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Zuletzt aktualisiert: 18.11.2010 um 17:47 UhrKommentare

Das Wirrwarr der Beweise

Kuriose Doping-Berufsverhandlung um den gesperrten Kärntner Triathleten Hannes Hempel (37). Die Schiedskommission rätselt über Rechtslage.

Hannes Hempel

Foto © GEPAHannes Hempel

Hannes Hempel ging erhobenen Hauptes zur Berufungsverhandlung im Hauptquartier der Nationalen Anti Doping-Agentur (NADA) in Wien. Und er stand dennoch mit dem Rücken zur Wand. Ein schon in erster Instanz fragwürdiges NADA-Urteils mit vier Jahren Sperre galt es zu entkräften.

Über vier Stunden wurde vor der dreiköpfigen unabhängigen Schiedskommission unter Vorsitz des Rechtsanwalts Peter Döller verhandelt. Danach haben sich Kommission und die Hempel-Anwälte Michael Pontasch und Klaus Haslinglehner eine weitere Stunden beraten. Mit dem Ergebnis, dass es kein Ergebnis gab. "Die Kommission muss sich selbst erst einige Rechtsdetails genauer anschauen", sagte Pontasch, der mit einem endgültigen Urteil erst in zwei, bis drei Wochen rechnet.

"Das kann in einem Rechtsstaat nicht sein"

Ganz offensichtlich geht es um ein Wirrwarr an Beweisfragen, in dem vorerst selbst die Schiedskommission verfangen scheint. Vor allem zwei Punkte sind es, auf die Pontasch pocht und seine Hoffnungen auf eine Aufhebung der Dopingsperre setzt. Zum einen hat die NADA ihr Urteil im heurigen Juni gefällt, obwohl die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Hempel mangels Beweisen eingestellt hat. "Das kann in einem Rechtsstaat nicht sein. Eine sportliche Instanz kann sich nicht über das Gesetz hinweg setzen", sagt Pontasch.

Zum anderen stehen in den Anschuldigungen des selbst wegen Dopings gesperrten Radprofis Bernhard Kohl und in Hempels Schilderungen Aussage gegen Aussage. "Ein ganz klarer Fall für einen Zweifelsfreispruch", sagt Pontasch. "Nicht derjenige, der angepatzt wird, muss etwas beweisen. Sondern derjenige, der ihn anpatzt."

GERALD POTOTSCHNIG

Chronologie

  • 13. Juli 2008: Hannes Hempel gelingt mit Platz 3 beim "Ironman" in Klagenfurt in 8:16:54 ein neuer österreichischer Rekord.
  • Juni 2009: Der gedopte Radprofi Bernhard Kohl behauptet, Hempel habe ihm das Epo-Mittel "Cera" verkauft. Auch von Ex- Triathletin Lisa Hütthaler wurde Hempel zuvor bereits belastet.
  • 14. Juni 2010: Rückwirkend ab Mai 2008 sperrt die NADA Hempel für vier Jahre. Der Staatsanwalt stellt sein Verfahren zugleich ein.

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