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    Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 14:05 UhrKommentare

    Jungwirth-Prozess wurde vertagt

    Am dritten Tag wurde der Untreue-Prozess gegen Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth auf 3. Juli vertagt. Bis dahin soll ein Geldflussgutachten erstellt werden.

    Heinz Jungwirth

    Foto © APAHeinz Jungwirth

    Der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth ist am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht nach der Einvernahme weiterer Zeugen auf 3. Juli vertagt worden. Bis dahin soll ein Geldflussgutachten über die tatsächliche Höhe der mutmaßlich von Jungwirth und der mitangeklagten Manuela K. verursachten Malversationen auf Konten des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) erstellt werden. Außerdem stehen noch Einvernahmen von Zeugen auf der Tagesordnung, die an den ersten drei Prozesstagen verhindert waren.

    Jungwirth soll laut Anklage zwischen Anfang 2003 und Februar 2009 von ÖOC-Konten persönlich mit Hilfe seiner langjährigen Stellvertreterin Manuela K., und eines abgesondert verfolgten ehemaligen ÖOC-Kassiers 2,78 Mio. bar behoben bzw. auf seine Konten transferiert und für private Zwecke verwendet haben. Staatsanwalter Andreas Allex spricht in seiner 30-seitigen Anklageschrift von "geplantem und gezieltem kriminellen Handeln". Jungwirth und die Mitangeklagte bekennen sich nicht schuldig.

    Am dritten Prozesstag wurde zunächst ein nach Bekanntwerden der finanziellen Ungereimheiten im Jahr 2009 eingesetzter Wirtschaftsprüfer befragt. Die Prüfung umfasste allerdings nur Teilbereiche wie Telefon- und Reiseabrechnungen sowie den Fuhrpark. Für diese könne er aber sagen, dass es in der lediglich "rudimentär" geführten Buchhaltung zwischen 2005 und 2008 zu "Unplausibilitäten und der Vermengung von Privat- und Vereinssphäre" gekommen sei, führte der Finanzspezialist aus.

    Die Buchhaltung sei seiner Meinung nach nicht sauber geführt worden. Es habe drei Rechnungskreise gegeben, die zwar dem Vereinsrecht entsprochen hätten, aber eine Gesamtprüfung "unmöglich" machen würden. "Unsere Empfehlung war es, mit dieser Praxis aufzuhören, weil sie eine vollständige Kontrolle faktisch unmöglich macht."

    Man sei etwa auf doppelt verbuchte Pro-Forma-Rechnungen und gefälschte Belege für Flüge sowie eine schwer nachvollziehbare Nutzung des Fuhrparks gestoßen. So soll etwa ein Audi A6 mit der Begründung angeschafft worden sein, damit einen ebenfalls vorhandenen Audi A 8 "zu schonen". Zwar habe Jungwirth Teile der Fehlbeträge refundiert, vollständig sei dies aber nicht erfolgt, so der Wirtschaftsprüfer weiter.

    Kopfschütteln bei Jungwirth

    Jungwirth reagierte auf die Ausführungen mehrfach mit energischem Kopfschütteln und bestritt die angeblich mangelhafte Buchführung. Er habe sich an die Vorschriften, die die Trennung der Rechnungskreise vorschreiben, gehalten und die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sei zu Jahresende immer korrekt gewesen, konterte der Langzeit-Generalsekretär (1982-2009).

    Zwei beim ÖOC ehemals als Buchhalter tätige Zeugen waren nicht in der Lage, die fraglichen Transaktionen aufzuklären. Erschwerend kam bei der Befragung hinzu, dass das Duo über keine berufliche Buchhaltungsausbildung verfügt und deshalb von einigen Fragen über Finanzdetails überfordert schien. Einer der beiden gab an, bei Unklarheiten stets mit Jungwirth Rücksprache gehalten zu haben. Offenkundige Auffälligkeiten habe es aber keine gegeben. Und bei Rechnungsprüfungen sei nie etwas beanstandet worden.

    Das Rätsel um das Verschwinden der gesamten Buchhaltung bis 2005 vermochten das Duo und auch der ehemalige ÖOC-Sportdirektor Matthias Bogner, gegen den in Salzburg eine separates Verfahren läuft, nicht zu lösen. Das Fehlen der Belege sei nach Jungwirths Ausscheiden im ÖOC aufgrund der Beschäftigung mit anderen Themen - darunter die Winterspiele 2010 - zunächst nicht aufgefallen, berichtete Bogner im Zeugenstand. Erst bei späteren Nachforschungen sei es bemerkt worden.

    Von dem sogenannten "Schwarzgeldkonto" und damit in Zusammenhang stehenden Ungereimheiten habe er erst nach Jungwirths Ausscheiden im Zuge der Wirtschaftsprüfung erfahren, gab Bogner an. Auch die zwei Buchhalter hatten erklärt, davon keine Kenntnis gehabt zu haben.

    Jungwirth hatte die Veruntreuung von ÖOC-Geldern in Millionenhöhe zu Prozessbeginn bestritten. Er habe sämtliche Entnahmen für Privatzwecke (Reisen, PKW, Pferdetransporter und -Anhänger, Reitlehrer, Reparaturen) wieder refundiert oder mit ihm zustehenden Bonifikationen gegenverrechnet.

    Die Führung des besagten Kontos außerhalb der Buchhaltung sei mit dem ehemaligen ÖOC-Präsidenten Wallner abgestimmt gewesen, behauptete Jungwirth. Wallner stritt diese Mitwisserschaft im Zeugenstand ab. Auch seien niemals Zusatzprämien in der behaupteten Höhe vereinbart worden, widersprach der Ex-ÖOC-Chef (1990-2009) seinem langjährigen Generalsekretär.

    Quelle: APA

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