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Zuletzt aktualisiert: 23.10.2012 um 13:44 UhrKommentare

Armstrong drohen weitere Millionen-Rückzahlungen

Die US-Versicherungsfirma SCA Promotions hatte dem US-Amerikaner während dessen Karriere nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen Dollar ausgezahlt - nun könnte sie Cash zurückfordern. Die Welt-Anti-Doping-Agentur begrüßt eine "gründliche Säuberung des Sports".

Foto © Reuters

Nach dem Verlust seiner sieben Tour-de-France-Titel droht Lance Armstrong wegen Dopings die Rückzahlung von Prämien in Millionenhöhe. Die US-Versicherungsfirma SCA Promotions hatte dem US-Amerikaner während dessen Karriere nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen Dollar ausgezahlt und erwägt nun rechtliche Schritte gegen den früheren Radprofi.

Stichtag 1. August 1998

Der Weltverband (UCI) hatte Armstrong alle Erfolge seit 1. August 1998 aberkannt und ihn lebenslang gesperrt. "Herr Armstrong ist nicht länger offizieller Gewinner irgendeines Tour-de-France-Rennens und als Ergebnis ist es unangemessen und unzulässig von ihm, jegliche Bonuszahlungen von SCA zu behalten", teilte SCA-Anwalt Jeffrey Dorough mit. Die gefallene Rad-Ikone äußerte sich bis Dienstagfrüh zunächst nicht, ließ aber den Hinweis auf die Erfolge bei seinem Twitter-Konto verschwinden. "Erziehe meine 5 Kinder. Kämpfe gegen Krebs. Schwimme, bike, laufe und golfe, wann immer ich kann", war für seine 3,38 Mio. "Follower" zu lesen. Bis Montagabend war zu lesen gewesen: "Vater von 5 tollen Kindern, 7-maliger Tour de France Gewinner, Vollzeit-Krebsbekämpfer, Teilzeittriathlet".

Seine sportliche Karriere ist nach der Sperre durch die UCI endgültig beendet, der Ärger um das durch die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) nachgewiesene Doping noch lange nicht. Der 41-Jährige muss unter anderem die Rückzahlung von knapp drei Millionen Euro an Tour-de-France-Preisgeld fürchten. "Nach Jahren des Leugnens bricht Armstrongs Strategie zusammen", schrieb "USA Today". Welchen Anteil der Prämien-Gesamtzahlungen von zwölf Millionen Dollar SCA zurückverlangen will, blieb zunächst unklar. Das Unternehmen aus Dallas hatte Armstrong nach einem gerichtlichen Vergleich 2006 alleine 7,5 Millionen Dollar für den Gewinn seines sechsten Erfolgs bei der Frankreichrundfahrt 2004 überweisen müssen.

Der Texaner hatte SCA verklagt, nachdem die Firma die Gelder wegen Dopingverdächtigungen einbehalten hatte. Tailwind Sports, Besitzer von Armstrongs Team US Postal, hatte bei SCA eine Versicherung über den Bonus abgeschlossen. Nach Nike und anderen Sponsoren hatte nach 25-jähriger Kooperation mit Brillenhersteller Oakley ein weiterer Geldgeber die Zusammenarbeit mit Armstrong beendet. Sein Anwalt Tim Herman betonte allerdings, dass es seitens der Sponsoren bisher keine Rückzahlungsforderung der Gelder gegeben hat. "Ich habe nichts gehört und erwarte es auch nicht", sagte Herman.

UCI-Präsident Pat McQuaid gab am Dienstag an, Armstrong hätte nach Ansetzung der Montag-Pressekonferenz von ihm vorab per SMS wissen wollen, wie die Entscheidung in seiner Causa aussehe. Bei einem folgenden Anruf von McQuaid habe er Armstrong erklärt, dass es keine Erklärung vor der Pressekonferenz gebe. Enttäuscht von Armstrong hat sich Rad-Legende Eddie Merckx gegeben. Er fühle sich elend, meinte der Belgier. "Mit Interesse" blickt nun nicht nur die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf die Ergebnisse einer UCI-Sondersitzung am Freitag. Dabei will der Weltverband entscheiden, was mit Armstrongs Tour-Erfolgen 1999 bis 2005 geschieht. WADA-Präsident John Fahey sagte am Dienstag in einem australischen Radiosender, dass er glaube, dass in der Ära Armstrong alle im Radsport gedopt hätten. Darüber gebe es keinen Zweifel.

"Sport gründlich säubern"

Die Aberkennung durch die UCI begrüßte die WADA. Man sei ermutigt, dass die UCI den Fall als Beschleuniger ansehe, "um seinen Sport gründlich zu säubern und alle verbliebenen Reste des Dopingprogramms zu beseitigen, dass den Radsport über das letzte Jahrzehnt deutlich beschädigt hat", sagte Fahey. Der größte Dopingskandal der Sportgeschichte sei kurz davor, den korrekten Abschluss zu erreichen. Ex-Profi Tyler Hamilton hat sich indes gegen eine Beschimpfung durch McQuaid gewehrt, dessen Rücktritt gefordert. Der umstrittene Ire habe keinen Platz mehr im Sport, sagte der Kronzeuge in der Doping-Affäre Lance Armstrong. "Pat McQuaids Kommentare offenbaren die Unglaubwürdigkeit als Lenker seines Verbandes und seine Unfähigkeit für einen ehrlichen Wandel". McQuaid will aber nächstes Jahr für noch eine Amtszeit kandidieren.

McQuaid hatte Hamilton und Floyd Landis, der auch gegen Armstrong ausgesagt hatte, attackiert: "Sie sind von Helden so weit entfernt wie Tag und Nacht. Sie sind keine Helden, sie sind Drecksäcke." Hamilton hatte nach Jahren des Leugnens Doping gestanden. "Anstatt die Möglichkeit beim Schopf zu packen, der nächsten Generation Hoffnung zu geben, zeigt er mit Fingern auf die, die die Dinge beim Namen nennen und beschimpft sie".


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