Einmal will es Herr Prokop noch wissen
Für viele ist Hypo Niederösterreich nur eine Handballmannschaft. Für Gunnar Prokop hingegen ist der Klub Lebenswerk und -inhalt. In Kärnten proben Übervater und Team für die Champions League.

Foto © GEPAGunnar Prokop
Gunnar Prokop ist ein Mann, der Prioritäten zu setzen weiß. Das müssen auch Gesprächspartner am Telefon zur Kenntnis nehmen, wenn der Grandseigneur des heimischen Handballs kurz seine Ausführungen unterbricht, um Befehle in den Kraftraum hinter sich zu schmettern: "An die Stationen, gemma, gemma", dringt es gedämpft aus dem Hörer.
Einzeleinheiten
Prokop ist wieder da. Nach zwei Jahren als Manager hat sich der nunmehr 69-jährige Übervater bei seinem Lebenswerk Hypo Niederösterreich auch wieder als Trainer eingesetzt. Derzeit gastieren Betreuer und Team zur Vorbereitung im Bundessportzentrum am Faaker See. Krafttraining, Klettern, Mountainbiking, Aerobic und - natürlich - Handball stehen als Einzeleinheiten bis zu drei Mal täglich am Programm. Mit der ihm eigenen Energie will Prokop die international erfolgreichste heimische Mannschaft dorthin führen, wo sie seiner Meinung nach auch hingehört: zum Titel in der Champions League, deren Gruppenphase im Oktober beginnt.
"Eines kann ich garantieren - diese Mannschaft wird fit sein wie kaum eine zuvor", sagt Prokop, der vor kurzer Zeit noch unkte, dass seine Spielerinnen unter Ex-Trainer Andreas Nemeth "zwei Jahre lang keine Pulsuhren verwendet haben". Und: "Es ist noch nie passiert, dass wir konditionell schlechter waren als unsere Gegner." Doch der oft als "Peitschenknaller" verschriene Prokop ist auch milder Worte fähig: "Ich bin von der Arbeitseinstellung und dem Mannschaftsgeist wirklich begeistert." Nachsatz: "Wenn ich sehe, wie Spielertrainerin Seong-Ok Oh mit der Mannschaft arbeitet, dann macht mich das sehr zufrieden." Ein Lob, das zählt: 27 Trainer hat der Verein seit seinem Gründungsjahr 1972 verbraucht.
Konzentration
Mit Prokop auf der Trainerbank sollen sich die Damen aus Österreich, Brasilien, Spanien, Russland, Serbien, Norwegen und Südkorea aber jetzt vor allem auf eine Zahl konzentrieren - die Neun. Seit dem Jahr 2000 wartet man bei Hypo auf einen weiteren Sieg in der Champions League und damit den einzigen Titelgewinn auf Klubebene, der für einen Prokop wirklich zählt. Und dann? Die Antwort kennt der Trainer vermutlich selbst nicht. Sie ist jetzt nicht wichtig, hinten im Kraftraum wartet die Mannschaft auf Befehle.













