"Weil das IOC sichergehen wollte"
In zehn Wochen brennt in Österreich zum dritten Mal nach 1964 und 1976 das olympische Feuer - wegen der ersten Jugend-Winterspiele. Im Gespräch mit IOC-Präsident Jacques Rogge.

Foto © APAIOC-Präsident Jacques Rogge mit dem Innsbrucker Maskottchen
Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), blickt der Premiere seines "Babys" optimistisch entgegen. Warum wird es Innsbruck Ihrer Meinung nach gelingen, tolle Jugendwinterspiele auszurichten?
Jacques Rogge: Weil das Land den Wintersport liebt und die Leute alles darüber wissen. Weil die Geschichte und Kultur dem Geist der Spiele entspricht. Schon bei der Vergabe wollte das IOC sichergehen, dass die Premiere der Jugend-Winterspiele in Ordnung geht. Bei Innsbruck war man sich sicher. Wenn der olympische Geist durch Innsbruck weht, wird möglicherweise auch der Wunsch nach "echten" Spielen aufleben.
Ist das für eine Stadt wie Innsbruck undenkbar?
Jacques Rogge: Vorweg: Ich spreche nicht gerne von "echten" Spielen, vielmehr von den "traditionellen". Klar, die Winterspiele sind gewachsen. Es wird in Zukunft nicht unmöglich sein, Olympische Winterspiele auszurichten, aber es wird schwieriger, wieder Winterspiele nach Österreich zu bekommen.
Also eigentlich unmöglich?
Jacques Rogge: Das haben Sie gesagt.
Glauben Sie, dass weiter Interesse an Jugendspielen besteht?
Jacques Rogge: Ich möchte mit einem Beispiel antworten. Derzeit veranstalten wir ein Seminar für Anwärter künftiger Spiele: 13 Städte interessieren sich für traditionelle Spiele, zwölf für Jugendspiele.
Viele Kritiker äußern bei den Jugendspielen Befürchtungen einer drohenden Kommerzialisierung.
Jacques Rogge: Es werden, wie bei den Erwachsenen, saubere Spiele bleiben. Was die Werbung anbelangt.
Vor 40 Jahren wurde Karl Schranz von den Winterspielen 1972 in Sapporo ausgeschlossen - wegen Werbung. Gehen die Spiele heute in die falsche Richtung?
Jacques Rogge: Was Schranz anbelangt: Das, was passierte, war ungerecht. Früher gab es keine Werbung und kein Fernsehen, da konnten nur die Reichen mitmachen. Heute können alle teilnehmen. Nur vor Missbrauch muss man gewappnet sein: Es darf nicht sein, dass ein Bewerb um 2 Uhr nachts beginnt, weil es dem Fernsehen passt.
Wird man auch, was politische Diskussionen anbelangt, den eingeschlagenen Weg beibehalten? Keine Statements, heißt es immer.
Jacques Rogge: Wir sind mit der Politik ja laufend in Diskussion. Dabei geht es um Themen wie Wetten oder Doping. Und der Sport trägt bereits viel zur Entwicklung gesellschaftlicher Werte bei. Wir werden weiterhin diskutieren, aber wir wollen nicht, dass der Sport auf anderer Ebene missbraucht wird. Wir wollen nicht, dass über den Sport manipuliert wird.
Woran denken Sie, wenn Sie Österreich oder Tirol hören?
Jacques Rogge: An gastfreundliche, lachende Leute, einen Berg voll Schnee im Hintergrund und darauf ein Abfahrer. Dazu Musik und Kultur. 1976 war ich Delegationsleiter der belgischen Schi-Mannschaft und musste den Patscherkofel bergab gehen. Die Steilheit blieb mir im Gedächtnis.
Es heißt, Sie seien auch des Öfteren in St. Wolfgang anzutreffen?
Jacques Rogge: Ja, bei meinem Segel-Freund Hubert Raudaschl, dem ich mich noch verbunden fühle.
Bei Österreich und der Olympischen Bewegung werden unweigerlich Erinnerungen an zwei Doping-Skandale und eine Strafzahlung an das IOC in Höhe von einer Million Dollar wach ...
Jacques Rogge: Das ist vergessen, irgendwann musst du einen Schlussstrich ziehen. Ihr habt ein neues Gesetz, was dringend notwendig war. Ihr habt aus der Vergangenheit gelernt. Und ich werde darüber nicht mehr sprechen.













