Armstrong nach USADA-Veröffentlichung "ungerührt"
Die USADA hatte Armstrong im August lebenslang gesperrt und seine Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen. Wenn der Radsport-Weltverband zustimmt, werden dem 41-Jährigen die sieben Toursiege von 1999 bis 2005 aberkannt.

Foto © APALance Armstrong
Lance Armstrong hat sich nach der Veröffentlichung der erdrückend scheinenden Beweise gegen ihn durch die US-Anti-Doping-Agentur (USADA) unbeeindruckt gezeigt. "Was mache ich heute Abend? Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, ungerührt", schrieb der einstige Radstar auf "Twitter". Kein Wort aber über das, was auf mehr als 1.000 Seiten ein erschreckendes Bild von Armstrong und seinem ehemaligen US-Postal-Rennstall zeichnet.
Die USADA, die den Bericht samt der Aussagen von 26 Belastungszeugen am Mittwochabend veröffentlicht hatte, kam zu dem Ergebnis, das Team habe das "ausgeklügeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat".
Die USADA hatte Armstrong im August lebenslang gesperrt und seine Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen. Wenn der Radsport-Weltverband zustimmt, werden dem mittlerweile 41-Jährigen die sieben Toursiege von 1999 bis 2005 aberkannt. Armstrong hatte verzichtet, sich dieser USADA-Entscheidung zu widersetzen und die Anschuldigung als unwahr und lächerlich bezeichnet. Sein Anwalt Tim Herman nannte die aktuelle USADA-Mitteilung in einer ersten Reaktion einen "einseitigen Verriss" und "unbestätigt".
Die Beweisführung gegen Armstrong enthält beeidete Zeugenaussagen von 26 Personen, davon 15 früheren Fahrern. Von elf ehemaligen Teamgefährten Armstrongs wurden die noch aktiven Levi Leipheimer, Christian Vande Velde, Tom Danielson und David Zabriskie nach umfassenden Geständnissen dank der Kronzeugenregelung für lediglich sechs Monate gesperrt. Der langjährige Armstrong-Weggefährte Georgie Hincapie und Michael Barry erhielten ebenfalls ein halbes Jahr, sie sind aber bereits vor einigen Monaten zurückgetreten.
Neben den Aussagen führt die USADA zudem Dokumente als Beweismittel gegen Armstrong ins Treffen, darunter Aufzeichnungen von Zahlungen, E-Mails, wissenschaftliche Daten und Labortests. Diese sollen den "Gebrauch, Besitz und Verteilung von leistungssteigernden Mitteln durch Lance Armstrong beweisen", schreibt die USADA. "Die Dopingverschwörung war professionell entworfen, um die Athleten unter Druck zu setzen, gefährliche Dopingmittel zu nutzen, (...) und einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu gewinnen."
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Hintergrund
Untersuchung gegen Bruyneel
Der belgische Radsport-Verband (KBWB) hat auf die Enthüllung der mutmaßlichen Verwicklung von Johan Bruyneel in Dopingpraktiken mit der Einleitung einer Untersuchung reagiert. Der Belgier war bei allen sieben Tour-de-France-Siegen von Lance Armstrong dessen Teamchef. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Urteilsbegründung der US-Anti-Doping-Agentur (USADA) soll Bruyneel gemeinsam mit Ärzten maßgeblich in die Installation und Aufrechterhaltung des teaminternen Dopingsystems eingebunden gewesen sein.
Aktuell dirigiert der enge Armstrong-Vertraute die RadioShack-Mannschaft. Sollten sich die Vorwürfe gegen Bruyneel, der wie Armstrong stets seine Unschuld beteuert hat, bewahrheiten, könnte der Teammanager ein lebenslanger Ausschluss aus dem Radsport drohen.
In den USA hat Bruyneel im Gegensatz zu Armstrong Einspruch gegen die im August von der USADA erhobenen Vorwürfe eingelegt. Deshalb dürfte es demnächst zu einer Anhörung mit dem Belgier kommen.













