"Man schafft immer mehr"
Surasa Mairer ist in New York 101 Marathons in Serie gelaufen. Dabei hat die Tirolerin sieben Paar Schuhe verbraucht und sich unzählige Blasen eingefangen

Foto © PrivatSurasa Mairer
Als erst zweite Frau weltweit hat die in Wien lebende Tirolerin Surasa Mairer am Self-Transcendence-Lauf in New York teilgenommen, der über 3100 Meilen (4988 km) führt. Sie hat die Strecke in der vorgegebenen Maximalzeit von 52 Tagen zwar nicht ganz geschafft, ist aber 4442 Kilometer oder 101 Marathons in Serie gelaufen.
Wie geht es Ihnen eine Woche nach diesen Strapazen? SURASA MAIRER: Gut. Das Erstaunlichste war, dass ich an den letzten beiden Tagen überhaupt keine Schmerzen hatte. Ich bin da auch genauso schnell gelaufen wie am ersten Tag. Am Schluss hatte ich so viel Power, das war unglaublich. Jetzt schmerzen die Fußballen, aber sonst geht's.
Also keine Verletzungen?
MAIRER: Am zweiten Tag hatte ich eine Beinhautentzündung. Die hat mir letztlich aber geholfen.
Inwiefern?
MAIRER: Dadurch konnte ich zwei Tage nur gehen und es war klar, dass ich die 3100 Meilen nicht schaffen kann. Das hat mir den Druck genommen.
Wie kommt man eigentlich dazu, solche Läufe zu bestreiten?
MAIRER: Ich habe lange fast gar keinen Sport betrieben. Mit 28 Jahren habe ich dann ein Meditationsseminar gemacht, bei dem es auch ums Laufen ging. Von da an habe ich mich immer gesteigert. Erst zwei, dann zehn Kilometer, dann Marathon und Ultraläufe.
Der Lauf fand auf einem 883 Meter langen Rundkurs statt. Wird man da auf über 5000 Runden nicht wahnsinnig?
MAIRER: Nein. Ich war sogar froh, dass die Runde so kurz war. Dadurch kam ich oft am Ziel vorbei, wo die Helfer standen und es Verpflegung gab. Bei 35 Grad muss man viel trinken. Auch das Essen war wichtig. Ich habe täglich 10.000 Kalorien in Form von Reis, Nudeln und gekochtem Gemüse zu mir genommen. Das geht nur, wenn man sich dazu zwingt, ungefähr jede zweite Runde zu essen.
Was geht einem auf so einer langen "Reise" durch den Kopf?
MAIRER: Nichts Besonderes. Am besten man denkt möglichst wenig. Ich habe versucht, alles zu nehmen, wie es kommt und nicht negativ zu denken. Denn bei so einer Belastung wirkt sich das extrem auf den Körper aus. Und ich habe Gedichte und Gebete, die ich beim Laufen wiederhole.
Was nehmen Sie von dieser extremen Erfahrung mit? MAIRER: Dass man immer mehr schaffen kann, als man glaubt. Mir geht es darum, die eigenen Grenzen zu verschieben. Was ich heute erreicht habe, ist immer der Ausgangspunkt für morgen.
Features
Fakten zur Person
Surasa Paula Mairer, geboren am 6. März 1959 in St. Justina in Osttirol.
Begann im Alter von 28 Jahren mit dem Laufsport und hält heute die Ultra-Weltrekorde für Frauen über 1000 Kilometer, 700 Meilen und 1300 Meilen.















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