Ein Mann tauchte in die Ewigkeit ein
Wäre Michael Phelps (27) ein Land, dann würde er im ewigen Medaillenspiegel auf Rang 57 liegen. Seine 19. Olympia-Medaille und ihre Geschichte.
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Olympias tägliche Schlagzeilen sind mehrere Zentimeter groß. Aber sie waren knapp und kämpften um ihre Originalität. Schlicht "The Greatest" titelte "Daily Mirror" auf der ersten Seite seiner Sonderausgabe und schrieb von einem "Metall Detektor". Das Boulevardblatt "The Sun" bezeichnete ihn als "Super Mike" und "The Guardian" einfach nur als "The greatest Olympian". Irgendwie schien Michael Phelps die Spiele und London sprachlos gemacht zu haben.
20 Jahre nachdem er als siebenjähriger Stoppel am Stadtrand des amerikanischen Baltimore in einem kleinen Pool mit dem Schwimmen begonnen hatte, weil seine Mum meinte, das Wasser sei der einzige Platz, wo ihr Sprößling sein chaotisches Wesen abreagieren könnte, stieg Michael Phelps im "Acquatics Centre" von London als erfolgreichster Olympia-Sportler aller Zeiten aus dem Becken.
Zuerst hatte er die uralte Rekordmarke von 18 Olympia-Medaillen von Larrisa Latynina aus der ehemaligen Sowjetunion, gesammelt zwischen 1956 und 1964 in den Turnhallen Olympias, eingeholt. Eine Stunde später siegte Phelps mit der US-Kraulstaffel. Seine erste Goldmedaille in London. Seine 19. Medaille. Wäre Phelps ein Land, die ewige Medaillenliste würde ihn alleine auf Rang 57 führen.
Durch Wellen . . .
Dabei wurde auch jene Nacht, in der Michael Phelps Olympia- und Sportgeschichte geschrieben hat, zuvor zu einem abermaligen Wellental. Seine 18. Medaille war nämlich "nur" aus Silber. Über 200 Meter Delfin hat ihn überraschend der Südafrikaner Chad le Clos besiegt. Die erste Niederlage von Phelps über diese Distanz seit 2001. Die Medaille wurde ihm wenige Minuten vor dem Staffel-Finale um den Hals gehängt. Im Vorlauf war Phelps sogar langsamer als der Österreicher Dinko Jukic gewesen.
Und bereits am allerersten Olympia-Tag hat hohe Wellen geschlagen, dass Michael Phelps nicht nur gegen seinen Landsmann Ryan Lochte verloren hat. Als Vierter war er sogar leer ausgegangen. Als "dump squib", als Rohrkrepierer, haben Englands Zeitungen Phelps bezeichnet.
. . . mit Kratzern
Michael Phelps ist auch außerhalb des Schwimmbeckens bei Gott nicht ohne Kratzer. Einer Verurteilung nach einem alkoholisiert verursachten Autounfall 2009 ist er mit einem Bündel Dollar-Noten zuvor gekommen. Als er mit einer Wasserpfeife Marihuana geraucht hat, waren die Bilder um die Welt gegangen.
"Deshalb ist das Schwimmbecken für mich eine Oase", sagt Phelps. "Zwei Wände an jedem Ende. Bänder an beiden Seiten und eine schwarze Linie am Boden, die dir die Richtung vorgibt." In drei Finalläufen wird sich Phelps an dieser Linie noch orientieren, drei Mal soll sie ihn schnurgerade zu weiteren Medaillen führen. Dann wird Michael Phelps seine Karriere beenden. Mit 22 Olympia-Medaillen. Und vielleicht wirklich einem Rekord für alle Ewigkeit.
Features
Fotoserie
Zur Person:
Geboren: 30. Juni 1985 in Baltimore, Maryland.
Erfolge: 19 Olympia-Medaillen, 15 Mal Olympia-Sieger. 33 WM-Medaillen, 26 WM- Titel, 39 Weltrekorde, 6 Mal Weltschwimmer des Jahres.















