Tom Brady und Co. schwören Rache
Vor vier Jahren verpatzten die New York Giants den New England Patriots die "perfect season". Im heurigen NFL-Endspiel wollen sich Tom Brady und Co. revanchieren. Der Superbowl geht in der Nacht auf Montag in Indianapolis über die Bühne (live auf Puls 4). Von Stefan Tauscher.

Foto © GEPAEli Manning (links) gegen Tom Brady (rechts) lautet heuer das Duell um die begehrte Vince-Lombardi-Trophy (Mitte)
Rückblende: Wir schreiben den 3. Februar 2008, im University of Phoenix Stadium (Arizona) findet das wichtigste Einzelsportereignis der USA statt – der Superbowl, das Finale der National Football League (NFL). Die New England Patriots führen wenige Momente vor dem Ende der Partie mit 14:10 und stehen kurz vor dem vierten Superbowl-Triumph – und der "perfect season", einer Saison ohne einer einzigen Niederlage. Dieses Kunststück hatten zuvor nur die Miami Dolphins bei zwei Spielen weniger im Jahre 1972 zustande gebracht.
Die New York Giants waren als krasse Außenseiter in diese Partie gegangen, für einen Sieg müssen sie nun die Endzone erreichen. Es sind noch eine Minute und 15 Sekunden zu spielen und Quarterback Eli Manning muss, in der eigenen Hälfte startend, fünf Yards überwinden, um die kleine Chance am Leben zu erhalten. Er kann sich mit viel Glück einigen Patriots-Verteidigern entziehen und wirft einen 32-Yard-Pass auf seinen Receiver David Tyree.
Dieser steigt höher als sein Gegenspieler Rodney Harrison und fängt den Ball eingeklemmt zwischen der rechten Hand und seinem Helm. Wenige Augenblicke später wirft Manning einen neuerlichen Pass, diesmal auf Plaxico Burress – Tochdown! Die Giants holen sich mit einem 17:14-Sieg ihren dritten Superbowl-Titel und verpatzen so nebenbei den Patriots, die schon an der Seitenlinie gefeiert hatten, die "perfect season". Eben jener Plaxico Burress wird sich im November 2008 in einem New Yorker Nachtklub mit einer sich verbotenerweise in seinem Besitz befindlichen Waffe buchstäblich selbst ins Bein schießen, wofür er zwei Jahre im Gefängnis landet. Doch das ist eine andere Geschichte.
Mannings Pass auf Tyree wurde von den NFL-Fans zum "Spielzug des Jahrzehnts" gewählt und erhielt mehr als ein halbes Dutzend Spitznamen: Viele bezeichnen ihn als "The Play" (der Spielzug), andere nennen ihn wegen des betroffenen Superbowls "Catch-42". Am häufigsten wird "The Helmet Catch" verwendet, Ex-Präsident George W. Bush sprach von "The Great Escape" (die große Flucht). Und dann wäre da noch "The Double Miracle" (das doppelte Wunder)!
Tom Brady und der Football-Olymp
Bei beiden Teams hat sich in den vergangenen vier Jahren personell viel getan, die Hauptakteure von damals sind aber noch immer die gleichen: Eli Manning steht in seinem zweiten NFL-Endspiel, sein Gegenüber, Patriots-Quarterback Tom Brady, bereits in seinem fünften. Damit zieht Brady mit dem legendären John Elway (Denver Broncos) gleich, der jedoch die ersten drei Finali verlor. Bei einem Triumph am Sonntag könnte der Ehemann von Supermodel Gisele Bündchen vier Superbowl-Titel sein eigen nennen – gleich viel wie der unverwüstliche Terry Bradshaw (Pittsburgh Steelers) und natürlich Joe Montana (San Francisco 49ers), der wohl beste Spielmacher aller Zeiten.
Während sich Brady seinen Platz im Football-Olymp, der Hall of Fame, längst gesichert hat, kämpft Eli Manning noch darum. Mit seinem zweiten Superbowl-Ring könnte Eli jedenfalls endgültig aus dem Schatten seines in doppelter Hinsicht großen Bruders Peyton treten – und das ausgerechnet an dessen langjähriger Wirkungsstätte. Peyton hat seit 1998 bei den Indianapolis Colts sämtliche Rekorde gebrochen. Das Spiel der Spiele gewann er 2007.
Die heurige Saison hatte Elis älterer Bruder, der längst als einer der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte gilt, allerdings wegen einer schweren Nackenverletzung komplett ausgelassen, weshalb die Colts in eine blamable Spielzeit mit nur zwei Siegen bei gleich 14 Niederlagen schlitterten. Peyton Mannings Zukunft, der als einziger gleich viermal zum "wertvollsten Spieler" der Liga (MVP) gewählt worden war, verdrängte in dieser Woche fast das große Spiel aus den Schlagzeilen: Kann er je wieder spielen? Bleibt er in Indy, wechselt er zu einem anderen Team – oder tritt er gar aus gesundheitlichen Gründen zurück? Es ist gut möglich, dass die Colts künftig auf ihr Aushängeschild verzichten und im April mit Stanford-Quarterback Andrew Luck, der als Ausnahmetalent gilt, als Nummer eins im Draft einen neuen Spielmacher verpflichten.
Der Zweikampf auf der Trainerbank
Ehrungen
Vor dem großen Showdown am Sonntag wurden am Samstag in einer mondänen Live-Show die NFL-Auszeichnungen des Jahres verliehen.
"Most valuable Player": Aaron Rodgers (Quarterback, Green Bay Packers)
Bester Offensiv-Spieler: Drew Brees (Quarterback, New Orleans Saints)
Bester Defensiv-Spieler: Terrell Suggs (Linebacker, Baltimore Ravens)
Bester Offensiv-Rookie: Cam Newton (Quarterback, Carolina Panthers)
Bester Defensiv-Rookie: Von Miller (Linebacker, Denver Broncos)
Comeback-Spieler: Matthew Stafford (Quarterback, Detroit Lions)
Trainer: Jim Harbaugh (San Francisco 49ers)
"Das hat extrem wehgetan. Ich kann mir das Spiel noch immer nicht anschauen": Tom Brady will sich am Sonntag (live auf Puls 4, Kick-Off um 0:30 Uhr) endlich für die bitterste Niederlage in seiner sonst so schillernden Karriere revanchieren. Dem Spielmacher stehen dabei echte Ausnahmekönner zur Verfügung: Wide Receiver Wes Welker verbuchte heuer 1569 Yards und neun Touchdowns (TDs). Der junge Tight End (TE) Rob Gronkowski ist wegen einer Knöchelverletzung für die Partie fraglich, er stellte während der Regular Season mit 1327 Yards und 17 erfangenen Touchdowns einen neuen Rekord für TEs auf. Angesichts des regelmäßig von Brady, Gronkowski und Co. abgebrannten Offensiv-Feuerwerks fällt es auch nicht wirklich ins Gewicht, dass das Patriots-Laufspiel keine wirkliche Stärke ist und die Defense nach der Regular Season im Ranking aller 32 NFL-Teams nur auf dem vorletzten Platz landete.
Nicht viel besser agierte auch die Giants-Abwehr, die jedoch auf eine fulminante Defensive Line um Jungstar Jason Piere-Paul bauen kann. In der Offensive heißen Mannings Lieblingsziele Victor Cruz (1536 Yards, 9 TDs) und Hakeem Nicks. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass der Quarterback in dieser Saison einen neuen NFL-Rekord für Touchdown-Pässe im vierten Viertel markiert hat. Das letzte Duell zwischen den Patriots und Giants fand in Woche neun der Regular Season statt, die New Yorker setzten sich dabei mit 24:20 durch.
Die Playoffs erreichten die Patriots mit einer Bilanz von 13:3-Siegen als bestes Team der American Football Conference (AFC) und gehen daher als Favoriten ins Rennen. Der Champion der National Football Conference (NFC), die New York Giants, tat sich um einiges schwerer, nach einer regulären Saison voller Hochs und Tiefs rutsche "Big Blue" in quasi letzter Minute in die Post Season, um dort drei Auswärtssiege in Folge zu feiern. Neben dem Duell Brady-Manning ist auch der Zweikampf auf der Trainerbank von Interesse: Bill Belichick, der stets etwas mürrische wirkende Erfolgstrainer der Patriots (Markenzeichen: Kapuzenpulli) verbrachte insgesamt zwölf Jahre im Trainerstab der New York Giants, darunter drei Jahre gemeinsam mit seinem sonntägigen Gegenüber, dem großen Wert auf Disziplin legenden Head Coach Tom Coughlin.
Pomp, Pop und ein bisschen Patriotismus
Das Lucas Oil Stadium von Indianapolis, in dem das größte Einzelsportereignis der Welt ausgetragen wird, fasst knapp 70.000 Zuschauer. Der Großteil von ihnen hat 2000 bis 6000 US-Dollar (1500 bis 4000 Euro) für ein Ticket bezahlt. Dafür wird nicht nur das große Finale geboten, sondern auch die größte Show im US-Sport. Vor dem Spiel ist es Zeit für ein bisschen US-Patriotismus, die Nationalhymne singt Popsängerin Kelly Clarkson.
In der Halbzeitpause tritt mit Madonna die "Queen of Pop" höchstpersönlich auf: Diese hat keine Tricks mit ihrer Kleidung versprochen. "Meiner Bekleidung wurde viel Aufmerksamkeit zuteil – es wird keine Panne geben", sagte die 53-jährige Pop-Diva am Freitag. Sie spielte damit auf den als "Nipplegate" bekanntgewordenen Vorfall beim Superbowl vor acht Jahren an, bei dem Sänger Justin Timberlake bei der Halbzeitshow seiner Kollegin Janet Jackson für den Bruchteil einer Sekunde die Brust entblößt hatte. Beide sprachen später von einer Panne.
In ihrer gesamten 25-jährigen Karriere habe sie noch nie "so hart und detailversessen" gearbeitet wie bei dem weltweit übertragenen Sportereignis und sei auch noch nie "so nervös" gewesen, sagte Madonna. Sie habe mit großer Sorgfalt eine "spektakuläre Show" vorbereitet, die garantiert familientauglich sein werde. Für Madonnas Auftritt wird sogar Werbezeit geopfert. 30 Sekunden kosten heuer im Schnitt die Rekordsumme von 3,5 Millionen Dollar (2,66 Millionen Euro).
Features
Superbowl XLVI
New York Giants vs. New England Patriots
Sonntag, 5. Februar 6:30 UHR ET (0:30 MEZ),
Lucas Oil Stadium, Indianapolis
Halftime-Show: Madonna
Nationalhymne: Kelly Clarkson
Fotoserie
TV & Party
Der österreichische Privatsender Puls 4 überträgt am Sonntag live aus dem Wiener Marriott-Hotel, wo die größte Superbowl-Party des Landes stattfindet. Kommentiert wird in bewährter Art und Weise von Walterer Reiterer und Michael Eschlböck.
Der US-Sender ESPN America (Sky und andere Pay-TV-Anbieter) liefert die NBC-Übertragung in HD-Qualität und mit englischem Originalkommentar. NBC bietet einen Online-Livestream an.
Die Graz Giants, Namensvetter der Klubs aus dem "Big Apple", laden zur großen Superbowl-Party ins Brauhaus Eggenberg (Laudongasse 25, 8020 Graz, Tel. 0316/818506). Einlass ist ab 21:30 Uhr gegen einen Betrag von € 5, es gibt unter anderem "austroamerikanische Spezialitäten".
Meiste Super-Bowl-Titel
- Pittsburgh Steelers - 6 Titel (zuletzt 2009)
- Dallas Cowboys - 5 (1996)
- San Francisco 49ers - 5 (1995)
- Green Bay Packers - 4 (2011)
- New York Giants - 3 (2008)
- New England Patriots - 3 (2005)
- Washington Redskins - 3 (1992)
- Oakland Raiders/LA Raiders - 3 (1984)
Fotoserie
Die letzten Superbowl-Sieger
- 2011: Green Bay Packers - Pittsburgh Steelers 31:25
- 2010: New Orleans Saints - Indianapolis Colts 31:17
- 2009: Pittsburgh Steelers - Arizona Cardinals 27:23
- 2008: New York Giants - New England Patriots 17:14
- 2007: Indianapolis Colts - Chicago Bears 29:17
- 2006: Pittsburgh Steelers - Seattle Seahawks 21:10
- 2005: New England Patriots - Philadelphia Eagles 24:21
- 2004: New England Patriots - Carolina Panthers 32:29
- 2003: Tampa Bay Buccaneers - Oakland Raiders 48:21
- 2002: New England Patriots - St. Louis Rams 20:17



















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