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Zuletzt aktualisiert: 14.10.2012 um 16:01 UhrKommentare

Armstrong drohen nun Schadensersatzklagen

Lance Armstrong könnte sich nun an einen Lügendetektor anschließen lassen. Richard Pound, früherer Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, unterstellte der UCI indes Mitwisser- und indirekt auch eine Mittäterschaft.

Lance Armstrong

Foto © APALance Armstrong

Der gestürzte Rad-Superstar Lance Armstrong, dem jetzt auch Schadenersatzklagen drohen, kämpft um seine Reputation. Auf Vorschlag seines Anwalts Tim Herman könnte sich der 41-jährige Ex-Profi an einen Lügendetektor anschließen lassen. "Vielleicht machen wir das, man weiß ja nie", sagte Herman im BBC-Radio am Sonntag.

Allerdings räumte der Rechtsvertreter ein, dass dies dem Ruf seines Mandanten nach den Enthüllungen der vergangenen Woche vermutlich kaum helfen werde. Zu Beginn des Jahres hatte auch der wegen Dopings verurteilte zweifache Tour-Sieger Alberto Contador versucht, seine Unschuld mit Hilfe eines Lügendetektors zu beweisen. Die Ergebnisse der speziellen Befragung des Spaniers wurden jedoch nie bekannt. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) glaubte der Contador-Version aber nicht.

Auch nach der Veröffentlichung des Anklage-Berichts der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), der ein "Dopingsystem Armstrong" offenlegt, bestreitet der Amerikaner, jemals verbotene Mittel benutzt zu haben. Das bestätigte am Wochenende sein Sprecher Mark Fabiani.

Nach Fabianis Worten hätte sich Armstrong nicht zu den Forderungen der Londoner "Sunday Times" geäußert, die rund eine Million US-Dollar (771.000 Euro) von dem Texaner zurückfordern will. Diese Summe hatte Armstrong 2004 in einer Klage gegen die Zeitung aus dem Verlag von Rupert Murdoch erstritten. In damaligen Artikeln war Armstrong des Dopings bezichtigt worden.

Weitere Doping-Enthüllungen erwartet

Richard Pound, früherer Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hat indes den Internationalen Radsport-Verband im Doping-Skandal um Armstrong hart kritisiert. Der 70-jährige Kanadier unterstellte der UCI Mitwisser- und indirekt auch eine Mittäterschaft in der Causa.

"Es ist nicht glaubwürdig, dass sie von all dem nichts wussten. Ich hatte dies über Jahre bei der UCI reklamiert", betonte Pound. Gleichzeitig kritisierte er das Kontrollsystem der UCI. In den Stunden vor den Rennen seien keine Kontrollen durchgeführt worden, in dieser Zeit hätten maskierende Substanzen eingenommen werden können. "Man fragt sich, ob das System nicht bewusst so angelegt wurde, dass es nicht erfolgreich sein konnte", sagte Pound.

Durch die Ermittlungen der US-Antidoping-Agentur (USADA), die in ihrem am Mittwoch veröffentlichen Bericht Armstrong sowie zahlreichen Weggefährten wie dessen ehemaligen Teamchef Johan Bruyneel massive Dopingvergehen vorwarf, erwartet Pound in Zukunft weitere Doping-Enthüllungen. Gerade in Italien und Spanien sei mit weiteren Aufdeckungen zu rechnen.

"Wenn die UCI hartnäckig bei ihrem Standpunkt bleibt, gefährdet sie den gesamten Radsport. Wenn anderen Teams ein ähnliches Verhalten wie US Postal nachgewiesen wird und die UCI damit nie fertig wurde, können sie nicht so blind gewesen sein und von den Vorgängen nichts gewusst haben", erklärte Pound, der von 1999 bis 2007 WADA-Vorsitzender war.

Zu den schweren Vorwürfen des Kanadiers gegen die UCI passen auch die jüngsten Aussagen von Armstrongs Ex-Teamkollegen Tyler Hamilton. Der 41-jährige US-Amerikaner berichtete nämlich von einer weiteren positiven Dopingprobe von Armstrong, die von der UCI kaschiert worden sei. "Im Jahr 1999 gab es einen positiven Test auf Kortison. Dieser wurde mit einem zurückdatierten Rezept verheimlicht. Die UCI wusste davon. Sie akzeptierte das", sagte Hamilton.

Der ehemalige Rad-Profi hatte bereits früher erklärt, die UCI habe von einem positiven Dopingtest Armstrongs bei der Tour de Suisse 2001 gewusst. Hamilton äußerte aber auch gewisses Mitgefühl für Armstrong. "Ich verstehe, dass es hart für ihn ist. Ich habe selbst lange Zeit gelogen. Und irgendwann fängst du dann an, deine Lügen selbst zu glauben. Ich fühle mit ihm", betonte Hamilton, der mit seinen Aussagen maßgeblichen Anteil am Sturz von Armstrong hatte.

Quelle: APA

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