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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2010 um 19:46 UhrKommentare

ÖOC ratlos: Wo sind die 4,64 Millionen Euro?

"Ich bin wirklich erschüttert, ich bin wütend auf das, was ich hier feststellen musste", sagt ÖOC-Präsident Stoss. 4,64 Millionen Euro sind zwischen 2003 und 2009 geflossen. Wohin? Das weiß keiner so genau.

ÖOC-Präsident Stoss

Foto © APAÖOC-Präsident Stoss

Die vom Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) eingesetzte Unabhängige Untersuchungskommission hat ihre Arbeit beendet und auf der Vorstandssitzung des ÖOC den vorläufigen Abschlussbericht präsentiert, der für Präsident Karl Stoss "Grauslichkeiten genug" beinhaltet. Demnach ist derzeit nicht aufklärbar oder nachvollziehbar, wohin im untersuchten Zeitraum von Jänner 2003 bis Frühjahr 2009 4,64 Millionen Euro geflossen sind. Dies teilte Stoss am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz in Wien mit.

Stoss: "Erschüttert und wütend"

"Ich bin wirklich erschüttert, ich bin wütend auf das, was ich hier feststellen musste. Das wirft ein ganz schlechtes Bild auf das Österreichische Olympische Komitee", sagte Stoss. Der aus drei Elementen bestehende Abschlussbericht wurde bereits vergangenen Freitag der Staatsanwaltschaft Salzburg übergeben, ansonsten besitzt ihn im ÖOC nur Stoss. Auch Sportminister Norbert Darabos habe kein Exemplar erhalten. Man habe dies "heute ganz freundschaftlich diskutiert."

Das ÖOC will sich schadlos halten und u.a. klären, wie die Haftung auf den früheren Vorstand auszulegen ist, das gelte für Kassiere und Rechnungsprüfer. Stoss stellte aber auch klar: "Das ÖOC wird sich im Fall einer Anklage als Privatbeteiligter an das Verfahren anhängen. Wir möchten jeden Cent wieder rückgefordert haben, wenn zweckgebundene Gelder fälschlicherweise anders verwendet wurden."

Stoss nannte ein paar Beispiele, wofür das Geld ausgegeben worden ist. "Ich weiß beim besten Willen nicht, was das ÖOC mit einem Rasentraktor tut. Oder wenn ich lese, Reparaturarbeiten für eine Fußbodenheizung, da stellt sich bei mir die Frage, wo eine ist." Weiters fänden sich Posten wie Feintuning für einen Porsche, Privatflüge für Familienmitglieder, Werkzeuge wie Bohrer und Schlagschrauber, ein VW-Bus mit Luxusausführung, eine automatsche Schiebetür, aber auch Zuwendungen für Reittrainer, private Reitvereine oder die Freiwillige Feuerwehr.

Keine Vorwürfe gegen Wallner

"Das muss aufgeklärt werden, das kann man nur durch Befragungen der Betroffenen oder in Malversationen involvierten Personen. Das steht außerhalb unserer Macht, das können nur ordentliche Gerichte tun." Stoss selbst rechne mit Verfahren. Auf die Frage, ob der ehemalige Präsident Leo Wallner dazugehören könne, meinte er: "Da ist in all den Erhebungen bis heute nichts zutage getreten. Auszuschließen ist gar nichts, aber es ist weder eine Unterschrift noch eine Transaktion an den ehemaligen Präsidenten sichtbar."

Über das geheime Verrechnungskonto sind an Einnahmen 3.243.560,33 Euro geflossen, an Ausgaben 1.840.039,76 und an Barabhebungen 1.605.516,64. Beim Sparbuch gab es Einnahmen von 5.483,570,38 und Ausgaben von 5.568.730,40. Zum Personenkreis gab Stoss keine Angaben, merkte jedoch an, dass man Personen, die in bereits gezogene Konsequenzen involviert sind, dazurechnen könne.

Fakten

Vorläufig hätten die Ergebnisse keine Auswirkungen auf aktuell im ÖOC beschäftigte Mitarbeiter, aber auch das wollte Stoss "nicht ausschließen".

Der ehemalige Generalsekretär Heinz Jungwirth (mit Februar 2009/einvernehmliche Auflösung des Dienstvertrages) sowie dessen Stellvertreterin Manuela Kovarik (März 2010, fristlos entlassen) haben das ÖOC verlassen, für beide gilt die Unschuldvermutung. Aktuell verdächtig werden laut Stoss "ganz sicher zwei Personen". Zeichnungsberechtigt für das geheime Konto seien mehrere Personen gewesen, so Stoss, doch bei allen Transaktionen, die festgestellt wurden, scheinen Unterschriften "dieser genannten Personen auf".

Was sich möglicherweise auch bereits vor 2003 abgespielt habe, dazu konnte Stoss nichts sagen, er merkte aber an, dass die Transaktionen in den vergangenen Jahren größere Ausmaße angenommen haben. "Am Anfang waren die Transaktionen zum Teil fünfstellig, zum Teil niedrig sechsstellig. Und dann hat man sich einfach keinen Genierer mehr gemacht, gemeint, es läuft eh alles, so kommt man nicht drauf."


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