Marathon-Olympiasieger Wanjiru sprang in den Tod
Kenia trauert, Weltrekordler Gebrselassie ist schockiert: Marathon-Olympiasieger Samuel Wanjiru ist Polizeiangaben zufolge nach einem Sprung vom Balkon seiner Wohnung gestorben.

Foto © APASamuel Wanjiru
Marathon-Olympiasieger Samuel Wanjiru aus Kenia ist tot. Der 24-Jährige nahm sich nach Polizeiangaben am (gestrigen) Sonntag mit einem Sprung vom Balkon seines Hauses das Leben. Im Gegensatz zu den Angaben der nationalen Polizeibehörde sprach der örtliche Polizeichef von Nyahururu, Jasper Ombati, von einem "unglücklichen Sturz". Es sei noch nicht klar, ob es ein Suizid sei oder ob Wanjiru aus Wut gesprungen sei, erklärte Ombati. Vorangegangen war ein weiterer heftiger Streit mit seiner Ehefrau in Nyahururu 150 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi.
Die Polizei vermutet, dass ein Liebes-Dreieck Grund für den Tod des Läufers gewesen sein könnte. Wanjirus Ehefrau Triza Njeri war örtlichen Medien zufolge überraschend nach Hause gekommen und soll ihn mit einer anderen Frau angetroffen haben. Daraufhin habe es eine Auseinandersetzung des seit längerem zerstrittenen Ehepaares gegeben, in deren Verlauf seine Gattin Wanjiru und die Begleiterin ersten Ermittlungen zufolge im Schlafzimmer eingeschlossen habe.
Der ehemalige Halbmarathon-Weltrekordler sei anschließend aus sechs Metern Höhe vom Balkon gesprungen. Beim Aufprall auf dem Betonboden zog sich Wanjiru laut Polizei tödliche Verletzungen zu. Der Läufer sei offenbar auf das Gesicht gefallen und habe aus Mund und Nase geblutet.
Premieren-Gold
Wanjiru hatte 2008 in Peking als erster Kenianer Gold im Marathon gewonnen. Es war die einzige Laufdisziplin, in der das ostafrikanische Land noch auf einen Olympiasieg gewartet hatte. Im folgenden April hatte er beim Sieg in London in 2:05:10 Stunden seine Bestzeit aufgestellt. Den Chicago-Marathon hatte er 2009 und 2010 gewonnen. Durch seine Erfolge wurde Wanjiru zweimal Sieger der Rennserie mit den weltweit fünf bedeutendsten Marathonläufen und erhielt dafür jeweils 500.000 Dollar Preisgeld.
Privat hatte der 2002 als Student nach Japan gegangene Ausnahmeläufer hingegen seit längerem große Probleme. Nach einem heftigen Ehestreit im Dezember 2010 sollte er sich zunächst wegen Morddrohungen verantworten, seine Ehefrau hatte wie ein von Wanjiru verletzter Wachmann aber eine Anzeige zurückgezogen. Wanjiru hatte bei dem Streit zu einer Kalaschnikow gegriffen und sollte am Montag kommender Woche wegen illegalen Waffenbesitzes vor Gericht erscheinen.
Seine Ehefrau bestritt Anfang des Jahres Berichte über eine angebliche Versöhnung und erklärte, sie habe die Scheidung eingereicht. Im Jänner verletzte sich Wanjiru bei einem schweren Autounfall an der Hand, beim London-Marathon vor vier Wochen fehlte er wegen einer Knieverletzung.
Äthiopiens Weltrekordler Haile Gebrselassie war "total schockiert" vom Selbstmord. "Meine Gedanken sind bei seiner Familie und allen seinen Freunden und Kollegen", sagte der zweimalige Goldmedaillen-Gewinner am Montag. "Natürlich fragt man sich, ob wir als Leichtathletik-Familie die Tragödie hätten verhindern können."
Auch Kenias Premierminister Raila Odinga trauerte. "Sein Tod ist nicht nur ein Verlust für die Familie und Freunde, sondern für ganz Kenia. Als Leichtathletik-Nation haben wir uns für London 2012 viel vorgenommen und Wanjiru wäre einer unserer sichersten Tipps auf Gold gewesen."













