Eigenblut unter falschem Licht
Warum Deutschland derzeit ein Blut-Doping-Skandal droht. Und was dieser mit Walter Mayer zu tun hat. "Wir sind vor zehn Jahren wegen dieser Methode alle gesperrt worden. In Deutschland wird man versuchen, diese Sache unter den Teppich zu kehren."

Foto © APAWalter Mayer
Die Affäre brodelt schon seit einiger Zeit dahin. In Erfurt griff ein Sport-Mediziner just in einem Olympia-Stützpunkt - ein staatlich gefördertes Sport-Trainingszentrum - zu einer, wie er sagt, altbekannten Methode. Andreas Franke entnahm Sportlern kleine Mengen an Eigenblut, setzte dieses UV-Licht aus und injizierte es dann wieder. "Eine seit Jahrzehnten bekannte Methode zur Behandlung von Infekten", wie er mitteilte. Von "Blutdoping" könne also keine Rede sein, zumal das Blut weder per Infusion dem Körper zugeführt, noch die Menge von 50 Milliliter überschreite (siehe Infobox links). 28 Sportler stehen auf einer Liste, wie die ARD in einem TV-Beitrag offenbarte - Olympiasieger, Weltmeister, aber auch Nachwuchssportler. So richtig sicher ist man aber nicht, ob die Sache tatsächlich Doping ist.
Leistungssteigernd?
Der Leiter des Kölner Biochemie-Labors, der Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer, erklärte etwa: "Wenn man das nur mit 50 Millilitern durchführt, hat das keinen leistungssteigernden Effekt." In den Doping-Richtlinien ist eine Methode wie die vorliegende erst seit 1. Jänner 2011 ausdrücklich verboten. Auch wenn Arne Ljungqvist, Vorsitzender der medizinischen Kommission im IOC, erklärt, dass jegliche Entnahme und Rückführung von Eigenblut immer verboten war.
In Österreich kommt einem diese Diskussion bekannt vor. Richtig: Nach den Olympischen Spielen 2002 waren Österreichs Nordische wegen dieser Methode ins Kreuzfeuer geraten. Und deren Trainer Walter Mayer wurde zur unerwünschten Person, was 2006 im Doping-Skandal von Turin (auch damals waren im ÖSV-Quartier UV-Lampen gefunden worden) gegipfelt hatte. Kein Wunder also, dass der Doping-Experte der ARD, Hajo Seppelt, bei Walter Mayer in der Oststeiermark nachfragen ließ.
Der stärkt Franke einerseits den Rücken. "Weil diese Methode nicht der Leistungssteigerung dient. Weil es darum geht, Athleten gesund zu halten - ohne Antibiotika." Mayer schäumt andererseits, weil ihm Übles schwant: "Wir sind vor zehn Jahren wegen dieser Methode alle gesperrt worden. In Deutschland wird man versuchen, diese Sache unter den Teppich zu kehren. So richten es sich eben die großen Nationen." Brisant: In Deutschland ist auch IOC-Vizepräsident Thomas Bach betroffen. Er hatte einst den Schuldspruch für Österreichs Langläufer wegen der UV-Therapie als "großen Schlag gegen Doping" bezeichnet. Es wird also interessant und spannend werden, wie Bach die Sachlage diesmal klassifiziert.
Features
Fakten:
Der Sportarzt Andreas Franke wandte im Olympiastützpunkt Erfurt bei zumindest 28 Sportlern die Methode der UV-Bestrahlung von kleinen Mengen Eigenblut an. Wie er sagt, um Infektionen vorzubeugen, nicht um die Leistung zu steigern.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verbietet seit 2011 die Entnahme und Wiederzufuhr von Eigenblut, egal in welcher Weise - und unerheblich davon, ob dadurch eine Leistungssteigerung vorliegt. Davor waren nur Infusionen explizit verboten. Daraus schloss etwa Andreas Franke, dass seine Methode, bei der das Blut nur injiziert wird, erlaubt war.
Infusionen sind laut WADA nur im Ausmaß von 50 Millilitern alle sechs Stunden gestattet - und das ausschließlich in medizinisch notwendigen Fällen.
















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