Szilagyi: "Früher wurden wir belächelt"
Viktor Szilagyi ist Österreichs Vorzeige-Handballer. Im Interview erklärt der Teamkapitän, warum man als Österreicher nicht mehr belächelt wird und warum Deutschland anders ist als Österreich.

Foto © GEPAViktor Szilagyi
Am Mittwoch startet die deutsche Handball-Bundesliga, die beste Liga der Welt, mit der Partie Wetzlar gegen Flensburg-Handewitt in die neue Saison. Bei Flensburg ist Österreichs Teamkapitän Viktor Szilagyi, im Sommer zu den Norddeutschen gewechselt, einer der Hauptdarsteller - er soll das Team wieder in die Champions League führen.
Ihr Wechsel von Gummersbach zu Flensburg ging rasch über die Bühne. Sind Sie im hohen Norden bereits gut angekommen?
VIKTOR SZILAGYI: So viel habe ich von der Stadt noch nicht mitbekommen, da wir in den ersten zwei Trainingswochen im Ausland waren. Was den Verein betrifft, ist alles bestens und es war nicht schwer, sich einzugliedern. Viel schwieriger wird es sein, sich auf das neue System und die neuen Mitspieler einzustellen.
Was ist das Saisonziel? Immerhin beendete Ihr neuer Arbeitgeber die letzte Saison auf Platz drei.
SZILAGYI: Wir haben uns intern ein Ziel gesetzt - und das ist Platz vier und damit wieder die Champions-League-Qualifikation. Das ist natürlich hochgesteckt, aber wir denken alle, dass wir dort hingehören. Und mit unserer Mannschaft ist das auch realistisch. Durch die Doppelbelastung mit der Champions League wird es aber hart.
Ist man vor dem zehnten Jahr in Deutschland vor dem Saisonstart noch nervös, oder sind Sie schon so abgebrüht, dass Sie das kaltlässt?
SZILAGYI: Nervös nicht. Man freut sich eher immer, wenn es endlich losgeht. Die Vorbereitungszeit ist nicht die, wegen der man Handball spielt. Im Training und in der Vorbereitung werden nur die Grundlagen geschaffen. In den Testspielen geht es ja in Wirklichkeit um nichts.
Handball kann brutal sein: Der polnische Teamspieler Karol Bielecki verlor in einem Testspiel das Augenlicht, weil ihm sein Gegenspieler bei einer unglücklichen Verteidigung den Finger ins linke Auge gebohrt hat. Denkt man nach solchen Geschichten über die eigene Karriere und die Zukunft nach?
SZILAGYI: Kurz vielleicht, aber wir alle kennen das Risiko und man darf sich in so einer Situation einfach nicht verrückt machen lassen. Man muss weitermachen, auch wenn man immer wieder von schweren Verletzungen hört. Das ist einfach so und das gehört zum Handball dazu wie das Feiern von Titeln und Erfolgen.
Verletzungen stehen also quasi auf der Tagesordnung. Aber denkt man nach, wie man das Risiko minimieren kann?
SZILAGYI: Man versucht natürlich, im Training alles zu tun, um topfit zu sein und sich bestmöglich vorzubereiten. Wirklich ausschließen kann man solche Unfälle und Verletzungen aber nie. Das Einzige, was man tun kann: eine gute Versicherung abschließen.
In der Campushalle in Flensburg fasst allein die Stehplatz-Tribüne mit 1500 Plätzen mehr Zuseher, als in Österreich durchschnittlich zu einem Spiel kommen. Wie groß ist der Unterschied zwischen Handball-Deutschland und -Österreich tatsächlich?
SZILAGYI: Der ist natürlich riesengroß. Aber es wäre nicht gerecht, die österreichische mit der deutschen Liga zu vergleichen. Man muss sich nur die Budgets, die Gehälter oder die Zuseherzahlen anschauen. Da gibt es immense Unterschiede. Ein Beispiel: Der THW Kiel hat ein Jahresetat von 9,5 Millionen Euro; das hat die ganze Liga in Österreich zusammen nicht. Deshalb glaube ich, dass man die deutsche Liga außer mit der spanischen mit keiner anderen vergleichen kann.
Features
Viktor Szilagyi
- Geboren: 16. September 1978 in Budapest
- Position: Aufbau links/mitte
- Vereine: St. Pölten (bis 99), Innsbruck (99/00), Dornmagen (01/02), Essen (01 - 05), Kiel (05 - 08), Gummersbach (08 - 10), Flensburg-Handewitt
- Titel: Champions League, Europapokal der Pokalsieger, 2 x EHF-Pokal, 3 x deutscher Meister, 2 x deutscher Pokal, 2 x deutscher Supercup, EHF-Trophy













