Wo sich die Spreu vom Weizen trennt
Kenianer Ndungu gewann den zwölften Großglockner-Berglauf. Markus Hohenwarter wurde Siebenter. Susanne Mair lieferte Überraschung.

Foto © KK/VeranstalterDie Brüder Christian und Markus Hohenwarter aus Österreich
Die Dramaturgie stimmt. An diesem sonnigen Sonntag, dem Tag des Großglockner-Berglaufs. Die Uhr tickt. Der Startschuss wird in wenigen Sekunden fallen. Im Talboden von Heiligenblut herrscht plötzlich Stille. Die Ruhe vor dem Sturm. Die Spannung steigt. Ganz vorne, in der ersten Reihe scharren die von Adrenalin durchströmten Stars. Einige Meter weiter verrichten so manche nervöse Hobbyathleten ihre Notdurft. Sie haben noch Zeit, starten erst, wenn die Elite schon die ersten Kilometer in den Beinen hat.
Aber auch für sie beginnt der Kampf gegen den Berg, gegen den höchsten Berg Österreichs. Schritt um Schritt, Pulsschlag um Pulsschlag geht es dem 12.670 Lauf- und 1514 Höhenmeter entfernten Ziel auf 2369 Meter Höhe entgegen. Durch Wälder, über Almen und Felsen, vorbei an Wasserfällen und dem Margaritzen-Stausee und über die Pasterze, dem größten Gletscher des Landes. Und für jeden der 902 Läufer hat der Großglockner seine eigene Geschichte parat.
An einer schreiben zwei alte Bekannte. Die Kenianer Geoffrey-Kikuni Ndungu (Streckenrekordhalter, Sieger 2009) und Vorjahressieger Isaak Toroitich Kosgei. Sie dominieren das Rennen. Schulter an Schulter passieren sie die Pasterze. Vor ihnen liegt "nur noch" die finale Qual. Der 800 Meter lange Schlussanstieg, 250 Höhenmeter inklusive. Dort trennt sich die Spreu vom Weizen.
Angriff
Gleich zu Beginn attackiert Ndungu. Seine Schritte scheinen leichtfüßig locker. Binnen weniger Meter, binnen weniger Stufen ist Kosgei abgehängt und chancenlos. Immer größer wird der Vorsprung von Ndungu. Ehe er nach 1:10:16 Stunden als einsamer Sieger das Ziel erreicht. Mehr als eine Minute vor seinem Landsmann. "Es war hart und heiß, aber ich fühle mich wunderbar", sagt Ndungu, der wie seine laufenden Landsleute seit Juni auf der Turracher Höhe trainiert. "Da ist es herrlich, fast so wie zu Hause", erzählt Ndungu, der seinen Streckenrekord um 40 Sekunden verfehlt. Sekunden davor hockte er hustend und ausgepumpt am Boden. Der Glockner fordert auch von den Besten der Besten seinen Tribut. Auch beim Dritten, dem Schweizer David Schneider.
Als Fünfter keucht der neuseeländische Altmeister Jonathan Wyatt (39) ins Ziel. "Es war hart, ich bin es fast zu schnell angegangen. Aber ich bin zufrieden. Immerhin habe ich ja mit einer Fußverletzung zu kämpfen", sagt der siebenfache Berglauf-Weltmeister und sechsmalige Sieger am Großglockner. In seinem Sog schreibt auch der Kärntner Markus Hohenwarter (31) sein Kapitel. Lange laufen er und Wyatt gemeinsam, ehe der Gailtaler abreißen lassen muss und als bester Österreicher Siebenter wird. "Auch wenn ich schon schneller war, es ist meine beste Platzierung hier. Es war ein schöner Tag, vor allem auch eine große Ehre, mit Jonathan Wyatt gemeinsam zu laufen", meint Hohenwarter.
Mair starke Zweite
Bei den Damen ist Wyatts italienische Ehefrau Antonella Confortella-Wyatt nicht zu besiegen. Die Vize-Europameisterin finisht nach 1:26:31 Stunden. "Heute war sie die Chefin und für das Preisgeld zuständig", ist Jonathan Wyatt stolz auf seine Frau.
Die wahre Überraschung gelingt aber einer erst 17-jährigen Lokalmatadorin. Die Lienzerin Susanne Mair belegt bei ihrem Debüt beim Großglockner-Berglauf mit viereinhalb Minuten Rückstand den zweiten Platz. "Ich bin hochzufrieden mit dieser Leistung. Antonella war aber zu stark, da hatte ich keine Chance mitzukommen. Die Schwierigkeit war das kupierte Gelände", betont Mair. Zum Berglauf kam sie erst vor zwei Jahren. Zuletzt belegte die Vizestaatsmeisterin den vierten Platz bei der Berglauf-U20-Europameisterschaft. Mit dem Team holte sie in der Türkei Bronze.
Features
Ergebnisse Herren
- 1. Geoffrey Ndungu (KEN) 1:10:16 Stunden
- 2. Isaak Kosgei (KEN) 1:11:19
- 3. David Schneider (SUI) 1:13:25
- 7. Markus Hohenwarter (AUT) 1:17:36
Ergebnisse Damen
- 1. Antonella Confortola-Wyatt (ITA) 1:26:31
- 2. Susanne Mair (AUT) 1:31:06
- 3. Silvia Olejarova (SVK) 1:32:06
Zum Thema
Kinder und G'sund-Lauf
134 Mädchen und Buben aus acht Nationen starteten bei den im Rahmen des Berglaufs ausgetragenen Kinderläufen. 52 Teilnehmer nahmen am G'sund-Lauf über 5,3 Kilometer teil. Ergebnisse finden Sie unter: www.grossglocknerlauf.at
902 Sportler im Ziel
Insgesamt 902 Profi- und Hobbyathleten erreichten letztendlich das Ziel auf der Franz-Josefs-Höhe. Darunter waren 173 Frauen. Nur vier der Teilnehmer konnten das Rennen nicht beenden und mussten erschöpft aufgeben.















