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Zuletzt aktualisiert: 18.08.2011 um 09:17 UhrKommentare

Urteil: 15 Monate teilbedingte Haft für Walter Mayer

Der ehemalige ÖSV-Betreuer und sogenannte Vater des österreichischen Langlaufwunders, Walter Mayer, ist am Mittwochabend im Wiener Straflandesgericht als "Dopingsünder" schuldig erkannt worden. Er wurde nicht rechtskräftig zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.

Walter Mayer

Foto © APAWalter Mayer

Der Doping-Prozess am Wiener Landesgericht ist am Mittwochabend mit vier Schuldsprüchen zu Ende gegangen. Während aber drei der vier Angeklagten mit bedingten Strafen davonkamen, wurde der ehemalige ÖSV-Spitzentrainer Walter Mayer zu 15 Monaten Haft verurteilt, davon drei Monate unbedingt. Da sich der 54-jährige Salzburger vom 22. März bis zum 30. April 2009 in U-Haft befunden hatte, die ihm zur Gänze auf die Strafe angerechnet wird, müsste er folglich noch knapp sieben Wochen "absitzen", sollte der nicht rechtskräftige richterliche Spruch in der Instanz bestätigt werden. Mayers Rechtsvertreter meldeten gegen die Entscheidung sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Mayer soll zwischen Dezember 2005 und Anfang 2009 zum Zwecke des Dopings im Sport Wachstumshormone, anabole Steroide, EPO und mindestens 20 Packungen Dynepo in einer Menge, die geeignet war, eine Gesundheitsgefährdung bei einer größeren Anzahl von Personen zu bewirken, erworben haben. Diese Mittel habe er "an nicht mehr feststellbare Sportler weitergegeben", wie Richterin Katharina Lewy in der Urteilsbegründung ausführte. Darüber hinaus soll Mayer einer Langläuferin, die partout noch Senioren-Weltmeisterin werden wollte, einen Trainings- und Dopingplan erstellt, diesen bis zum Februar 2009 - und damit noch Monate nach Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes - überwacht und dem Ehemann der passionierten Hobby-Sportlerin die nötigen illegalen Präparate verkauft haben.

Sie könne die von Mayer vorgebrachte "Verschwörungstheorie zwischen (dem mitangeklagten Dachdecker, Anm.) R. und der Soko Doping" nicht teilen, betonte Lewy in ihrer Urteilsbegründung. Mayer führte zwar bei jedem Belastungszeugen an, dass dieser lüge, aber sie sehe keinen "vernünftigen Grund", warum die Zeugen die Unwahrheit zu Protokoll gegeben haben sollen.

Mayer sieht sich als Opfer einer "Verschwörung"

Mayer sprach in einer ersten Reaktion von einem "Show-Urteil, das aus einem Show-Prozess entstanden ist. Es ist lustig. Scheinbar dopt ganz Österreich, und nur ich werde bestraft", bemerkte der Ex-ÖSV-Betreuer gegenüber den anwesenden Journalisten und sah sich als Opfer einer "Verschwörung". Es sei ein "vorprogrammiertes Urteil" gesprochen worden, dazu habe man sich einer jungen Richterin bedient, "die gut gespielt hat in einem klasse Show-Prozess".

Schuldig gesprochen wurden auch die drei Mitangeklagten, die im Unterschied zu Mayer mit Bewährungsstrafen davonkamen: Der Dachdecker und Bodybuilder Karl Heinz R., der zugegeben hatte, Mayer regelmäßig mit Doping-Präparaten versorgt zu haben, erhielt 18 Monate bedingt. Der Apotheker, von dem R. die Mittel bezogen hatte, erhielt ebenso sieben Monate bedingt wie die Altenpflegerin, die in die "Versorgung" der Senioren-Weltmeisterin verwickelt war. Der Apotheker erbat Bedenkezeit, die Urteile der weiteren zwei Mitangeklagten sind bereits rechtskräftig.

Zu Beginn des dritten Prozesstages hatte das mittlerweile auf drei Juristen angewachsene Anwaltsteam von Walter Mayer rund eine halbe Stunde lang insgesamt zehn Anträge gestellt, allen voran jenen "auf Freispruch wegen mangelndem Straftatbestand". Danach folgten die Vernehmungen der ersten drei Zeugen, wobei gleich der erste, der 42-jährige Frühpensionist Bernhard M., die Glaubwürdigkeit des mitangeklagten Dachdeckers Karl Heinz R. erschütterte.

"Dynepo war erst 2007 erhältlich"

R., der sich schuldig bekannte, hatte den mitangeklagten ehemaligen ÖSV-Langlauf- und Biathlon-Spitzentrainer Walter Mayer vor eineinhalb Wochen zu Prozessbeginn schwer belastet. M. widersprach aber mit seiner Aussage am Mittwoch der Darstellung des Dachdeckers, dass er bereits im Jahr 2005 einen Kontakt zwischen dem mitangeklagten Apotheker mit R. hergestellt haben soll. "Ich habe Heinz mit dem Apotheker zusammengebracht, aber 2005 auf keinen Fall", betonte der Frühpensionist, dass er den Apotheker erst "im Frühjahr 2006" kennengelernt habe. Den Kontakt zu R. habe er erst danach im Jahr 2006 hergestellt, seine Lebensgefährtin bestätigte diese Angaben vor Richterin Lewy.

Allerdings widerrief M. mit diesen Angaben auch seine Aussage bei einer Beschuldigtenvernehmung durch die Soko Doping im März 2009, wonach es im Vorfeld der vom Dopingskandal durch ÖSV-Langläufer und -Biathleten überschatteten Olympischen Winterspiele 2006 in Turin eine Lieferung an Mayer durch R. mit Dynepo gegeben habe. Der Frühpensionist merkte dazu an, dass dies nicht möglich gewesen sein könne, "da Dynepo erst 2007'' erhältlich gewesen sei.

Mayer kündigte "viele Folgeprozesse" an

Der mitangeklagte R. blieb bei seiner Darstellung, dass die Kontaktaufnahme zum Apotheker über M. bereits Ende 2005 erfolgt sei. "Der (Apotheker, Anm.) war ja kein unbeschriebenes Blatt in der Szene", erklärte der Dachdecker, dass ihm der Apotheker bereits seit "2004" als Bezugsquelle für Dopingsubstanzen bekanntgewesen sei. Ein Fitness-Studioinhaber in Kärnten könne dies bezeugen. Mayer verfolgte diese sich widersprechenden Ausführungen mit einem Lächeln und war sich danach sicher, dass er freigesprochen werde. "Die Ermittler der Soko Doping haben wie Journalisten Dinge zu prüfen, ob sie wahr sind. Die Ermittler sind also entweder verrückt oder nicht fähig, ihren Beruf auszuüben", gab der 54-jährige Salzburger zu Protokoll und kündigte bereits "viele Folgeprozesse" an, die er nach seinem Freispruch führen werde.

Gredler: "Habe nie gedopt"

Als erster Sportler, den der ehemalige ÖSV-Betreuer Walter Mayer dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien zufolge mit illegalen Doping-Mitteln versorgt haben soll, ist am Mittwochnachmittag im Doping-Prozess gegen Mayer der Ex-Biathlet Ludwig Gredler vernommen worden. Der zweifache Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften und fünffache Teilnehmer an Olympischen Winterspielen versicherte, er habe "in meiner ganzen 20 Jahre langen Karriere" nie gedopt und damit auch niemals von Mayer etwas Verbotenes übergeben bekommen. Der 2008 vom aktiven Sport zurückgetretene Gredler, der inzwischen beim Österreichischen Skiverband (ÖSV) als Biathlon-Trainer tätig ist, erzählte sinngemäß, er sei aus allen Wolken gefallen, als während der Olympischen Winterspiele in Turin 2006 bei einer Razzia im österreichischen Mannschaftsquartier verdächtige Substanzen wie Blutbeutel und Hämoglobinmessgeräte sichergestellt wurden: "Ich hätt' mir nie gedacht, dass jemand von uns ein Zeug mitgehabt hätte, etwas Verbotenes."

Er habe mit seinem damaligen Zimmerkollegen Daniel Mesotitsch während der Razzia noch "gescherzt", bis der damalige Trainer Alfred Eder sie ersucht hätte, ruhig zu sein, weil im Zimmer seines Mannschaftskollegen Wolfgang Perner etwas gefunden worden sei, gab Gredler zu Protokoll: "Ich hab' das gar nicht geglaubt bis nach Mitternacht." Perner, 2002 in Salt Lake City Olympia-Dritter im Sprint, habe ihm auf eine entsprechende Frage mit folgendem Satz geantwortet: "Ja, sie haben was gefunden."

Als Staatsanwältin Nina Weinberger dem 43-Jährigen das Buch des ehemaligen Sportmanagers und rechtskräftig abgeurteilten "Doping-Sünders" Stefan Matschiner vorhielt, demzufolge Spitzensport ohne Doping unmöglich sei und verbotene leistungssteigernde Praktiken zum Tagesablauf eines erfolgreichen Profisportlers genau so gehören sollen wie das Frühstücken, betonte Gredler: "Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich selber habe nie etwas Verbotenes gemacht in diese Richtung." Mit modernen Trainingsmethoden wären "sportliche Spitzenleistungen bis zur Weltspitze" sehr wohl ohne Doping möglich, erklärte der Tiroler. Die Frage der Staatsanwältin, ob er als aktiver ÖSV-Trainer im Zeugenstand unter Wahrheitspflicht zugeben würde, wenn er je gedopt hätte, bejahte Gredler: "Ich bin ein ehrlicher Mensch."

Gredler sah Mayer zuletzt 2006 oder 2007

Walter Mayer habe er zuletzt "2006 oder 2007 auf der Rollerstrecke in Ramsau" gesehen. Dieser hätte mit seinem Trainingsplänen nie etwas zu tun gehabt. Mayer habe - was den Biathlon betrifft - aber seines Wissens die "Ramsau-Gruppe" mit "Perner und Wolfgang Rottmann trainingsplanmäßig unterstützt", so Gredler. Diese beiden Biathleten waren 2007 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf Lebenszeit von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden, weil man sie in Bezug auf die Vorgänge in Turin als des gemeinschaftlichen Gebrauchs von Dopingmittel bzw. verbotenen Methoden als überführt erachtete.

Vor der Zeugenbefragung Gredlers hatte die ehemalige Lebensgefährtin des mitangeklagten Dachdeckers und Bodybuilders Karl Heinz R. Mayer belastet. Die 45-jährige Frau, die R. im Jahr 2008 einer anderen Frau wegen verlassen hatte, bestätigte dessen Angaben, denen zufolge bei ihnen zu Hause EPO im Kühlschrank gelagert worden sei: "Ich hab' gewusst, dass was da ist und immer wieder was fehlt. Es sind Leute gekommen, und es war weniger da." Auch hätten "Heinz und Mayer ganz offen über Doping geredet". Einer dieser Abnehmer sei Walter Mayer gewesen, berichtete die Zeugin unter Wahrheitspflicht. Ende 2005 oder Anfang 2006 (und damit unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Turin, Anm.) sei er ihres Wissens zweimal vorbeigekommen und habe etwas mitgenommen.


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