Der Wahnwitz als Marke
Schwindelerregendes planen Felix Baumgartner und Red Bull: Der Extrem-Springer will aus knapp 40 Kilometer Höhe über Texas abspringen.

Foto © (c) Sven Hoffmann Red Bull PhotofilesDer Schutzanzug wurde speziell für Felix Baumgartner entwickelt, von seiner korrekten Funktion ist Baumgartners Leben abhängig
Selbst für die abgebrühte Stadt New York war es ein Großereignis: Felix Baumgartner, Teufelskerl der Lüfte aus Österreich, stellte mit Red Bull ein Projekt der Superlative vor. In wenigen Wochen will der 40-jährige gebürtige Salzburger in rund 40 Kilometern Höhe aus einer Kapsel springen, als erster Mensch frei fliegend nach rund 30 Sekunden die Schallmauer durchbrechen und dann in Texas mit dem Fallschirm landen. Es ist ein Wagnis, das dem Draufgänger und dem Energy-Drink-Produzenten erneut die weltweiten Schlagzeilen sichern soll.
Höher, schneller, riskanter - so kann man das Vorhaben zusammenfassen. Seit der erste Mensch vor mehr als 200 Jahren (1797) aus einem Ballon per Fallschirm absprang, trieben ehrgeizige Pioniere die Grenzen hinauf.
Der bisherige Rekordhalter Joseph Kittinger erreichte 1960 beinahe die Schallgeschwindigkeit. Weil er einen Handschuh verlor, erlitt er Verbrennungen an der Hand; bei einem anderen Sprung ein Jahr davor wurde er bewusstlos und erlebte ihn praktisch nur passiv mit. Gut möglich, dass auch Baumgartner sich auf die Automatik-Systeme verlassen muss, die seinen Fallschirm auffalten. Kittinger (81) ist in Baumgartners Team übrigens mit dabei.
Mehrere Konkurrenten
Die Rekordwerte von Kittinger sind aber eben schon 50 Jahre alt, und das hat schon längst andere ehrgeizige Fallschirmspringer auf den Plan gerufen: Seit Jahren ist bereits der Franzose Michel Fournier (55) bereit, die Schallmauer zu durchbrechen. Er hätte in den 90er-Jahren für die französische Weltraumbehörde Extrem-Absprünge trainieren sollen. Das Projekt wurde abgesagt, privat machte er weiter. 2008 wäre es beinahe so weit gewesen - eine Panne verhinderte das Experiment. Er will es heuer im Mai wieder versuchen. Auch der britische Stuntman Steve Truglia scharrt für heuer in den Startlöchern. Ebenfalls im Rennen ist die Amerikanerin Cheryl Stearns, die auf 17.000 Fallschirmsprünge verweisen kann - Baumgartner hält bei 1300. Die drei Gegner des Österreichers eint eines: Ihnen fehlt noch das Geld für den Sprung.
Baumgartner und Red Bull spielen in einer anderen Liga, man schöpft aus dem Vollen: Microsoft ist dabei, weltweiter Medienpartner ist die BBC, 45 TV-Stationen sollen sich bereits Rechte gesichert haben. Es wird geklotzt und nicht gekleckert. Angeblich soll eine einstündige Sperre des gesamten texanischen Luftraumes geplant sein - die Kosten dürften jene des eigentlichen Sprungs um ein Vielfaches übersteigen. Doch Red Bull gilt auch als Goliath im negativen Sinn: Erst zuletzt gab es nach tödlichen Base-Jump-Unfällen heftige Kritik an dem Konzern, der sozusagen den Wahnwitz zur Marke macht.
NORBERT SWOBODA, MICHAEL SCHUEN
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Bisherige Rekorde
- Höchster Absprung: Joseph Kittinger, 31.332 Meter 1960, New Mexico (USA)
- Längster freier Fall: Evgeny Andreyev, 25.500 Meter, 1. November 1962, bei Wolsk (UdSSR)
Steckbrief
Baumgartner absolvierte eine Lehre als Maschinenschlosser und arbeitete danach als Mechaniker. Fallschirmspringen lernte er beim Bundesheer.
Professioneller Basejumper ist Baumgartner seit 1997, seitdem wird er von Red Bull gesponsert.
Zukunftsaussichten
"Ich möchte in meiner zweiten Lebenshälfte als Hubschrauberpilot arbeiten. Dann bin ich auch in der Luft, gehe aber einem normalen Beruf nach, der allerdings mit einem gewissen Risiko verbunden ist - ich brauch das"
,sagt der Extremsportler Baumgartner.Stratosphäre
Als Stratosphäre wird das sogenannte zweite "Stockwerk" der Erdatmosphäre bezeichnet. Es erstreckt sich im Anschluss an die Tropopause in etwa 12 km Höhe. Über der Stratosphäre schließt sich die Mesosphäre an, die Grenze ist die Stratopause in etwa 50 km Höhe.



















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