NADA prüft nach Akteneinsicht Einleitung von Verfahren
Die nationale Anti-Doping-Agentur (NADA Austria) hat dank eines Erlasses des Justizministeriums Akteneinsicht erhalten und prüft mögliche Dopingvergehen.

Foto © GEPAWeitere Verdachtsfälle will die Doping-Behörde noch prüfen
"Wir werden sehr konsequent vorgehen", betonte NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab gegenüber der APA. "Überall dort, wo es stichhaltige Beweise gibt, wird ein Prüfverfahren vor der Rechtskommission eingeleitet." Im Zweifelsfall werde man sich bei der NADA immer für die Einleitung eines Verfahren entscheiden. Namen bzw. eine Zahl von möglicherweise betroffenen Aktiven wollte Schwab nicht nennen.
Der Fall des Triathleten Hannes Hempel ist der erste (noch anhängige) Fall, der vor der NADA-Rechtskommission nicht aufgrund eines positiven Dopingtests, sondern aufgrund von zunächst vor der SOKO Doping getätigten Aussagen eröffnet wurde. Schwab verhehlt nicht, dass jedes Eingreifen der Rechtskommission (Mitglieder sind drei Juristen, ein Toxikologe und ein Sportmediziner) hohe Kosten verursacht. "Sollten nun unerwartet viele Verfahren eingeleitet werden müssen, muss man sich in Richtung Personal und Budget etwas überlegen", sagte Schwab und hob die gute Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft hervor. Diese Woche gibt es ein weiteres Treffen.
Auch im Fall Humanplasma hat die NADA laut Schwab vor einiger Zeit Akteneinsicht beantragt. "Wir haben aber noch keine Unterlagen bekommen", erklärte der NADA-Geschäftsführer. Da es sich bei den jüngsten Erhebungen um finanzstrafrechtliche Belange handle, sei er nicht sicher, ob sich überhaupt ein für die NADA interessanter Akt bei der Staatsanwaltschaft befinde.
Weitere Verdachtsfälle
In der Plasmapherese-Station Humanplasma in Wien sollen von 2002 bis 2006 zahlreiche, auch ausländische Sportler Blutdoping betrieben haben. "Das Anti-Dopinggesetz in der jetzigen Fassung war 2006 noch nicht in Kraft. Es ist die Frage, wie die Beweismittelführung ist und ob es Sinn macht, gegen zurückgetretene Sportler ein Verfahren einzuleiten", sagte Schwab.
Die NADA Deutschland will sich in der Wiener Humanplasma-Affäre laut einem Bericht der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" jedenfalls bemühen, die in dem Akt genannten Namen zu erfahren. In einer anonymen Anzeige vom Februar 2008 waren auch deutsche Wintersportler als "Kunden" bei Humanplasma genannt worden.
Weil der Akt wegen Ermittlungen hinsichtlich eines möglichen Steuervergehens (unversteuerte Einnahmen aus den "Behandlungen"?) wieder geöffnet wurde, sieht die NADA Deutschland eine Chance auf Einblick in die Kundenliste. "Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, ob dort auch deutsche Athleten waren", sagte der NADA-Vorstandsschef Armin Baumert der "SZ". Man werde alles tun, um mit dem deutschen Skiverband einvernehmlich in Wien nachfragen zu können.
Die Staatsanwaltschaft kennt die Zahl der Sportler, die Humanplasma-"Kunden" gewesen sein sollen, aus Patientenakten sowie von Zeugenaussagen von Athleten, Betreuern und Ärzten. Staatsanwaltschafts-Sprecher Gerhard Jarosch sagte der "SZ" man werde in jedem einzelnen Fall prüfen, was man herausgeben könne.













