Schwarzl mit Ehefrau als Trainerin in Barcelona
EM-Debütant Roland Schwarzl will mit Hilfe seiner Ehefrau und Trainerin Sandra in Barcelona hoch hinaus. Weltrekordler Roman Sebrle fällt verletzungsbedingt aus.

Foto © GEPARoland und Sandra Schwarzl
EM-Debütanten hat das österreichische Team in Barcelona viele zu bieten, kaum zu glauben, dass auch Mehrkampf-Dauerbrenner Roland Schwarzl dazugehört. 2006 hatte er das Limit für Göteborg verpasst, heuer war er gleich zweimal über die geforderte Norm gekommen und übertraf in Götzis mit 8.032 Punkten das erste Mal seit Olympia 2004 wieder die begehrte Marke. Mit Ehefrau Sandra als Trainerin blickt der Wahl-Salzburger auf eine starke Hallen- und Freiluft-Saison zurück und hält im Olympiastadion auf dem Montjuic vieles für möglich.
Als erste EM-Teilnehemer, so sagte man ihnen auf dem Flughafen, waren die Schwarzls am Donnerstag in der Olympiastadt von 1992 angekommen, am Freitag besichtigten sie das Stadion, am Montag absolvierte der Zehnkämpfer ein paar 100-m-Starts. Die Sonne brannte auf der Haut, für den Zweitagesbewerb wünscht sich Schwarzl "Zelte und Schirme", um "jede freie Sekunde" im Schatten verbringen zu können. Hitze macht dem 29-Jährigen aber nichts aus, genauso wenig wie Regengüsse, Wasserlachen oder Wind. "Er ist sehr unkompliziert, kann sich extrem schnell gut einstellen", bescheinigt die Trainerin dem Athleten.
Verbindet man Berufliches mit Privatem ist man in Freud und Leid doppelt belastet. "Aber da Roli sehr stark ist und ich sehr stark bin, funktioniert es", sagte Sandra Schwarzl, die zugibt, dass es nicht geplant gewesen sei, dass sie die Trainerin werde. Aber sie haben sich gedacht, sie könnten es probieren und auch gemeinsam etwas erreichen. Anerkennung zu bekommen, sei schwierig. In schlechten Zeiten - wie in den langen Monaten nach dem verpatzen WM-Antreten 2009 in Berlin - häufte sich die Kritik. Neider und Zweifler", so der Olympia-Zehnte 2004 gegenüber der Austria Presse Agentur, gäbe es immer.
Sandra Schwarzl verfügt über keine Trainerausbildung. "Aber in Österreich ist es so, dass auch Gregor Högler oder Heinrich Weidlinger keine Trainerausbildung haben, dadurch ist die Position von Sandy etwas einfacher", sagte Roland Schwarzl. Ohnehin sei seiner Meinung nach die Erfahrung wichtiger, so schaue man sich von anderen Trainern was ab und scheue sich nicht, auch Rat einzuholen. "Jetzt ist nur er wichtig, dann mache ich die Ausbildung. Ich traue mir zu, ihn zu trainieren, auch wenn viele glauben, ich kann das nicht. Aber ich habe in der Halle bewiesen, dass ich es gut kann", spricht die Salzburgerin klare Worte.
Die Erfahrung ist das eine, der persönliche Einsatz das andere. "Ich bin mit dem Herz dabei. Es ist nicht nur wichtig, wie man trainiert, sondern auch, wie man mit dem Athleten umgeht. Ich fahre seit zehn Jahren zu den Wettkämpfen mit", berichtete die Ehefrau. Spontan fallen beiden der frühere Zehnkampf-Weltrekordler Dan O'Brian oder Österreichs Stabhochsprungrekordler Hermann Fehringer ein, die ebenfalls von Frauen trainiert wurden.
Seine jüngsten Wettkämpfe hat Schwarzl bei den Staatsmeisterschaften am 10./11. Juli in Villach bestritten, wo er Stabhochsprung und Hochsprung gewann und auch einen guten Diskus-Bewerb ablieferte. Danach folgten nur noch "kurze, knackige Einheiten". Wegen optimaler Anpassung an Klima, Essen und Trinken (Wasser) erfolgte eine frühe Anreise nach Barcelona. "Ich muss zwei Tage hintereinander meine Leistung bringen, höchst konzentriert sein. Gewisse Sachen kann man eh nicht planen. Ich habe mich super vorbereitet, aber es kann alles passieren. Vom ersten Platz bis zum letzten Platz. Es gibt zehn Disziplinen, wo etwas in die Hose gehen kann."
Nicht am Start ist Weltrekordler Roman Sebrle wegen einer Oberschenkelverletzung. Der 35-Jährige, der 2002 und 2006 die EM gewann, denkt aber nicht ans Karriereende und plant schon für die Hallen-EM 2011 in Paris. Der Tscheche ist in Spanien, weil er wie Österreichs Marathonläufer Günther Weidlinger für die Athletenkommission des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) kandidiert. Topfavorit im Zehnkampf ist der Ukrainer Alexej Kasjanow als Saisonbester Europas.













