Football: Weiterentwicklung Österreichs oberste Prämisse
Die WM zeigte dem AFBÖ-Team seine Grenzen auf. Während die Zukunft von Headcoach Rhoades ungewiss ist, traten mit der WM zahlreiche langjährige Stützen ab.

Foto © APAJubel im österreichischen Team im Spiel gegen Australien
Die Heim-WM hat dem österreichischen American-Football-Nationalteam seine Grenzen aufgezeigt. Das Niveau des immer populäreren Sports soll sich in Österreich aber unabhängig von Welttitelkämpfen weiterentwickeln. "Das ist ein langwieriger Prozess", meinte Verbandspräsident Michael Eschlböck. WM-Rang sieben sei sicherlich nicht das Ziel gewesen, gestand Teamchef Rick Rhoades. Es gebe aber auch viel Positives mitzunehmen.
Ehre gerettet
Mit einem 48:10-Kantersieg gegen Australien haben die Österreicher zum Abschluss in Wien zumindest ihre Ehre gerettet. Es war der erste WM-Sieg überhaupt für das AFBÖ-Team, nachdem zuvor alle drei Gruppenspiele mehr oder weniger knapp verloren gegangen waren. "Ich glaube aber, dass Österreich auf höchstem Level konkurrenzfähig ist. Ich glaube es immer noch", betonte Rhoades. "Wenn wir weiter gut arbeiten, liegt eine große Zukunft vor uns."
Ob mit oder ohne dem 64-jährigen US-Amerikaner als Teamchef, das ist offen. Der Verband hat sich noch nicht deklariert, Rhoades hätte aber bereits seinen Willen zur Verlängerung deponiert. "Mir gefällt es, ich würde es gegen nichts tauschen wollen", sagte der Headcoach der Graz Giants. Eile besteht in der Teamchef-Frage aber vorerst nicht. Das nächste Großereignis steht erst 2014 mit der EM bevor, die gleichzeitig als Qualifikation für die WM 2015 dient.
Dazu findet im erst 2006 wiederbelebten Nationalteam ein kleiner Umbruch statt. Sieben bis zehn Spieler aus dem 45-Mann-Kader beenden nach der Heim-WM ihre Karriere, darunter Stützen wie Kicker Peter Kramberger, der im Turnier sehr erfolgreiche Runningback Mario Nerad, die Receiver Jakob Dieplinger und Andreas Pröller oder Verteidiger Mario Rinner. "Für sie ist es extrem wichtig, dass wir dieses letzte Spiel gewonnen haben", sagte Rhoades.
Die Australier gelten im Football allerdings als Entwicklungsland. "Normal spiele ich vor 30 Leuten", erinnerte Receiver Ryan Dwyer. "Das Tempo ist um ein Vielfaches höher als bei uns." Doch auch Österreich muss sich im Konzert der Großen erst zurechtfinden, obwohl die heimischen Clubs die Europacup-Bewerbe dominieren. Das liegt zum einen an der Ausbildung, zum anderen an der Mehrfachbelastung der Spieler, die allesamt Amateure sind, Beruf und Familie haben.
"Wir müssen einen Weg finden, um sie im Rahmen der Möglichkeiten zu entlasten", meinte Rhoades. "Wir müssen es auf die österreichische Art machen." Die Masse an Spielern ist nämlich nicht vorhanden. In den Top-Nationen USA, Kanada, Mexiko oder Japan ist Football Schul- und Collegesport. In Österreich gibt es seit heuer immerhin eine erste Kooperationsschule, das ORG 10 in Wien-Favoriten. Von der Aufbauarbeit soll langfristig auch das Nationalteam profitieren.
"Wir haben nicht das Geld und die Ressourcen, also müssen wir kreativ sein", erklärte Verbandschef Eschlböck. Die WM soll für die Spieler vor allem ein Erfahrungsgewinn gewesen sein - wenn auch die Ergebnisse nicht wirklich gestimmt haben. "Das ist der Beginn von etwas Großem", meinte Defensive Tackle Roman Meklau (29) von den Vienna Vikings. "Vielleicht geht es sich für uns nicht mehr aus, aber zumindest für die nächste Generation."












