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Zuletzt aktualisiert: 27.04.2009 um 21:16 UhrKommentare

Verbände gegen Haftstrafen für gedopte Sportler

Die Bundes-Sportorganisation (BSO) lud am Montag zu einem Expertengespräch zur "Sinnhaftigkeit einer strafrechtlichen Verfolgung von positiv getesteten Sportlern".

Franz Stocher, Christiane Söder und Praesident Peter Wittmann (von li nach re)

Foto © GEPAFranz Stocher, Christiane Söder und Praesident Peter Wittmann (von li nach re)

BSO-Präsident Peter Wittmann musste sich allerdings heftige Kritik aus dem Publikum anhören, dass er als Vertreter des Dachorganisation keineswegs die Meinung aller Fachverbände und Sportler vertrete.

Vorstoß. Otto Flum, Präsident des Radsport-Verbandes ÖRV, und Roland Gusenbauer, Generalsekretär des Leichtathletik-Verbandes ÖLV, widersprachen Wittmann vehement und betonten, dass sie und auch viele ihrer Athleten sich der Meinung von Sportminister Norbert Darabos anschließen, der strafrechtliche Sanktionen für dopenden Sportler mehrfach gefordert hatte. Im Soge der jüngsten Doping-Negativschlagzeilen um Triathletin Lisa Hütthaler hatte sich kürzlich auch die Spitze des Triathlon-Verbandes dafür ausgesprochen. Auch der Tischtennis-Verband plant einen Vorstoß in diese Richtung.

Imageschaden für Radsport. "Ich verstehe nicht, warum man a priori dagegen ist, eine Diskussion darüber muss möglich sein", betonte Flum, der den riesigen Imageschaden und den Verlust an Sponsoren für den Radsport durch jüngste Dopingfälle hervorhob. Flum kritisierte, dass der Vorstoß der BSO nicht mit den Fachverbänden abgesprochen sei. Wittmann konterte, dass er als BSO-Chef den Pauschalverdächtigungen und Kriminalisierungsversuchen, die dem Sport schaden, entgegentreten müsse. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der BSO habe es immer gegeben. Die Diskussion werde in nächster Zukunft intensiv mit den Verbänden weitergeführt.

Lob für Gesetz. Wittmann sprach, flankiert von Sportunion-Präsident Peter Haubner, Rad-Vizeweltmeisterin Christiane Soeder, Bahnrad-Exweltmeister Franz Stocher, einem Sportrechtsexperten aus Deutschland und Handball-Guru Gunnar Prokop davon, dass das seit August 2008 geltende neue Anti-Doping-Gesetz "hervorragend" sei und die Nationale Anti-Doping Agentur NADA "effizient und schnell" arbeite. Der Ansatz, dass jeder, der mit Dopingmitteln handelt, oder sie verabreicht, verfolgt wird, sei der richtige. Dopende Sportler selbst sollen vom Strafgesetz weiter unbehelligt bleiben.

Warnung vor Sanktionen. Der deutsche Sportrechts-Experte Thomas Summerer warnte davor, die Anwendung von Dopingmitteln strafrechtlich zu sanktionieren, das sei wie "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". Der Staat dürfe erst eingreifen, wenn der Sport versage und davon könne keine Rede sein. Das in Deutschland und Österreich geltende Recht, dass Dealer und Hintermänner mit dem Strafrecht bedroht seien, und der Eigenkonsum von dopenden Sportler straffrei bleiben sollte, sei ein guter Mittelweg. "Die Rechtslage in Österreich ist gut und ausreichend", sagte der Jurist. Außerdem sehe das Zivilrecht ein großes Instrumentarium vor, um gegen betrügende Athleten vorzugehen. Er nannte diesbezüglich Wettbewerbsklagen von Konkurrenten und Schadensersatzansprüche von Veranstaltern oder Sponsoren.

Abwarten. Wittmann ergänzte, dass man die Strafverfolgungsbehörden mit den erst seit kurzem gültigen Rechtsvorschriften erst einmal arbeiten lassen müsse. Anlässlich der aktuellen Diskussion Pauschalverdächtigungen auszusprechen und Sportler quasi unter Druck zu stellen, sich "frei beweisen" zu müssen, halte er für maßlos überzogen. "Anlassgesetzgebung ist gefährlich, gesetzliche Verfolgung löst das Problem nicht", betonte Wittmann, der sich wie Soeder, Prokop und Stocher sehr wohl für schärfere sportrechtliche Sanktionen wie längere Sperre aussprach.

Hintermänner. Der BSO-Chef betonte, dass im Falle eines Strafprozesses der Beschuldigte ja als einziger per Gesetz "lügen" dürfe. Deshalb werde im Falle eines Strafprozesses keinesfalls leichter an Hintermänner heranzukommen sein. Sehr wohl seien Verschärfungen des Wettbewerbsrechts und eine bessere Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden mit der NADA wünschenswert, betonte Wittmann.

Erklärung. ÖLV-Generalsekretär Gusenbauer präsentierte eine Erklärung für Kaderathleten, die "die Initiative des ÖLV zu einer Verschärfung des österreichischen Anti-Doping-Bundesgesetzes in Hinblick auf eine strafrechtliche Verfolgung von bewusst dopenden Sportlern unter Einhaltung der Verhältnismäßigkeit zum übrigen Strafgesetz" unterstützt. Angeführt von den ÖLV-Spitzenathleten Günther Weidlinger und Andrea Mayr hätte bereits die Hälfte das A-Kaders die Erklärung seit vergangenem Freitag unterzeichnet, sagte Gusenbauer.

Appell. Soeder appellierte, dass neben rechtlichen und gesetzlichen Diskussionen die Ethik nicht aus den Augen verloren werden darf. Die Schulung des Unrechtsbewusstseins müsse intensiviert werden. ÖRV-Chef Flum hielt Stocher vor, dass selbst Fahrer aus dessen Team vor Jahren bereits für strafrechtliche Sanktionen gestimmt hätten. "Ich bin dafür, dass man den Sumpf trocken legt, aber ich bin nicht dafür, dass man Sportler kriminalisiert", betonte Stocher, der darauf verwies, dass seit der damaligen Umfrage bereits wirksame Gesetzesverschärfungen in Kraft seien. Sperren und eventuelle Regressforderungen wären Abschreckung genug, sagte der Ex-Radprofi.


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