Anklage ortet "kriminelles Handeln"
Kommenden Montag startet der Prozess gegen den ehemaligen OÖC-Generalsekretär Heinz Jungwirth. Der 60-Jährige soll zwischen Anfang 2003 und Februar 2009 von ÖOC-Konten insgesamt 2,7 Mio. Euro abgezweigt und für private Zwecke verwendet haben.

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Am kommenden Montag startet im Wiener Straflandesgericht der vorerst auf drei Tage anberaumte Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth. Der 60-Jährige soll zwischen Anfang 2003 und Februar 2009 von ÖOC-Konten insgesamt 2,7 Mio. Euro abgezweigt und für private Zwecke verwendet haben. Der Salzburger Staatsanwalt Andreas Allex, der in dieser Causa die Ermittlungen geleitet hatte, wirft in seiner 30-seitigen, der APA - Austria Presse Agentur vorliegenden Anklageschrift Jungwirth wörtlich "geplantes und gezieltes kriminelles Handeln" vor.
Der ehedem mächtige Sportfunktionär, der schon im Oktober 2010 bei seiner Einvernahme dem Staatsanwalt erklärt hatte, er habe aus dem ÖOC-Vermögen "keinen Cent" unberechtigt erhalten, wird diese Verantwortung aufrechterhalten und sich "nicht schuldig" bekennen. "Wir werden mit der Vorlage von Unterlagen und Belegen beweisen, dass eine korrekte Verrechnung mit Herrn Jungwirth zustehenden Honoraren stattgefunden sagt", kündigt Verteidiger Herbert Eichenseder an. Nach Sichtung sämtlicher Dokumente habe sich herausgestellt, dass das angeblich geschädigte ÖOC zulasten seines Mandanten sogar einen "kleinen Überschuss" erzielt habe, so Eichenseder gegenüber der APA.
Laut Anklage soll Jungwirth in wiederholten Angriffen auf mehrere Konten des ÖOC zugegriffen und Überweisungen auf seine Privatkonten vorgenommen haben, wobei seine langjährige Stellvertreterin die Transaktionen ungeprüft gegenzeichnete und damit absegnete. Die 48-Jährige hat sich daher nun als Beitragstäterin vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Georg Olschak) mitzuverantworten.
Neben einem Sparkonto und einem Verrechnungskonto soll Jungwirth vor allem ein ÖOC-Konto widerrechtlich für sich genützt haben, das ursprünglich zur Durchführung der vor Olympischen Spielen anfallenden Subventionen und sonstiger Überweisungen eingerichtet wurde. Dieses "Schwarzgeldkonto" wurde der Anklage zufolge "für Transaktionen genutzt, die nicht in die Buchhaltung des ÖOC Eingang fanden". Wie der Anklage zu entnehmen ist, soll Jungwirth erst bei seinem Ausscheiden Ende Februar 2009 dem damaligen ÖOC-Präsidenten Leo Wallner und dem Vorstand von der Existenz dieses Kontos berichtet haben.
Mit den lukrierten ÖOC-Geldern soll Jungwirth den aufwändigen Lebenswandel seiner Familie finanziert haben. Sanitär-, Heizungs- und Elektroinstallationen seiner Liegenschaft in Mittergraben wurden damit ebenso bezahlt wie Rennpferde und der Reittrainer seines Sohnes, eines ambitionierten Dressur-Reiters, ein Audi A3 der Tochter und Flugreisen der Ehefrau und der beiden Kinder.
Dass der "Geldschwund" dem ÖOC jahrelang verborgen blieb, führt der Staatsanwalt auf Jungwirths "Machtposition im ÖOC und das ihm seitens der Vereinsführung offenbar uneingeschränkt entgegengebrachte Vertrauen" zurück. Jungwirth habe "wohl als einziger einen uneingeschränkten Überblick über die finanzielle Lage des Vereins" gehabt, wobei es "dem ÖOC im Tatzeitraum offenkundig an Mechanismen zur effizienten Prüfung der wirtschaftlichen Gebarung fehlte".
Jungwirth hat im bisherigen Ermittlungsverfahren eingeräumt, die Überweisungen auf seine Privatkonten hätten "natürlich nicht" den Statuten des Vereins entsprochen. Sie wären aber durchaus im Interesse des ÖOC gewesen: Er habe die Geldflüsse mit Honorarforderungen für erbrachte Sonderleistungen für das ÖOC und in der Buchhaltung offiziell nicht aufscheinenden Auslagen "gegenverrechnet".
Jungwirth behauptet etwa, Ex-ÖOC-Präsident Wallner, gegen den diesbezüglich ein separates Strafverfahren läuft, habe ihm im Hinblick auf die Salzburger Olympia-Bewerbung 2014 zu seinem Gehalt eine zusätzliche Entlohnung von 250.000 Euro zugestanden, die mit seinen, Jungwirths, privaten Aufwendungen gegenverrechnet worden sei. Jungwirth brachte beim ÖOC in den Jahren 2005 bis 2008 ein reguläres Gehalt zwischen 49.909 und 77.183 Euro pro Jahr ins Verdienen.
Wallner bestreitet die Darstellung seines langjährigen Generalsekretärs. Dieser habe für die erfolgreiche Abwicklung Olympischer Spiele stets eine Bonifikation von zwei oder drei Monatsgehältern und für die Salzburger Bewerbung gar keine Sonderzahlung erhalten.
Die Salzburger Justiz hatte im Februar 2009 nach dem Bekanntwerden von finanziellen Ungereimtheiten bei der Bewerbung Salzburgs um die Winterspiele 2014 Ermittlungen aufgenommen, die später auf die dubiosen Geldflüsse beim ÖOC ausgeweitet wurden. Neben Jungwirth und dessen damaliger Stellvertreterin gerieten auch die Bewerbungs-Chefs Fedor Radmann, Gernot Leitner und Rudolf Höller, der im Herbst 2009 zurückgetretene Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner, zwei ÖOC-Kassiere und der Salzburger Strategie-Berater Erwin Roth ins Visier der Anklagebehörde.
Auch in der Causa Olympia-Bewerbung Salzburg sind die Ermittlungen mittlerweile abgeschlossen. Ein Anklage-Entwurf der Staatsanwaltschaft Salzburg wird jüngsten Informationen zufolge derzeit im Justizministerium geprüft .













