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Zuletzt aktualisiert: 04.07.2010 um 10:40 UhrKommentare

Dopingproblematik vergrault Großsponsoren

Immer wieder macht der österreichische Radsport mit Dopingverfahren auf sich aufmerksam. Die Suche nach Geldgebern und passenden Sponsoren bleibt dadurch für die Rennställe anhaltend schwierig.

Die Radrennställe müssen sich um Sponsoren kümmern

Foto © ReutersDie Radrennställe müssen sich um Sponsoren kümmern

Der österreichische Radsport hat in den vergangenen Jahren schwer unter den Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit Doping gelitten. Dementsprechend hart ist die Aufgabe für heimische Radrennställe, in wirtschaftlichen Krisenzeiten Geldgeber zu halten oder gar neue zu finden. Aktuelle Hiobsbotschaften wie die eröffneten Verfahren der Nationalen Anti-Doping Agentur gegen fünf Radprofis erschweren die Gewinnung von Großsponsoren noch zusätzlich.

Der mit drei Fahrern von Dopingverfahren betroffene oberösterreichische Rennstall KTM Gebrüder Weiss musste diesen Tiefschlag auch noch wenige Tage vor dem Saisonhöhepunkt einstecken. Teamchef Erwin Hörtl macht sich deshalb Sorgen um die Zukunft. "Im Radsport ist es ja so schon schwierig genug, Sponsoren zu finden. Wir haben zwar langjährige Partner, aber auch die machen sich jetzt ihre Gedanken. Es ist keine schöne Situation, wenn man fürchten muss, dass sein Lebenswerk tscharri geht", betonte Hörtl, der dem Team seit seiner Gründung vor 22 Jahren vorsteht.

Bereits im Vorjahr war nach dem Ausstieg von Langzeitsponsor Elk Haus ein österreichisches Topteam und damit eine wichtige Ausbildungsstätte für Nachwuchstalente weggefallen. Verschärfte Zeitvorgaben des Weltverbandes bei der Lizenzvergabe ab der kommenden Saison stellen die Verantwortlichen vor eine weitere Hürde. So müssen etwa Harald Morscher und Thomas Kofler über die Sommermonate Schwerstarbeit verrichten, um wieder eine zweitklassige Professional-Continental-Lizenz für ihr Team Vorarlberg-Corratec zu erhalten. "Durch die neuen Fristen ist es vor allem für kleine Teams schwieriger geworden. Und außerdem ist die Ferienzeit kein idealer Zeitpunkt für Sponsorenverhandlungen", gestand Morscher.

"Das wäre eine Hiobsbotschaft"

Für den langjährigen Profi Peter Wrolich würden sich durch das Verschwinden eines weiteren rot-weiß-roten Teams vor allem die Chancen der Rennfahrer auf lukrative Auslandsengagements verringern. "Das wäre eine Hiobsbotschaft. Für die österreichischen Fahrer wäre es sehr schade, da sie sich dann noch weniger präsentieren können", meinte Wrolich , der seit Jahresbeginn Präsident des Kärntner Radsport-Verbandes ist. Den internationalen Radsport sieht er trotz laufend neuer Dopingfälle aber wieder im Aufwind. "Der Radsport hat die Talsohle durchschritten. Die Sponsoren kommen langsam zurück. Der Radsport ist für Sponsoren nach wie vor attraktiv und nicht totzukriegen", betonte der 36-jährige Kärntner, der seit Sonntag die Österreich-Rundfahrt bestreitet.

Auch die Rundfahrt selbst stand im Vorjahr wegen des Erdbebens, das Bernhard Kohl ausgelöst hatte, auf der Kippe. Und auch heuer war die Finanzierung der heimischen Topveranstaltung eine Herkulesaufgabe. Es gibt zum Glück aber auch noch genügend Geldgeber, die keine Bedenken haben, ihr Geld weiter in den Profiradsport zu stecken. Die Tirol-Werbung etwa, die allerdings nicht als Sponsor eines Spitzenteams auftritt, ist bei der Unterstützung von Großveranstaltungen äußert aktiv.

Man setzt auf Tiroler Etappenorte bei internationalen Rennen

Die Tourismus-Werber geben jährlich eine niedrige fünfstellige Eurosumme aus, um beim Giro d'Italia, der Tour de Suisse und der Österreich-Rundfahrt im Bild zu sein. "Wir verfolgen hier eine längerfristige Strategie. Wir stehen voll hinter dem Engagement bei Radsportgroßveranstaltungen", betonte Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol-Werbung. Zudem setzt man auf Tiroler Etappenorte bei internationalen Rennen. Mit dem Giro gastierte im Vorjahr das weltweit zweitwichtigste Radrennen in Tirol, auch die Schweiz-Rundfahrt machte 2009 Station. Auch für die Zukunft sind Etappen großer Rennen in Tirol geplant.

Margreiter ist dabei auf den Werbewert durch die Fernsehübertragungen in den radaffinen Herkunftsländer wie Italien, Spanien, Deutschland und den Niederlanden aus, um Tirol als Radland zu vermarkten. Dopingschlagzeilen seien dabei zwar alles andere als angenehm, ein Ende des Sponsorings komme aber deshalb nicht infrage. "Wir haben da sehr genau hingeschaut und unser Engagement auf die Waagschale gelegt, aber der Radsport bietet ein sehr attraktives Umfeld", meinte Margreiter, der durch Dopingfälle keine Gefahr eines Imageverlust für die Tourismus-Regionen sieht.

Quelle: APA

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