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    Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 22:38 UhrKommentare

    Contador gibt nicht auf

    Für zwei Jahre wurde Radstar Alberto Contador wegen Dopings gesperrt. Das will der Spanier nicht akzeptieren: "Ich will bis zum Ende weiterkämpfen."

    Alberto Contador will wieder zurückkommen

    Foto © APAAlberto Contador will wieder zurückkommen

    Der "Fall Contador" ist trotz CAS-Urteil nicht zu Ende, denn der spanische Radprofi gibt nicht auf. Alberto Contador will nach Ablauf der zweijährigen Dopingsperre seine Karriere fortsetzen und erwägt, das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) anzufechten. "Meine Anwälte prüfen, welche Möglichkeiten es gibt", sagte der 29-Jährige am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz in seinem Heimatort Pinto. "Aber ich habe ihnen schon gesagt, dass ich bis zum Ende weiterkämpfen will."

    Der Tour-de-France-Sieger war am Montag nach 18-monatigem Verfahren vom CAS des Clenbuterol-Dopings für schuldig befunden und für zwei Jahre gesperrt worden. Dagegen ist im Grundsatz nur ein Einspruch vor dem Schweizer Bundesgericht möglich. Contador machte jedenfalls seine Ankündigung aus dem Vorjahr, im Falle einer Verurteilung seine Karriere zu beenden, nicht wahr. "Ich werde zu 100 Prozent weitermachen - auf die saubere Art und Weise, wie ich es in meinem ganzen Leben getan habe", betonte der Saxo-Bank-Profi auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in einem Hotel in der Madrider Vorstadt.

    Seine Sperre läuft am 5. August dieses Jahres ab. Contador kämpfte vor einem Pulk von Mikrofonen zeitweise mit den Tränen. Die überwiegend spanischen Reporter spendeten ihrem Landsmann aufmunternden Beifall. "Ich verstehe das Urteil nicht", beklagte sich Contador. Denn laut dem Urteil ist Clenbuterol durch einen verunreinigten Nahrungsmittelzusatz in seinen Körper gelangt. "Man legte mir weder Nachlässigkeit noch einen Vorsatz zur Last, und trotzdem wurde ich zur Höchststrafe verurteilt. Auch mit dem Urteil in der Hand habe ich immer noch das Gefühl, dass ich unschuldig bin."

    Das harte CAS-Urteil spaltet den Radsport: Die Spanier verurteilten den Richterspruch, andere hofften auf eine Signalwirkung. Contador selbst steht ganz anderen Problemen gegenüber - im schlimmsten Fall drohen ihm Rückzahlungen in Höhe von zehn Millionen Euro.

    Spaniens Presse reagierte entrüstet auf die Entscheidung aus Lausanne. "Der CAS hat den Verstand verloren", klagte die Sportzeitung "Marca" und bezeichnete die überraschend harte Zweijahressperre gegen den Radprofi als "skandalösen Handstreich". Außerhalb Spaniens wurde die Strafe dagegen auch als Beweis für effektiven Anti-Doping-Kampf gewertet.

    Unterstützung für Contador

    Unerwartet war die heftige Reaktion in Spanien freilich nicht. Schon während der langen Wartezeit auf das Urteil, das Contador mit seiner kühnen These von einem mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol verseuchten Steak verhindern wollte, hatten vom Verbandschef bis zu Teamkollegen, vom Tennis-Superstar bis zum Regierungschef alle für den 29-Jährigen Partei ergriffen. "Jämmerlich", twitterte Tennisprofi Rafael Nadal. Die Sperre sei "kompletter Irrsinn", schrieb "El Mundo". Die Strafe werde "vor allem Verwirrung stiften", kommentierte "El Periodico de Catalunya".

    In anderen Ländern wurde das Urteil der drei CAS-Richter hingegen als positives Signal gesehen. "Diese Warnung muss nun im Fahrerfeld von jenen erhört werden, die weiterhin gegen die Windrichtung in die Pedale treten", fand das französische Sportblatt "L'Equipe". Für den "Nouvel Observateur" ist die verhängte Sperre "der letzte Beweis dafür", dass Doper nicht mehr "durchs Netz schlüpfen können".

    Italiens Radsport-Präsident Renato Di Rocco konnte sich in seinem Kommentar einen Seitenhieb in Richtung Spanien nicht verkneifen: "Die Disqualifikation ist ein Akt der Gerechtigkeit. Zum spanischen Radsportverband erübrigt sich jeglicher Kommentar, genauso wie zur Haltung der spanischen Regierung in Bezug auf Doping. Zum Glück setzen übergeordnete Instanzen die Regeln durch."

    Ähnlich sieht es Cadel Evans, im Vorjahr Sieger der Tour und am Sonntag noch neben Contador bei der Mallorca Challenge auf dem Rad. "Der Radsport hat mehr als genug getan, um zu beweisen, dass der richtige Weg eingeschlagen ist", sagte der Australier bei "Fox News". Kritik fand Evans für die lange Dauer des Verfahrens. Auch Tour-Direktor Christian Prudhomme klagte: "Das Urteil kam nach 565 Tagen. Das ist zu lange. Auch wenn die Sportjustiz in Ruhe arbeiten muss und der Fall außergewöhnlich komplex war, müssen Entscheidungen dieser Art schneller gefällt werden."

    4.000 Seiten Dokumenten

    Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die neben dem Internationalen Radsport-Verband (UCI) beim CAS in Lausanne gegen Contador geklagt hatte, verteidigte das Vorgehen. "Wir hätten es bevorzugt, wenn es schneller gegangen wäre. Doch es war ein komplexer Fall mit rund 4.000 Seiten Dokumenten", erklärte WADA-Präsident John Fahey, der Contador als "Doping-Betrüger" bezeichnete. Knapp 100 Seiten benötigten die Richter für das Urteil, in dem Contadors These abgeschmettert wurde.

    Die öffentliche Meinung dürfte Contador und sein Team weniger beschäftigen als der drohende finanzielle Schaden. Die UCI fordert eine Strafe von knapp 2,5 Millionen Euro und darüber hinaus 70 Prozent des Jahreseinkommens des Rundfahrtspezialisten, das auf rund fünf Millionen Euro geschätzt wird. Dazu kommen wohl Preisgelder, die zurückzuzahlen sind - und die Kosten für Contadors Anwälte. Ein Gesamtschaden von rund zehn Millionen Euro scheint realistisch.

    Außerdem muss Contadors Team Saxo Bank die Aberkennung des Elitestatus befürchten. Wie die UCI bekanntgab, wird die Lizenzierungskommission prüfen, ob die Streichung aller Ergebnisse des Spaniers seit 21. Juli 2010 Folgen für die Equipe von Teamchef Bjarne Riis hat. Nach Angaben der UCI gingen 68 Prozent der 2011 erzielten Punkte von Saxo Bank auf das Konto Contadors. Ohne diese Zähler "erfüllt das Team nicht mehr die sportlichen Kriterien für die UCI WorldTour", teilte der Verband mit.

    Immerhin will der Hauptgeldgeber Saxo Bank auch ohne Kapitän Contador weitermachen. Die Zwei-Jahres-Sperre "wirkt sich nicht auf unser Sponsoring aus", teilte das Geldinstitut am Dienstag mit. Und Riis, der EPO-Doping bei seinem Tour-de-France-Sieg 1996 zugegeben hatte, betonte, dass man Contador nicht fallen lassen werde. "Wir stehen weiter zu 100 Prozent hinter ihm", gab der Däne am Dienstagabend in Pinto zu Protokoll.


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