Sigurdsson und Legionäre als Erfolgsgeheimnisse
Dass Dagur Sigurdsson Anfang März 2008 als Teamchef gewonnen wurde, war ein Glücksfall für den heimischen Handball-Sport. Das steht spätestens seit Samstagabend fest.

Foto © APADagur Sigurdsson
Dem 36-jährigen Isländer ist es gelungen, aus dem damals im Niemandsland dahinspielenden Herren-Nationalteam einen ernstzunehmenden EM-Hauptrunden-Teilnehmer zu formen.
Sigurdsson ist dank seiner taktisch bis ins kleinste Detail perfektionierten Spielkonzepte zweifelsohne ein wichtiger Baustein des Erfolgsteams. Umgesetzt können die Anweisungen aber nur deshalb werden, weil Österreich mittlerweile über zahlreiche erfolgreiche Legionäre verfügt, die sich Woche für Woche - vor allem in Deutschland - mit den Besten der Welt matchen.
Legionärswesen
An der Spitze der Legionäre steht Regisseur Viktor Szilagyi (Gummersbach), ebenfalls in der ersten deutschen Liga, die mit Abstand die meisten EM-Teilnehmer stellt, verdienen Patrick Fölser (Düsseldorf), Robert Weber (Magdeburg), Nikola Marinovic, Mare Hojc, Markus Wagesreiter (alle Balingen/Weilstetten) und Konrad Wilczynski (Berlin/Trainer Sigurdsson) ihr Geld.
Vytautas Ziura spielt im dänischen Oberhaus (Viborg), Bernd Friede in der Schweiz (St. Gallen) und Thomas Bauer in der zweiten Liga Deutschlands (TV Korschenbroich). Aus der heimischen HLA stehen mit Roland Schlinger, Matthias Günther, Lucas Mayer (alle Bregenz), Michael Jochum, Michael Knauth (beide Hard) und Martin Abadir (Fivers) sechs Akteure im aktuellen 16-Mann-Aufgebot.
Harte Arbeit und Zusammenhalt
"Wir haben hart gearbeitet", betonte Sigurdsson. "Die Mannschaft ist eng zusammengewachsen und harmonisch geworden. Es ist so etwas wie der isländische Kampfgeist und Wille in die Mannschaft gekommen. Ich bin sehr glücklich, dass ich ein Teil dieser Truppe sein darf", meinte der langjährige Weltklasse-Mitte-Aufbau, der bei der Zusammenstellung der EM-Mannschaft mit viel Gefühl vorgegangen ist. "Ich habe versucht, eine richtige Balance zwischen Abwehr und Angriff zu finden. Und auch, dass die menschliche Balance passt."
Sigurdsson ist es gelungen, dass seine Spieler bedingungslos an den Erfolg gegen renommierte Teams glauben. Aber Kampfgeist alleine wäre zu wenig, auch das handballerische Rüstzeug ist vorhanden. "Es gibt kein bestimmtes Geheimnis. Die Spieler mussten einfach das Gefühl bekommen, dass sie das schaffen können. Wir haben ein gutes handballerisches Konzept reingebracht. Dadurch kam das Selbstvertrauen, dass wir auch mit großen Handball-Nationen mithalten können", betonte Sigurdsson nach dem 37:31-Triumph gegen Serbien.
Sigurdsson will die nun hereintrudelnden Komplimente auf keinen Fall für sich alleine beanspruchen, er betont die Wichtigkeit seines Betreuerstabs rund um Co-Trainer Markus Burger. "Ich habe ein sehr gutes Team um mich." Es scheint so, als würde dem Handballsport in Österreich dank der EM-Erfolge große Werbung zuteilwerden.
Stimmungssportart Handball
"Handball ist eine super Sportart. Ich glaube, dass die Leute in der Halle und vor dem Fernseher begeistert sind. Handball ist eine Stimmungssportart mit vielen Toren. Ich denke schon, dass wir einen kleinen Boom auslösen können", hoffte der Isländer, in dessen Heimat Handball die Sportart Nummer eins ist.
Ab Montag geht es für Österreich in Wien weiter, im ersten Match in der Stadthalle wartet um 18 Uhr Norwegen. Auch die Partien gegen Kroatien (Dienstag) und Russland (Donnerstag) beginnen jeweils um 18 Uhr. "Verstecken müssen wir uns nicht. Wir werden topp motiviert und topp vorbereitet sein", versicherte Sigurdsson, der nach dem Match gegen Serbien aber erst einmal "platt, leer und fertig" war. Das war aber am Sonntag schon wieder ganz anders, denn da tüftelte Sigurdsson bereits den Schlachtplan für das Treffen mit Norwegen, den aktuellen EM-Sechsten und WM-Neunten, aus.









