nach seinem zweifelhaften Comeback ein Stoppschild vor Augen gehalten. Er erkannte es zu spät. "Das war das letzte Zeitfahren meines Lebens. Auch wenn ich es leicht nehme - tut es weh", hatte er nach der erneuten Enttäuschung in Pauillac getwittert.

Anmaßender Flirt

Der Flirt mit seinem möglichen achten Toursieg wirkte von Beginn ohnehin wie eine Anmaßung, und die wurde grausam bestraft. Der Texaner steht damit in einer langen Reihe von Sportlern, die den Absprung zur rechten Zeit verpassten. Auch der große Eddy Merckx drehte auf dem Rad mindestens eine Runde zu viel. Bei seiner letzten Tour wurde der Belgier 1977 auf Rang sieben gedemütigt.

Der einst unnachgiebige Tour-Regent, früher von Ehrgeiz fast zerfressen, rettete sich auf die letzten Meter seiner Abschiedstour mit Galgenhumor und entdeckte sogar die touristische Dimensionen seines letzten Frankreich-Trips: "Es ist eine neue Situation für mich. Ich kann den Berg in Ruhe hinauffahren, mich umschauen, mit den Zuschauern sprechen, eine gute Zeit haben".

Der Sportzeitung "L'Equipe", die ihn mit nachträglich analysierten Dopingproben von 1999 im Jahr seines Abschieds als EPO-Doper entlarvt hatte und ihn vier Jahre später trotzdem wieder mit offenen Armen empfing, gefiel seine neue Fahrweise überhaupt nicht. Den fast unwürdigen Abstieg kommentierte die Zeitung nach Armstrongs Sturz in der neutralisierten Startzone in Rodez mit folgender Abstufung seiner Qualitäten: "Erst Radprofi, dann Radtourist, dann nur noch Tourist".

Dennoch hielt die Tour für ihn ein Trostpflaster bereit: Sein RadioShack-Team, in dem er im kommenden Jahr noch einige kleinere Rennen bestreiten will, gewann die Mannschaftswertung.


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