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Zuletzt aktualisiert: 08.11.2009 um 16:48 UhrKommentare

Haye verwirklichte mit Sieg über Walujew Kindheitstraum

Man kann auch mit schnellen Füßen Box-Weltmeister werden. David Haye (29) schlägt Box-Koloss Nikolai Walujew in Nürnberg nach Punkten.

Walujew und Haye

Foto © APWalujew und Haye

Die zwölf Runden boten wenig Action, ähnelten eher einem Nachlaufspiel als einem Boxkampf, waren aber dennoch irgendwie spannend, wie geschickt sich der durch den Ring flitzende Modellathlet aus London gegen den schwerfälligen Koloss aus St.Petersburg aus der Gefahr manövrierte. "My speed", meine Schnelligkeit, nannte das neue Großmaul den Faktor, der den Kampf vor 8000 Zuschauern, darunter 3500 Briten, entschieden habe. Stolz und überglücklich jubelte David Haye: "Ich habe den größten und schwersten Champion der Geschichte geschlagen."

Der Wechsel auf dem Thron der Königsklasse der "World Boxing Association" ist ein Segen für das darbende Schwergewicht. Das Charisma, die geschmeidige Boxtechnik, die vollkommene Athletik des dunkelhäutigen Engländers mit der Modellfigur und den Rastafurchen können wieder etwas Faszination ins Schwergewicht bringen. Dann, wenn David Haye zu Vereinigungskämpfen gegen einen der Klitschkos antritt. Ein anderes Kaliber. Mit den abgeschlagenen Köpfen der Brüder auf seinem T-Shirt war der "Haymaker", so sein Kampfname, im Sommer vor dem dann geplatzten Kampf gegen Witali dahergekommen.

Davor hatte der ehemalige Cruisergewichts-Weltmeister aller Verbände bereits den Kampf gegen Wladimir abgesagt. Nun sei er bereit, so sein Versprechen auf der Pressekonferenz, im Schwergewicht gegen die Klitschkos aufzuräumen. Vorher aber muss die 29-jährige neue Attraktion den WBA-Titel pflichtgemäß gegen den amerikanischen Ex-Weltmeister John Ruiz verteidigen.

Simple Taktik

Hayes boxte mit der gleichen Strategie wie zuletzt Evander Holyfield bei seiner umstrittenen Punktniederlage vor elf Monaten gegen Walujew. Der Herausforderer rannte Runde um Runde rückwärts und Nikolai Walujew trottete stoisch hinterher. Hayes wagte zwei, drei spektakuläre Überfälle meist kurz vor dem Gong, steckte zweimal zwei rechte Konter weg und erlitt auch eine leichte Schwellung unter dem rechten Auge.

Unter Walujews tapsigen Angriffen tauchte Hayes stets schnell weg. "Zweimal treffen und nicht getroffen werden, dann gewinnst du die Runde", lautete Hayes simple Taktik. "Ich war clever und habe auch mein Hirn ein bisschen eingesetzt."

Denn anders als dem bereits 46-jährigen Holyfield ging Haye gegen den unentwegt nach vorn tapsenden Koloss die Puste nicht aus. Im Gegenteil. Mit zwei linken Schlägen seines Markenzeichens "Haymaker", also zwei Heumachern, ließ er in der Schlussrunde den Giganten sogar taumeln. Die rechte Hand war da schon nicht mehr einsatzfähig. "Die ging früh kaputt", sagte Haye und nahm die Glückwünsche mit der linken Hand entgegen. "Ich kam mir vor, als würde ich gegen eine Steinmauer hauen, so hart ist sein Schädel."

Nikolai Walujew akzeptierte die Niederlage sportlich und fair. "Leider habe ich meine Fans enttäuscht und entschuldige mich

dafür." Dennoch sei er sich wie bei einem "Marathonlauf" vorgekommen. Alle am Ring fragten sich, warum er bei diesem Nachlauf nur mit der Linken fuchtelte und nicht einmal einen rechten Schlag durchzog, wenn er den "Gummimann" am Seile zu stellen versuchte. "Er war zu schnell. Wenn meine Schläge nur in die Luft gehen, kostet das viel Kraft. Ich wäre nach sechs Runden ausgequetscht gewesen wie eine Zitrone", erklärte Walujew sein Zaudern und Zögern.

Kein Rücktritt

Obwohl die Gelenke die Körpermasse kaum noch tragen können, der Riese sich an beiden Knien hatte operieren lassen müssen und weitere Operationen an den Schultern notwendig wären, wie Insider verrieten, denkt der 36-jährige Koloss nach der zweiten Niederlage seiner Karriere (50 Siege) nicht an Rücktritt. "Ich komme unbedingt zurück." Während der Vorbereitung hatte sich Walujew mehrfach wegen Gelenkschmerzen fitspritzen lassen. "Ich habe verloren, und werde jetzt nicht über meine Wehwehchen im Training klagen", sagte der Geschlagene. Goliath, der Sportsmann.

HARTMUT SCHERZER, NÜRNBERG

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