Gericht will Doping-Paar ausliefern
Der Richter stimmt dem Antrag zu. Dem verhafteten, slowenischen Ehepaar drohen in den USA 40 Jahre Haft. 2006 wurde Verfahren in Kärnten gegen die Beiden eingestellt.

Foto © EggenbergerDie beiden Slowenen (rechts) sitzen in der Justizanstalt Klagenfurt in Haft. Ihre Kinder dürfen sie besuchen
Es war wohl der schwerste Gang ihres Lebens. Von Justizbeamten wurden gestern Vormittag ein Slowene (36) und seine um drei Jahre jüngere Ehefrau aus ihren Hafträumen in der Justizanstalt Klagenfurt in einen abgeschirmten Verhandlungssaal des Landesgerichtes geführt - einzeln und um eine Stunde zeitversetzt. Das Paar - es hat drei Töchter von elf sowie fünf Jahren (Zwillinge) - trat am Boden zerstört vor den Haftrichter. "Sie sind psychisch am Ende. Den beiden drohen in Amerika je 40 Jahre Haft", sagt Roland Grilc, der Klagenfurter Anwalt der Beschuldigten.
Wie berichtet, wurden der 36-Jährige und seine Frau im Rahmen einer Aktion des Bundeskriminalamtes am Abend des 27. Dezembers in ihrer Millionenvilla in Bad Kleinkirchheim verhaftet. Die Richter des U. S. Departments of Justice wollen die beiden wegen des verbotenen Handels mit Dopingmitteln im Bundesstaat Massachusetts mit der Hauptstadt Boston auf der Anklagebank sehen. "Bei uns ist das Delikt mit maximal drei Jahren Haft bedroht. In den USA sind es 40, weil den beiden auch ,Conspiracy', also Verschwörung, vorgeworfen wird", erklärt Grilc.
Trotz der hohen Strafdrohung stimmte gestern der Haftrichter einer Auslieferung zu. Folge: Die Eheleute legten über ihren Anwalt sofort Beschwerde ein. Das letzte Wort hat jetzt das Oberlandesgericht Graz. Die Auslieferungshaft wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. "Der Haftrichter sagte, er würde, wenn das Verfahren bei ihm anhängig wäre, die Frau sofort freisprechen", sagt Grilc. Er spricht von einem "Fall für den Europäischen Gerichtshof" und will alles Mögliche unternehmen, um die Auslieferung der beiden zu verhindern. Schon einmal war der Anwalt für seine Mandanten erfolgreich.
Verfahren eingestellt
"Im Jahr 2006 liefen bereits gerichtliche Voruntersuchungen der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, basierend auf den völlig gleichen Fakten, wie sie jetzt von den US-Amerikanern ins Treffen geführt werden. Es gab Hausdurchsuchungen und Verhöre. Letztlich wurde das Verfahren aber eingestellt", so der Anwalt.
Jetzt sieht Grilc jedoch schwarze Wolken über seinen Mandanten aufziehen. Ein "Nein" Österreichs zur geplanten Auslieferung der beiden an die USA könnte zu diplomatischen Verstimmungen führen. Käme das Begehren aus einem anderen Land, täte man sich mit dem Nein wohl leichter, mutmaßt Rechtsanwalt Grilc.

















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