Weiche Politik auf hartem Parkett
Bei der WM in der Türkei treffen nicht nur Teams, sondern auch Weltanschauungen aufeinander. Das Beispiel von Vroman zeigt, dass im Sport Dinge möglich sind, die auf dem politischen Parkett undenkbar wären.

Foto © APJackson Vroman
Politisch gesehen, dürfte es Jackson Vroman nicht geben. Doch Spiel für Spiel steht er am Parkett, 2,08 Meter groß, 100 Kilogramm schwer, Amerikaner. Am Papier ist Vroman (30), geboren im kalifornischen Laguna, auch Libanese.
Zumindest seit ihm der Verband des kleinen vorderasiatischen Staates im Schnellverfahren die Staatsbürgerschaft zuerkannte, um den wurfstarken Center fluchs im Nationalteam einsetzen zu können. Was geopolitisch noch unverfänglich ist.
Komplizierter wird es, wenn Vromann seine Klub-Adresse angibt. Denn die liegt im Iran - seit 2009 spielt der Hüne gemeinsam mit seinem Landsmann Loren Woods für den Superligisten Mahrat Teheran in der höchsten Liga des Gottesstaates.
Das Land gilt als sportbegeistert und unten am Parkett ist der Unterschied zwischen Iraner und Amerikaner nicht auszumachen - also kümmert es weder Spieler noch die Fans, dass die verfeindeten Regierungen seit über 30 Jahren offiziell keinen politischen Kontakt mehr zu einander pflegen. Dafür trifft man sich am Parkett umso öfter - nicht nur derzeit in der gleichen Gruppe bei der Basketball-WM in der Türkei, sondern auch schon in den vergangenen Jahren.
Annäherung
Bereits 2008 weilte das iranische Nationalteam zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Peking in den USA. Groß angekündigt wurde das nicht - die Gegner sprachen meist vom "Fiba Asienmeister". In der Tat stand dann allerdings das Nationalteam der Islamischen Republik Iran auf dem Court. Aufhorchen ließ damals Ex-NBA-Center Chris Herren, einer der ersten US-Amerikaner überhaupt, der bei einem iranischen Verein spielte: "Die Vorstellung, dass Iraner einen Hass auf das amerikanische Volk pflegen, ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall."
So ist die an Stars arme Weltmeisterschaft (kein US-Spieler aus dem Gold-Team von Peking ist dabei) zumindest an Geschichten reich - auch weil der Libanon nur durch Hilfe des Weltverbandes FIBA zur Teilnahme kam. Gleich wie Deutschland erhielt das Basketball-Boom-Land per Wild Card einen Gruppenplatz bei der WM. Im Konzert der Großen hatte der Libanon bislang allerdings nur wenig zu bestellen. Spanien, die USA und Griechenland gelten als Titel-Favoriten.













