Rodeln: Mutprobe für Rodler am Stausee und in der Schlucht
Mit einem Abenteuertag im Zillertal hat für das österreichische Rodelnationalteam offiziell die Vorbereitung auf die neue Saison, mit dem Höhepunkt der Olympischen Spiele in Vancouver begonnen.

Foto © APATobias Schiegl
Tandemdrachenfliegen, ein Schluchtensprung und das Abseilen von der Schlegeis-Staumauer standen auf dem Programm - vor einer Saison, in der es u.a. gilt, die durch Andreas und Wolfgang Linger in Turin geholte Doppelsitzer-Olympiamedaille zu verteidigen.
Panik pur
Da stand Veronika Halder oben am kleinen Absprungpodest, senkrecht unter ihr, in 55 Meter Tiefe, sprudelte die Ziller in der Zemmschlucht nahe Mayrhofen. Und Halder zitterte am ganzen Körper, Panik pur in ihren Augen. "Drei, zwei, eins, los", zählte Nationaltrainer Rene Friedl ein. Doch Halder mit bleichem Gesicht wich wieder einen Schritt zurück. Und nochmals: "Drei, zwei, eins, los!" Mit einem lauten Schrei stürzte sich Halder 30 Meter ins freie Seil, ehe sie angespannt ausschwang. Noch am sicheren Talboden stand die 27-Jährige zitternd mit weichen Knien.
"Es ging schon halbwegs, auch wenn ich es nicht wieder machen muss ", bekannte die Rodlerin, die ansonsten keine Angst hat, sich mit bis 140 Stundenkilometern durch die engen Eiskanäle auf der Welt zu stürzen, auch Minuten später immer noch außer Atem. "Aber für die Saison hilft es mir sicher sehr."
"Es geht darum, die Angst zu überwinden, sich auf Extrem-Situationen einzustellen und diese dann bei voller Konzentration zu bewältigen", erläuterte Friedl. Diese Situation sei ziemlich genau vergleichbar mit einer Wettkampfsituation, deshalb baut der Nationaltrainer jährlich einmal sogenannte Mutproben in sein Trainingsprogramm ein. Im Vorjahr gab es Bungee-Jumping von der 173 Meter hohen Europabrücke auf der Brennerautobahn.
Tandemschirm
Zum Auftakt des Abenteuertages stand für drei Athleten schon Gleitschirmfliegen auf dem Programm. Olympiasieger Andreas Linger durfte mit dem Tandemschirm mit Piloten Wolfgang Siess, der vor drei Wochen bei der WM die Goldmedaille errungen hatte, die 1.400 Meter Höhe von der Alm nach Mayrhofen bewältigen. "Einfach toll, auch wenn es hie und da schon extrem auf den Magen drückte", schilderte er seine Eindrücke ebenso wie sein Bruder Wolfgang und Nina Reithmayer, die bekannte, beim Schluchtensprung ebenso ein extrem mulmiges Gefühl gehabt zu haben.
Auch das Abseilen von der Krone der 131 Meter hohen Staumauer am Schlegeisspeicher im hinteren Zillertal kostete die Mitglieder des österreichischen Nationalteams - nur Daniel Pfister, Bronzegewinner bei der WM in Lake Placid, musste krankheitsbedingt passen - einiges an Überwindung. Immerhin hatten die Rodler, die durch die Bank Tiroler sind, zuvor einen 50-m-Überhang zu bewältigen. "Noch brutaler als die Schlucht, schrecklich", kommentierte Halder diese Mutprobe.













