Dopingmafia: Spur nach Kärnten
Ein Geheimlabor in der Gemeinde Velden wurde ausgehoben, europaweit gab es 70 Hausdurchsuchungen. Ein neuer Trend sind Oblaten mit illegalen Wirkstoffen.

Foto © AP/Symbolbild
Seit zwei Jahren ermittelt die Sonderkommission "Doping" im Bundeskriminalamt gegen ein internationales Netzwerk von Dopingmittelerzeugern, -händlern und -konsumenten. Andreas Holzer, Leiter der "Soko", hat in einem langen Interview mit dem renommierten deutschen Nachrichtenmagazin "Spiegel" Details preisgegeben.
Erstmals sickerte dabei eine sehr konkrete Spur nach Kärnten durch. Wie Recherchen der Kleinen Zeitung ergaben, schlugen die Anti-Doping-Fahnder bereits vor drei Jahren von der Öffentlichkeit bisher völlig unbemerkt in einer Wohnung in der Gemeinde Velden zu. Beschlagnahmt wurden unter anderem chemische Reinsubstanzen sowie eine Verkapselungsmaschine, mit der man den Wirkstoff in Tablettenkapseln oder Ampullen füllen kann. "Es gab auch mehrere Festnahmen. Die Kärntner wurden sofort nach Wien zu Verhören gebracht. Örtliche Polizeidienststellen waren in die ganze Aktion überhaupt nicht eingebunden", sickerte aus Kriminalistenkreisen durch.
Das gesamte Feld "Doping" wird im Landeskriminalamt von der Gruppe "Umwelt" bearbeitet und nicht, wie vielfach angenommen, von Experten der Gruppe "Suchtgift". Warum diese Trennung besteht, ist für viele nicht nachvollziehbar.
Im Alltag weist der Konsum von Drogen und Dopingmitteln viele Schnittpunkte auf. "Auf internationaler Ebene werden immer wieder Sportler erwischt, die Kokain als Aufputschmittel für Höchstleistungen schnupfen, oder ab und zu Cannabisprodukte konsumieren", führt ein Ermittler ins Treffen.
Einträgliches Geschäft
Welche Dopingmittel in der "Böhmischen Küche", so werden illegale Hinterhoflabors in der Szene genannt, produziert wurden, ist unklar. Ebenso gibt es nur Spekulationen, ob der Vertrieb direkt an Konsumenten erfolgte, oder aber ein Händlernetz vorgespannt war. Einträglich ist das Geschäft mit illegalen Dopingmitteln allemal. So ging den Soko-Fahndern ein Dealer ins Netz, der binnen vier Jahren mit seinen Dopingmittelgeschäften gut zwei Millionen Euro verdient hatte - brutto für netto.
Der neuste Coup der Dopingmafia: die Produktion von Anabolika-Blades. Holzer im "Spiegel"-Interview: "Das sind Oblaten im DIN-A4-Format, auf welche der Wirkstoff, meist anabole Steroide, aufgesprüht wird. Der Konsument reißt die vorperforierten Dosierstücke ab und lässt sie auf der Zunge zergehen."













