Der Blick von der Tour zur Tour
Am Sonntag beginnt die Österreich-Radrundfahrt. Mit Carlos Sastre steht erstmals ein Sieger der Tour de France am Start. Österreichs Nummer eins ist Thomas Rohregger.

Foto © GEPAGibt's für Carlos Sastre auch in Österreich Grund zu jubeln?
Wenn am Sonntag in Dornbirn der Startschuss zur 63. Österreich-Radrundfahrt fällt, steht ein Mann im Fokus. Carlos Sastre. Immerhin krönte der mittlerweile 36-jährige Spanier seine Karriere 2008 mit dem Sieg bei der Mutter aller Radrennen, der Tour de France. Unvergessen bleibt sein Husarenritt nach Alpe d'Huez, mit dem er sich den Weg zum Triumph ebnete.
In Sachen Doping gilt Sastre offiziell als "sauber". Im Gegensatz zu anderen Gewinnern der Tour wurde gegen den Geox-Fahrer nie von offizieller Seite ermittelt. Dennoch hielten sich nach seinem Tour-Erfolg hartnäckige Gerüchte, wonach auch bei Sastre "abnormale" Blutwerte festgestellt wurden.
Sastre gilt als ruhig und sympathisch. Mätzchen und Skandale sind ihm fremd. Er zählte jahrelang zu den besten Bergfahrern, ausgestattet mit dem nötigen taktischen Riecher. Meist ist der Madrilene im Feld kaum zu sehen. Wenn es aber brennt, ist Sastre hellwach und präsent.
Glockner-Erfahrung
Diese Fähigkeiten stempeln ihn bei der Österreich-Rundfahrt zu einem der Topfavoriten, auch wenn seine allerbeste Zeit abgelaufen ist. Erkundigungen holte er bei seinem österreichischen Teamkollegen Matthias Brändle ein. Der Großglocker ist Sastre bekannt. Erst vor wenigen Wochen kletterte er beim Giro d'Italia die Kehren hinauf. "Die Rundfahrt wird schwierig, vor allem die ersten fünf Etappen. Meine Form passt", sagt Sastre. Obwohl er erstmals seit zehn Jahren nicht bei der Tour de France im Sattel sitzt, blickt er stets nach Frankreich. Für eine spanische Internet-Seite analysiert er auch aus der Ferne die Tour.
Mentschow & Co.
Sastre ist nicht der einzige Star der Rundfahrt. Ein weiterer ist sein Teamkollege Denis Mentschow (Sieger Giro 2009, Vuelta 2005, 2007). Aus österreichischer Sicht ist Thomas Rohregger die Nummer eins. "Aber wenn einer glaubt, der Rohregger hat 2008 gewonnen, der macht das wieder , dann ist das hirnrissig", sagt der Tiroler. Nach dem Tod seines Teamkollegen Wouter Weylandt beim Giro d'Italia sei er in ein Loch gefallen. "Man stellt sich die Sinnfrage. Was geholfen hat war Wouters Vater, der gesagt hat: Jungs fahrt weiter, aber sucht nicht das letzte Risiko", ergänzt Rohregger, dessen Teamkollegen Stefan Denifl auch einiges zuzutrauen ist. Der 24-Jährige war in den letzten zwei Jahren (8. und 7.) bester Österreicher.
Features
Carlos Sastre
- Geboren: 22. April 1975 in Leganés. Lebt in Madrid, ist mit der Schwester des verstorbenen Radprofis José María Jimenéz verheiratet.
- Karriere: Radprofi seit 1997 (bei Once, CSC-Saxo Bank, Cervélo, seit heuer bei Geox). Sieger Tour de France 2008, 2. Platz Vuelta a Espana 2005 und 2007, 3. Platz Tour de France 2006, diverse Etappensiege (u. a. zwei Etappen Giro d'Italia 2009, Vuelta, Burgos-Rundfahrt, Tour de France mit einem Sieg in L'Alpe d'Huez 2008).













