Fecht-Eklat mit österreichischer Beteiligung
Drama auf der Planche. Im Halbfinale der Degenfechterinnen kam es zur längsten Sekunde der Olympia-Geschichte.

Foto © APADie verzweifelte Shin A-Lam wollte die Planche nicht mehr verlassen
Es war eine Tragödie, die sich in die Historie der Fünf Ringe eingebrannt hat. Weil das Halbfinal-Duell zwischen der Deutschen Britta Heidemann und der Südkoreanerin Shin A-Lam die längste Sekunde der Olympia-Geschichte und am Ende eine im Tränenmeer versinkende Asiatin servierte.
5:5 stand es nach Ablauf der regulären Kampfzeit, die Verlängerung musste entscheiden. Und diese entwickelte sich zum Drama in mehreren Akten. Dazu erwähnenswert: Beim Degenfechten wird kurioserweise vor der Verlängerung ausgelost, wer im Falle eines weiteren Remis gewinnt. Das Los fiel auf Shin,
Drei Doppeltreffer
Damit war Heidemann unter Zugzwang, musste sie doch in der einminütigen Verlängerung unbedingt einen Treffer landen. Dies gelang der Deutschen bis eine Sekunde vor dem Ende nicht. Dann ging es Schlag auf Schlag. Drei Mal stürmte Heidemann auf ihre Gegnerin los, traf diese, wurde aber auch getroffen - Doppeltreffer, die der Deutschen nichts halfen. Kurios: Nach jeder Attacke wurde die Zeit wieder auf verbleibende 0:01-Sekunden zurückgesetzt.
Im vierten Anlauf landete Heidemann dann tatsächlich den entscheidenden Treffer, wurde zur Siegerin erklärt und zog ins Finale ein, das sie später gegen Jana Schemjakina mit 8:9 nach Verlängerung verlor. Eine Entscheidung, die Shin und Südkoreas Team nicht akzeptieren wollten und konnten. Sie legten mehrfach Protest ein, Shin ging auf der Planche in einen dreiviertelstündigen Sitzstreik.
Csar verteidigt sich
Damit kommt Barbara Csar ins Spiel. Die Österreicherin war Kampfleiterin des Gefechts und stand natürlich im Mittelpunkt der Kritik. Aber: "Ich habe regelkonform gehandelt und keinerlei Einfluss auf die Zeitnehmung. Meine Konzentration gilt dem Gefecht und den damit verbundenen Vorgängen, die ich zu leiten habe, nicht dem ablaufenden Sekundenzeiger." Das Problem sei, dass es im Fechten keine kleinere gemessene Einheit als die Sekunde gäbe, rechtfertigte sich die 29-Jährige, die im Internet von koreanischen Fans u.a. wüst als Rassistin beschimpft wurde.
Für Shin, die anschließend auch noch den Kampf um Bronze verlor, brach natürlich eine Welt zusammen: "Ich habe jahrelang gearbeitet, um eine olympische Medaille zu bekommen. Jetzt habe ich sie innerhalb von einer Sekunde verloren." Es war eine Sekunde für die Ewigkeit.
Features
FIE will A-Lam mit Medaille ehren
Auch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Südkorea kann die Niederlage seiner Fechterin Shi A-Lam im Halbfinale des Degen-Wettbewerbes gegen Britta Heidemann nicht verwinden. "Ich kann das nicht akzeptieren", sagte Park Jong Sung am Dienstag in London. Die Deutsche soll binnen einer Sekunde drei Attacken geführt haben. "Das hat es im Fechten noch nicht gegeben", ereiferte sich der NOK-Präsident.
Der Internationale Fechtverband (FIA) habe angeboten, der völlig enttäuschten Shin A-Lam, die anschließend auch das Gefecht um Bronze verloren hatte, mit "irgendeiner Art von Medaille" zu ehren. Wie diese aussehen könnte, müsse noch entschieden werden, sagte Park Jong Sung. Das südkoreanische NOK wolle eine solche Ehrung akzeptieren.














