Stephanie Graf: "Ich habe einen Fehler gemacht"
Die einstige 800 m-Weltklasse-Läuferin-Stephanie Graf über den Besuch in einer Wiener Blutbank: "Ich habe einen Fehler gemacht."

Foto © GepaStephanie Graf
Es vergeht kaum eine Woche, in der es keine Enthüllungen über österreichische Spitzensportler gibt, die zu verbotenen Mitteln gegriffen haben sollen. Auch Stephanie Graf hat im Herbst 2003 die Blutbank Humanplasma in Wien aufgesucht - Österreichs einst beste Leichtathletin im Gespräch.
Stimmt es, dass Sie sich bei der Firma Humanplasma Blut abnehmen ließen?
STEPHANIE GRAF: Ja, das stimmt. Allerdings habe ich mir das Blut nie mehr rückführen lassen.
Das heißt, dass Sie sich keines Dopingvergehens schuldig gemacht haben?
GRAF: So ist es. Das habe ich auch bei der Doping-Sonderkommission so deponiert und zwar unter Wahrheitspflicht. Ich habe jedenfalls nichts Verbotenes gemacht. Das werden auch die Untersuchungen zutage bringen. Im Gegensatz zu anderen ...
Zuerst Blut abnehmen, aber es dann nie rückführen - was macht das für einen Sinn?
GRAF: Nach der Blutabnahme ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie schlimm und ungustiös die Sache ist, auf die ich mich da eingelassen habe. Heute weiß ich: Es war ein Fehler, dorthin zu gehen. Aber gleichzeitig hatte ich Glück, im letzten Moment die Stopptaste betätigt zu haben.
Warum die plötzliche Einsicht und keine Rückführung des Blutes?
GRAF: Weil ich nicht mit meinem Leben spielen und mit diesem Wahnsinn nichts zu tun haben wollte.
Hört sich edel an. Erste Dopinggerüchte um Sie sind allerdings schon im Frühjahr - noch dazu von einer Leichtathletikkollegin - ausgestreut worden?
GRAF: Die wollte wahrscheinlich nur von ihrer eigenen sensationellen Leistungssteigerung ablenken.
Wer hat Ihnen den Tipp eigentlich gegeben, zu Humanplasma zu gehen?
GRAF: Das kann ich im Hinblick auf das laufende Verfahren nicht sagen.
War's Helmut Stechemesser, ihr ehemaliger Trainer?
GRAF: Kein Kommentar.
Sie haben ihre journalistische und läuferische Tätigkeit beim "Kurier" schon seit Längerem eingestellt. Hat das mit der doping-kritischen Linie der Zeitung zu tun?
GRAF: In keinster Weise. In erster Linie waren interne Gründe entscheidend.
Sie sind im sechsten Monat schwanger. Wie geht es Ihnen?
GRAF: Es geht mir bestens - abgesehen vom Ärger über Ungerechtigkeiten.
Features
Zur Person
Geboren: 26. April 1973, Klagenfurt.
Karriere: Olympia-Silber Sydney 2000, WM-Zweite Edmonton 2001, Hallen- WM-Zweite 2001 Lissabon und 2003 Birmingham, Hallen-Europameisterin in Gent 2000, Hallen-EM- Silber Budapest 1998, Wien 2002. Unverhofftes Ende ihrer Karriere im Trainings-lager 2004 in Südafrika.













